^2 Der Bericht, dass zunaechst Xanthippos’ militaerisches Talent Karthago gerettet habe, ist wahrscheinlich gefaerbt; die karthagischen Offiziere werden schwerlich auf den Fremden gewartet haben, um zu lernen, dass die leichte afrikanische Kavallerie zweckmaessiger auf der Ebene verwandt werde als in Huegeln und Waeldern. Von solchen Wendungen, dem Echo der griechischen Wachtstubengespraeche, ist selbst Polybios nicht frei. Dass Xanthippos nach dem Siege von den Karthagern ermordet worden sei, ist eine Erfindung; er ging freiwillig fort, vielleicht in aegyptische Dienste.
^3 Weiter ist ueber Regulus’ Ende nichts mit Sicherheit bekannt; selbst seine Sendung nach Rom, die bald 503 (251), bald 513 (241) gesetzt wird, ist sehr schlecht beglaubigt, Die spaetere Zeit, die in dem Glueck und Unglueck der Vorfahren nur nach Stoffen suchte fuer Schulakte, hat aus Regulus den Prototyp des ungluecklichen wie aus Fabricius das des duerftigen Helden gemacht und eine Menge obligat erfundener Anekdoten auf seinen Namen in Umlauf gesetzt; widerwaertige Flitter, die uebel kontrastieren mit der ernsten und schlichten Geschichte.
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Wie die Schreckenspost nach Rom gelangte, war die erste Sorge natuerlich gerichtet auf die Rettung der in Clupea eingeschlossenen Mannschaft. Eine roemische Flotte von 350 Segeln lief sofort aus, und nach einem schoenen Sieg am Hermaeischen Vorgebirg, bei welchem die Karthager 114 Schiffe einbuessten, gelangte sie nach Clupea eben zur rechten Zeit, um die dort verschanzten Truemmer der geschlagenen Armee aus ihrer Bedraengnis zu befreien. Waere sie gesandt worden, ehe die Katastrophe eintrat, so haette sie die Niederlage in einen Sieg verwandeln moegen, der wahrscheinlich den phoenikischen Kriegen ein Ende gemacht haben wuerde. So vollstaendig aber hatten jetzt die Roemer den Kopf verloren, dass sie nach einem gluecklichen Gefecht vor Clupea saemtliche Truppen auf die Schiffe setzten und heimsegelten, freiwillig den wichtigen und leicht zu verteidigenden Platz raeumend, der ihnen die Moeglichkeit der Landung in Afrika sicherte, und der Rache der Karthager ihre zahlreichen afrikanischen Bundesgenossen schutzlos preisgebend. Die Karthager versaeumten die Gelegenheit nicht, ihre leeren Kassen zu fuellen und den Untertanen die Folgen der Untreue deutlich zu machen. Eine ausserordentliche Kontribution von 1000 Talenten Silber (1740000 Taler) und 20000 Rindern ward ausgeschrieben und in saemtlichen abgefallenen Gemeinden die Scheiche ans Kreuz geschlagen - es sollen ihrer dreitausend gewesen sein und dieses entsetzliche Wueten der karthagischen Beamten wesentlich den Grund gelegt haben zu der Revolution, welche einige Jahre spaeter in Afrika ausbrach. Endlich, als wollte wie frueher das Glueck, so jetzt das Unglueck den Roemern das Mass fuellen, gingen auf der Rueckfahrt der Flotte in einem schweren Sturm drei Vierteile der roemischen Schiffe mit der Mannschaft zugrunde; nur achtzig gelangten in den Hafen (Juli 499 255). Die Kapitaene hatten das Unheil wohl vorausgesagt, aber die improvisierten roemischen Admirale die Fahrt einmal also befohlen.
Nach so ungeheuren Erfolgen konnten die Karthager die lange eingestellte Offensive wiederum ergreifen. Hasdrubal, Hannos Sohn, landete in Lilybaeon mit einem starken Heer, das besonders durch die gewaltige Elefantenmasse - es waren ihrer 140 - in den Stand gesetzt wurde, gegen die Roemer das Feld zu halten; die letzte Schlacht hatte gezeigt, wie es moeglich war, den Mangel eines guten Fussvolks durch Elefanten und Reiterei einigermassen zu ersetzen. Auch die Roemer nahmen den sizilischen Krieg von neuem auf: die Vernichtung des Landungsheeres hatte, wie die freiwillige Raeumung von Clupea beweist, im roemischen Senat sofort wieder der Partei die Oberhand gegeben, die den afrikanischen Krieg nicht wollte und sich begnuegte, die Inseln allmaehlich zu unterwerfen. Allein auch hierzu bedurfte man einer Flotte; und da diejenige zerstoert war, mit der man bei Mylae, bei Eknomos und am Hermaeischen Vorgebirge gesiegt hatte, baute man eine neue. Zu zweihundertundzwanzig neuen Kriegsschiffen wurde auf einmal der Kiel gelegt - nie hatte man bisher gleichzeitig so viele zu bauen unternommen -, und in der unglaublich kurzen Zeit von drei Monaten standen sie saemtlich segelfertig. Im Fruehjahr 500 (254) erschien die roemische Flotte, dreihundert groesstenteils neue Schiffe zaehlend, an der sizilischen Nordkueste. Durch einen gluecklichen Angriff von der Seeseite ward die bedeutendste Stadt des karthagischen Siziliens, Panormos, erobert, und ebenso fielen hier die kleineren Plaetze Solus, Kephaloedion, Tyndaris den Roemern in die Haende, so dass am ganzen noerdlichen Gestade der Insel nur noch Thermae den Karthagern verblieb. Panormos ward seitdem eine der Hauptstationen der Roemer auf Sizilien. Der Landkrieg daselbst stockte indes; die beiden Armeen standen vor Lilybaeon einander gegenueber, ohne dass die roemischen Befehlshaber, die der Elefantenmasse nicht beizukommen wussten, eine Hauptschlacht zu erzwingen versucht haetten.
Im folgenden Jahre (501 253) zogen die Konsuln es vor, statt die sicheren Vorteile in Sizilien zu verfolgen, eine Expedition nach Afrika zu machen, nicht um zu landen, sondern um die Kuestenstaedte zu pluendern. Ungehindert kamen sie damit zustande; allein nachdem sie schon in den schwierigen und ihren Piloten unbekannten Gewaessern der Kleinen Syrte auf die Untiefen aufgelaufen und mit Muehe wieder losgekommen waren, traf die Flotte zwischen Sizilien und Italien ein Sturm, der ueber 150 roemische Schiffe kostete; auch diesmal hatten die Piloten, trotz ihrer Vorstellungen und Bitten, den Weg laengs der Kueste zu waehlen, auf Befehl der Konsuln von Panormos gerades Weges durch das offene Meer nach Ostia zu steuern muessen.
Da ergriff Kleinmut die Vaeter der Stadt; sie beschlossen, die Kriegsflotte abzuschaffen bis auf 60 Segel und den Seekrieg auf die Kuestenverteidigung und die Geleitung der Transporte zu beschraenken. Zum Glueck nahm eben jetzt der stockende Landkrieg auf Sizilien eine guenstigere Wendung. Nachdem im Jahre 502 (252) Thermae, der letzte Punkt, den die Karthager an der Nordkueste besassen, und die wichtige Insel Lipara den Roemern in die Haende gefallen waren, erfocht im Jahre darauf der Konsul Lucius Caecilius Metellus unter den Mauern von Panormos einen glaenzenden Sieg ueber das Elefantenheer (Sommer 503 251). Die unvorsichtig vorgefuehrten Tiere wurden von den im Stadtgraben aufgestellten leichten Truppen der Roemer geworfen und stuerzten teils in den Graben hinab, teils zurueck auf ihre eigenen Leute, die in wilder Verwirrung mit den Elefanten zugleich sich zum Strande draengten, um von den phoenikischen Schiffen aufgenommen zu werden. 120 Elefanten wurden gefangen, und das karthagische Heer, dessen Staerke auf den Tieren beruhte, musste sich wiederum in die Festungen einschliessen. Es blieb, nachdem auch noch der Eryx den Roemern in die Haende gefallen war (505 249), auf der Insel den Karthagern nichts mehr als Drepana und Lilybaeon. Karthago bot zum zweitenmal den Frieden an; allein der Sieg des Metellus und die Ermattung des Feindes gab der energischeren Partei im Senat die Oberhand. Der Friede ward zurueckgewiesen und beschlossen, die Belagerung der beiden sizilischen Staedte ernsthaft anzugreifen und zu diesem Ende wiederum eine Flotte von 200 Segeln in See gehen zu lassen. Die Belagerung von Lilybaeon, die erste grosse und regelrechte, die Rom unternahm, und eine der hartnaeckigsten, die die Geschichte kennt, wurde von den Roemern mit einem wichtigen Erfolg eroeffnet: ihrer Flotte gelang es, sich in den Hafen der Stadt zu legen und dieselbe von der Seeseite zu blockieren. Indes vollstaendig die See zu sperren, vermochten die Belagerer nicht. Trotz ihrer Versenkungen und Palisaden und trotz der sorgfaeltigsten Bewachung unterhielten gewandte und der Untiefen und Fahrwaesser genau kundige Schnellsegler eine regelmaessige Verbindung zwischen den Belagerten in der Stadt und der karthagischen Flotte im Hafen von Drepana; ja nach einiger Zeit glueckte es einem karthagischen Geschwader von 50 Segeln, in den Hafen einzufahren, Lebensmittel in Menge und Verstaerkung von 10000 Mann in die Stadt zu werfen und unangefochten wieder heimzukehren. Nicht viel gluecklicher war die belagernde Landarmee. Man begann mit regelrechtem Angriff; die Maschinen wurden errichtet, und in kurzer Zeit hatten die Batterien sechs Mauertuerme eingeworfen; die Bresche schien bald gangbar. Allein der tuechtige karthagische Befehlshaber Himilko wehrte diesen Angriff ab, indem auf seine Anordnung hinter der Bresche sich ein zweiter Wall erhob. Ein Versuch der Roemer, mit der Besatzung ein Einverstaendnis anzuknuepfen, ward ebenso noch zur rechten Zeit vereitelt. Ja es gelang den Karthagern, nachdem ein erster, zu diesem Zwecke gemachter Ausfall abgeschlagen worden war, waehrend einer stuermischen Nacht die roemische Maschinenreihe zu verbrennen. Die Roemer gaben hierauf die Vorbereitungen zum Sturm auf und begnuegten sich, die Mauer zu Wasser und zu Lande zu blockieren. Freilich waren dabei die Aussichten auf Erfolg sehr fern, solange man nicht imstande war, den feindlichen Schiffen den Zugang gaenzlich zu verlegen; und einen nicht viel leichteren Stand als in der Stadt die Belagerten hatte das Landheer der Belagerer, welchem die Zufuhren durch die starke und verwegene leichte Reiterei der Karthager haeufig abgefangen wurden und das die Seuchen, die in der ungesunden Gegend einheimisch sind, zu dezimieren begannen. Die Eroberung Lilybaeons war nichtsdestoweniger wichtig genug, um geduldig bei der muehseligen Arbeit auszuharren, die denn doch mit der Zeit der. gewuenschten Erfolg verhiess. Allein dem neuen Konsul Publius Claudius schien die Aufgabe, Lilybaeon eingeschlossen zu halten, allzu gering; es gefiel ihm besser, wieder einmal den Operationsplan zu aendern und mit seinen zahlreichen neu bemannten Schiffen die karthagische in dem nahen Hafen von Drepana verweilende Flotte unversehens zu ueberfallen. Mit dem ganzen Blockadegeschwader, das Freiwillige aus den Legionen an Bord genommen hatte, fuhr er um Mitternacht ab und erreichte, in guter Ordnung segelnd, den rechten Fluegel am Lande, den linken in der hohen See, gluecklich mit Sonnenaufgang den Hafen von Drepana. Hier kommandierte der phoenikische Admiral Atarbas. Obwohl ueberrascht, verlor er die Besonnenheit nicht und liess sich nicht in den Hafen einschliessen, sondern wie die roemischen Schiffe in den nach Sueden sichelfoermig sich oeffnenden Hafen an der Landseite einfuhren, zog er an der noch freien Seeseite seine Schiffe aus dem Hafen heraus und stellte sich ausserhalb desselben in Linie. Dem roemischen Admiral blieb nichts uebrig, als die vordersten Schiffe moeglichst schnell aus dem Hafen zurueckzunehmen und sich gleichfalls vor demselben zur Schlacht zu ordnen; allein ueber dieser rueckgaengigen Bewegung verlor er die freie Wahl seiner Aufstellung und musste die Schlacht annehmen in einer Linie, die teils von der feindlichen um fuenf Schiffe ueberfluegelt ward, da es an Zeit gebrach, die Schiffe wieder aus dem Hafen vollstaendig zu entwickeln, teils so dicht an die Kueste gedraengt war, dass seine Fahrzeuge weder zurueckweichen noch hinter der Linie hinsegelnd sich untereinander zu Hilfe kommen konnten. Die Schlacht war nicht bloss verloren, ehe sie begann, sondern die roemische Flotte so vollstaendig umstrickt, dass sie fast ganz den Feinden in die Haende fiel. Zwar der Konsul entkam, indem er zuerst davonfloh; aber 93 roemische Schiffe, mehr als drei Viertel der Blockadeflotte, mit dem Kern der roemischen Legionen an Bord, fielen den Phoenikern in die Haende. Es war der erste und einzige grosse Seesieg, den die Karthager ueber die Roemer erfochten haben. Lilybaeon war der Tat nach von der Seeseite entsetzt, denn wenn auch die Truemmer der roemischen Flotte in ihre fruehere Stellung zurueckkehrten, so war diese doch jetzt viel zu schwach, um den nie ganz geschlossenen Hafen ernstlich zu versperren, und konnte vor dem Angriff der karthagischen Schiffe sich selbst nur retten durch den Beistand des Landheers. Die eine Unvorsichtigkeit eines unerfahrenen und frevelhaft leichtsinnigen Offiziers hatte alles vereitelt, was in dem langen und aufreibenden Festungskrieg muehsam erreicht worden war; und was dessen Uebermut noch an Kriegsschiffen den Roemern gelassen hatte, ging kurz darauf durch den Unverstand seines Kollegen zugrunde. Der zweite Konsul, Lucius Iunius Pullus, der den Auftrag erhalten hatte, die fuer das Heer in Lilybaeon bestimmten Zufuhren in Syrakus zu verladen und die Transportflotte laengs der suedlichen Kueste der Insel mit der zweiten roemischen Flotte von 120 Kriegsschiffen zu geleiten, beging, statt seine Schiffe zusammenzuhalten, den Fehler, den ersten Transport allein abgehen zu lassen und erst spaeter mit dem zweiten zu folgen. Als der karthagische Unterbefehlshaber Karthalo, der mit hundert auserlesenen Schiffen die roemische Flotte im Hafen von Lilybaeon blockierte, davon Nachricht erhielt, wandte er sich nach der Suedkueste der Insel, schnitt die beiden roemischen Geschwader, sich zwischen sie legend, voneinander ab und zwang sie, an den unwirtlichen Gestaden von Gela und Kamarina in zwei Nothaefen sich zu bergen. Die Angriffe der Karthager wurden freilich von den Roemern tapfer zurueckgewiesen mit Hilfe der hier wie ueberall an der Kueste schon seit laengerer Zeit errichteten Strandbatterien; allein da an Vereinigung und Fortsetzung der Fahrt fuer die Roemer nicht zudenken war, konnte Karthago die Vollendung seines Werkes den Elementen ueberlassen. Der naechste grosse Sturm vernichtete denn auch beide roemische Flotten auf ihren schlechten Reeden vollstaendig, waehrend der phoenikische Admiral auf der hohen See mit seinen unbeschwerten und gut gefuehrten Schiffen ihm leicht entging. Die Mannschaft und die Ladung gelang es den Roemern indes groesstenteils zu retten (505 249).
Der roemische Senat war ratlos. Der Krieg waehrte nun ins sechzehnte Jahr, und von dem Ziele schien man im sechzehnten weiter ab zu sein als im ersten. Vier grosse Flotten waren in diesem Kriege zugrunde gegangen, drei davon mit roemischen Heeren an Bord; ein viertes ausgesuchtes Landheer hatte der Feind in Libyen vernichtet, ungerechnet die zahllosen Opfer, die die kleinen Gefechte zur See, die in Sizilien die Schlachten und mehr noch der Postenkrieg und die Seuchen gefordert hatten. Welche Zahl von Menschenleben der Krieg wegraffte, ist daraus zuerkennen, dass die Buergerrolle bloss von 502 (252) auf 507 (247) um etwa 40000 Koepfe, den sechsten Teil der Gesamtzahl, sank; wobei die Verluste der Bundesgenossen, die die ganze Schwere des Seekriegs und daneben der Landkrieg mindestens in gleichem Verhaeltnis wie die Roemer traf, noch nicht mit eingerechnet sind. Von der finanziellen Einbusse ist es nicht moeglich, sich eine Vorstellung zu machen; aber sowohl der unmittelbare Schaden an Schiffen und Material als der mittelbare durch die Laehmung des Handels muessen ungeheuer gewesen sein. Allein schlimmer als dies alles war die Abnutzung aller Mittel, durch die man den Krieg hatte endigen wollen. Man hatte eine Landung in Afrika mit frischen Kraeften, im vollen Siegeslauf versucht und war gaenzlich gescheitert. Man hatte Sizilien Stadt um Stadt zu erstuermen unternommen; die geringeren Plaetze waren gefallen, aber die beiden gewaltigen Seeburgen Lilybaeon und Drepana standen unbezwinglicher als je zuvor. Was sollte man beginnen? In der Tat, der Kleinmut behielt gewissermassen Recht. Die Vaeter der Stadt verzagten; sie liessen die Sachen eben gehen, wie sie gehen mochten, wohl wissend, dass ein ziel- und endlos sich hinspinnender Krieg fuer Italien verderblicher war als die Anstrengung des letzten Mannes und des letzten Silberstuecks, aber ohne den Mut und die Zuversicht zu dem Volk und zu dem Glueck, um zu den alten, nutzlos vergeudeten neue Opfer zu fordern. Man schaffte die Flotte ab; hoechstens foerderte man die Kaperei und stellte den Kapitaenen, die auf ihre eigene Hand den Korsarenkrieg zu beginnen bereit waren, zu diesem Behuf Kriegsschiffe des Staates zur Verfuegung. Der Landkrieg ward dem Namen nach fortgefuehrt, weil man eben nicht anders konnte; allein man begnuegte sich, die sizilischen Festungen zu beobachten, und was man besass, notduerftig zu behaupten, was dennoch, seit die Flotte fehlte, ein sehr zahlreiches Heer und aeusserst kostspielige Anstalten erforderte.
Wenn jemals, so war jetzt die Zeit gekommen, wo Karthago den gewaltigen Gegner zu demuetigen imstande war. Dass auch dort die Erschoepfung der Kraefte gefuehlt ward, versteht sich; indes wie die Sachen standen, konnten die phoenikischen Finanzen unmoeglich so im Verfall sein, dass die Karthager den Krieg, der ihnen hauptsaechlich nur Geld kostete, nicht haetten offensiv und nachdruecklich fortfuehren koennen. Allein die karthagische Regierung war eben nicht energisch, sondern schwach und laessig, wenn nicht ein leichter und sicherer Gewinn oder die aeusserste Not sie trieb. Froh, der roemischen Flotte los zu sein, liess man toericht auch die eigene verfallen und fing an, nach dem Beispiel der Feinde sich zu Lande und zur See auf den kleinen Krieg in und um Sizilien zu beschraenken.
So folgten sechs tatenlose Kriegsjahre (506-511 248-243), die ruhmlosesten, welche die roemische Geschichte dieses Jahrhunderts kennt, und ruhmlos auch fuer das Volk der Karthager. Indes ein Mann von diesen dachte und handelte anders als seine Nation. Hamilkar, genannt Barak oder Barkas, das ist der Blitz, ein junger, vielversprechender Offizier, uebernahm im Jahre 507 (247) den Oberbefehl in Sizilien. Es fehlte in seiner Armee wie in jeder karthagischen an einer zuverlaessigen und kriegsgeuebten Infanterie; und die Regierung, obwohl sie vielleicht eine solche zu schaffen imstande und auf jeden Fall es zu versuchen verpflichtet gewesen waere, begnuegte sich, den Niederlagen zuzusehen und hoechstens die geschlagenen Feldherren ans Kreuz heften zu lassen. Hamilkar beschloss, sich selber zu helfen. Er wusste es wohl, dass seinen Soeldnern Karthago so gleichgueltig war wie Rom, und dass er von seiner Regierung nicht phoenikische oder libysche Konskribierte, sondern im besten Fall die Erlaubnis zu erwarten hatte, mit seinen Leuten das Vaterland auf eigene Faust zu retten, vorausgesetzt, dass es nichts koste. Allein er kannte auch sich und die Menschen. An Karthago lag seinen Soeldnern freilich nichts; aber der echte Feldherr vermag es, den Soldaten an die Stelle des Vaterlandes seine eigene Persoenlichkeit zu setzen, und ein solcher war der junge General. Nachdem er die Seinigen im Postenkrieg vor Drepana und Lilybaeon gewoehnt hatte, dem Legionaer ins Auge zu sehen, setzte er auf dem Berge Eirkte (Monte Pellegrino bei Palermo), der gleich einer Festung das umliegende Land beherrscht, sich mit seinen Leuten fest und liess sie hier haeuslich mit ihren Frauen und Kindern sich einrichten und das platte Land durchstreifen, waehrend phoenikische Kaper die italische Kueste bis Cumae brandschatzten. So ernaehrte er seine Leute reichlich, ohne von den Karthagern Geld zu begehren, und bedrohte, mit Drepana die Verbindung zur See unterhaltend, das wichtige Panormos in naechster Naehe mit Ueberrumpelung. Nicht bloss vermochten die Roemer nicht, ihn von seinem Felsen zu vertreiben, sondern nachdem an der Eirkte der Kampf eine Weile gedauert hatte, schuf sich Hamilkar eine zweite aehnliche Stellung am Eryx. Diesen Berg, der auf der halben Hoehe die gleichnamige Stadt, auf der Spitze den Tempel der Aphrodite trug, hatten bis dahin die Roemer in Haenden gehabt und von da aus Drepana beunruhigt. Hamilkar nahm die Stadt weg und belagerte das Heiligtum, waehrend die Roemer von der Ebene her ihn ihrerseits blockierten. Die von den Roemern auf den verlorenen Posten des Tempels gestellten keltischen Ueberlaeufer aus dem karthagischen Heer, ein schlimmes Raubgesindel, das waehrend dieser Belagerung den Tempel pluenderte und Schaendlichkeiten aller Art veruebte, verteidigten die Felsenspitze mit verzweifeltem Mut; aber auch Hamilkar liess sich nicht wieder aus der Stadt verdraengen und hielt mit der Flotte und der Besatzung von Drepana stets sich zur See die Verbindung offen. Der sizilische Krieg schien eine immer unguenstigere Wendung fuer die Roemer zu nehmen. Der roemische Staat kam in demselben um sein Geld und seine Soldaten und die roemischen Feldherren um ihr Ansehen: es war schon klar, dass dem Hamilkar kein roemischer General gewachsen war, und die Zeit liess sich berechnen, wo auch der karthagische Soeldner sich dreist wuerde messen koennen mit dem Legionaer. Immer verwegener zeigten sich die Kaper Hamilkars an der italischen Kueste - schon hatte gegen eine dort gelandete karthagische Streifpartei ein Praetor ausruecken muessen. Noch einige Jahre, so tat Hamilkar von Sizilien aus mit der Flotte, was spaeter auf dem Landweg von Spanien aus sein Sohn unternahm.