Allein mittlerweile war auch der roemische Konsul Appius Claudius Caudex mit dem Hauptheer in Rhegion erschienen, und in einer dunklen Nacht gelang die Ueberfahrt trotz der karthagischen Flotte. Kuehnheit und Glueck waren mit den Roemern; die Verbuendeten, nicht gefasst auf einen Angriff des gesamten roemischen Heeres und daher nicht vereinigt, wurden von den aus der Stadt ausrueckenden roemischen Legionen einzeln geschlagen und damit die Belagerung aufgehoben. Den Sommer ueber behauptete das roemische Heer das Feld und machte sogar einen Versuch auf Syrakus; allein nachdem dieser gescheitert war und auch die Belagerung von Echetla (an der Grenze der Gebiete von Syrakus und Karthago) mit Verlust hatte aufgegeben werden muessen, kehrte das roemische Heer zurueck nach Messana und von da unter Zuruecklassung einer starken Besatzung nach Italien. Die Erfolge dieses ersten ausseritalischen Feldzugs der Roemer moegen daheim der Erwartung nicht ganz entsprochen haben, da der Konsul nicht triumphierte; indes konnte das kraeftige Auftreten der Roemer in Sizilien nicht verfehlen, auf die Griechen daselbst grossen Eindruck zu machen. Im folgenden Jahre betraten beide Konsuln und ein doppelt so starkes Heer ungehindert die Insel. Der eine derselben, Marcus Valerius Maximus, seitdem von diesem Feldzug “der von Messana” (Messalla) genannt, erfocht einen glaenzenden Sieg ueber die verbuendeten Karthager und Syrakusaner; und als nach dieser Schlacht das phoenikische Heer nicht mehr gegen die Roemer das Feld zu halten wagte, da fielen nicht bloss Alaesa, Kentoripa und ueberhaupt die kleineren griechischen Staedte den Roemern zu, sondern Hieron selbst verliess die karthagische Partei und machte Frieden und Buendnis mit den Roemern (491 263). Er folgte einer richtigen Politik, indem er, sowie sich gezeigt hatte, dass es den Roemern mit dem Einschreiten in Sizilien Ernst war, sich sofort ihnen anschloss, als es noch Zeit war, den Frieden ohne Abtretungen und Opfer zu erkaufen. Die sizilischen Mittelstaaten, Syrakus und Messana, die eine eigene Politik nicht durchfuehren konnten und nur zwischen roemischer und karthagischer Hegemonie zu waehlen hatten, mussten jedenfalls die erstere vorziehen, da die Roemer damals sehr wahrscheinlich noch nicht die Insel fuer sich zu erobern beabsichtigten, sondern nur sie nicht von Karthago erobern zu lassen, und auf alle Faelle anstatt des karthagischen Tyrannisier- und Monopolisiersystems von Rom eine leidlichere Behandlung und Schutz der Handelsfreiheit zu erwarten war. Hieron blieb seitdem der wichtigste, standhafteste und geachtetste Bundesgenosse der Roemer auf der Insel.
Fuer die Roemer war hiermit das naechste Ziel erreicht. Durch das Doppelbuendnis mit Messana und Syrakus und den festen Besitz der ganzen Ostkueste war die Landung auf der Insel und die bis dahin sehr schwierige Unterhaltung der Heere gesichert und verlor der bisher bedenkliche und unberechenbare Krieg einen grossen Teil seines waglichen Charakters. Man machte denn auch fuer denselben nicht groessere Anstrengungen als fuer die Kriege in Samnium und Etrurien; die zwei Legionen, die man fuer das naechste Jahr (492 262) nach der Insel hinuebersandte, reichten aus, um im Einverstaendnis mit den sizilischen Griechen die Karthager ueberall in die Festungen zurueckzutreiben. Der Oberbefehlshaber der Karthager, Hannibal, Gisgons Sohn, warf mit dem Kern seiner Truppen sich in Akragas, um diese wichtigste karthagische Landstadt aufs aeusserste zu verteidigen. Unfaehig, die feste Stadt zu stuermen, blockierten die Roemer sie mit verschanzten Linien und einem doppelten Lager; die Eingeschlossenen, die bis 50000 Koepfe zaehlten, litten bald Mangel am Notwendigen. Zum Entsatz landete der karthagische Admiral Hanno bei Herakleia und schnitt seinerseits der roemischen Belagerungsarmee die Zufuhr ab. Auf beiden Seiten war die Not gross; man entschloss sich endlich zu einer Schlacht, um aus den Bedraengnissen und der Ungewissheit herauszukommen. In dieser zeigte sich die numidische Reiterei ebensosehr der roemischen ueberlegen wie der phoenikischen Infanterie das roemische Fussvolk; das letztere entschied den Sieg, allein die Verluste auch der Roemer waren sehr betraechtlich. Der Erfolg der gewonnenen Schlacht ward zum Teil dadurch verscherzt, dass es nach der Schlacht waehrend der Verwirrung und der Ermuedung der Sieger der belagerten Armee gelang, aus der Stadt zu entkommen und die Flotte zu erreichen; dennoch war der Sieg von Bedeutung. Akragas fiel dadurch in die Haende der Roemer und damit war die ganze Insel in ihrer Gewalt mit Ausnahme der Seefestungen, in denen der karthagische Feldherr Hamilkar, Hannos Nachfolger im Oberbefehl, sich bis an die Zaehne verschanzte und weder durch Gewalt noch durch Hunger zu vertreiben war. Der Krieg spann von da an sich nur fort durch die Ausfaelle der Karthager aus den sizilischen Festungen und durch ihre Landungen an den italischen Kuesten.
In der Tat empfanden die Roemer erst jetzt die wirklichen Schwierigkeiten des Krieges. Wenn die karthagischen Diplomaten, wie erzaehlt wird, vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten die Roemer warnten, es nicht bis zum Bruche zu treiben, denn wider ihren Willen koenne kein Roemer auch nur die Haende sich im Meer waschen, so war diese Drohung wohl begruendet. Die karthagische Flotte beherrschte ohne Nebenbuhler die See und hielt nicht bloss die sizilischen Kuestenstaedte im Gehorsam und mit allem Notwendigen versehen, sondern bedrohte auch Italien mit einer Landung, weswegen schon 492 (262) dort eine konsularische Armee hatte zurueckbleiben muessen. Zwar zu einer groesseren Invasion kam es nicht; allein wohl landeten kleinere karthagische Abteilungen an den italischen Kuesten und brandschatzten die Bundesgenossen und, was schlimmer als alles Uebrige war, der Handel Roms und seiner Bundesgenossen war voellig gelaehmt; es brauchte nicht lange so fortzugehen, um Caere, Ostia, Neapel, Tarent, Syrakus vollstaendig zugrunde zu richten, waehrend die Karthager ueber die Kontributionssummen und den reichen Kaperfang die ausbleibenden sizilischen Tribute leicht verschmerzten. Die Roemer erfuhren jetzt, was Dionysios, Agathokles und Pyrrhos erfahren hatten, dass es ebenso leicht war, die Karthager aus dem Felde zu schlagen, als schwierig, sie zu ueberwinden. Man sah es ein, dass alles darauf ankam, eine Flotte zu schaffen und beschloss eine solche von zwanzig Drei- und hundert Fuenfdeckern herzustellen. Die Ausfuehrung indes dieses energischen Beschlusses war nicht leicht. Zwar die aus den Rhetorschulen stammende Darstellung, die glauben machen moechte, als haetten damals zuerst die Roemer die Ruder ins Wasser getaucht, ist eine kindische Phrase; Italiens Handelsmarine musste um diese Zeit sehr ausgedehnt sein, und auch an italischen Kriegsschiffen fehlte es keineswegs. Aber es waren dies Kriegsbarken und Dreidecker, wie sie in frueherer Zeit ueblich gewesen waren; Fuenfdecker, die nach dem neueren, besonders von Karthago ausgehenden System des Seekrieges fast ausschliesslich in der Linie verwendet wurden, hatte man in Italien noch nicht gebaut. Die Massregel der Roemer war also ungefaehr derart, wie wenn jetzt ein Seestaat von Fregatten und Kuttern uebergehen wollte zum Bau von Linienschiffen; und eben wie man heute in solchem Fall womoeglich ein fremdes Linienschiff zum Muster nehmen wuerde, ueberwiesen auch die Roemer ihren Schiffsbaumeistern eine gestrandete karthagische Pentere als Modell. Ohne Zweifel haetten die Roemer, wenn sie gewollt haetten, mit Hilfe der Syrakusaner und Massalioten schneller zum Ziele gelangen koennen; allein ihre Staatsmaenner waren zu einsichtig, um Italien durch eine nichtitalische Flotte verteidigen zu wollen. Dagegen wurden die italischen Bundesgenossen stark angezogen sowohl fuer die Schiffsoffiziere, die man groesstenteils aus der italischen Handelsmarine genommen haben wird, als fuer die Matrosen, deren Name (socii navales) beweist, dass sie eine Zeitlang ausschliesslich von den Bundesgenossen gestellt wurden; daneben wurden spaeter Sklaven, die der Staat und die reicheren Familien lieferten, und bald auch die aermere Klasse der Buerger verwandt. Unter solchen Verhaeltnissen, und wenn man teils den damaligen, verhaeltnismaessig niedrigen Stand des Schiffsbaus, teils die roemische Energie wie billig in Anschlag bringt, wird es begreiflich, dass die Roemer die Aufgabe, an der Napoleon gescheitert ist, eine Kontinental- in eine Seemacht umzuwandeln, innerhalb eines Jahres loesten und ihre Flotte von hundertundzwanzig Segeln in der Tat im Fruehjahr 494 (260) vom Stapel lief. Freilich kam dieselbe der karthagischen an Zahl und Segeltuechtigkeit keineswegs gleich; und es fiel dies um so mehr ins Gewicht, als die Seetaktik dieser Zeit vorwiegend im Manoevrieren bestand. Dass Schwergeruestete und Bogenschuetzen vom Verdeck herab fochten, oder dass Wurfmaschinen von demselben aus arbeiteten, gehoerte zwar auch zum Seegefecht dieser Zeit; allein der gewoehnliche und eigentlich entscheidende Kampf bestand im Niedersegeln der feindlichen Schiffe, zu welchem Zwecke die Vorderteile mit schweren Eisenschnaebeln versehen waren; die kaempfenden Schiffe pflegten einander zu umkreisen, bis dem einen oder dem andern der Stoss gelang, der gewoehnlich entschied. Deshalb befanden sich unter der Bemannung eines gewoehnlichen griechischen Dreideckers von etwa 200 Mann nur etwa zehn Soldaten, dagegen 170 Ruderer, 50 bis 60 fuer jedes Deck; die des Fuenfdeckers zaehlte etwa 300 Ruderer, und Soldaten nach Verhaeltnis.
Man kam auf den gluecklichen Gedanken, das, was den roemischen Schiffen bei ihren ungeuebten Schiffsoffizieren und Rudermannschaften an Manoevrierfaehigkeit notwendig abgehen musste, dadurch zu ersetzen, dass man den Soldaten im Seegefecht wiederum eine bedeutendere Rolle zuteilte. Man brachte auf dem Vorderteil des Schiffes eine fliegende Bruecke an, welche nach vorn wie nach beiden Seiten hin niedergelassen werden konnte; sie war zu beiden Seiten mit Brustwehren versehen und hatte Raum fuer zwei Mann in der Front. Wenn das feindliche Schiff zum Stoss auf das roemische heransegelte oder, nachdem der Stoss vermieden war, demselben zur Seite lag, schlug diese Bruecke auf dessen Verdeck nieder und mittels eines eisernen Stachels in dasselbe ein; wodurch nicht bloss das Niedersegeln verhindert, sondern es auch den roemischen Schiffssoldaten moeglich ward, ueber die Bruecke auf das feindliche Verdeck hinueberzugehen und dasselbe wie im Landgefecht zu erstuermen. Eine eigene Schiffsmiliz ward nicht gebildet, sondern nach Beduerfnis die Landtruppen zu diesem Schiffsdienst verwandt; es kommt vor, dass in einer grossen Seeschlacht, wo freilich die roemische Flotte zugleich die Landungsarmee an Bord hat, bis 120 Legionarier auf den einzelnen Schiffen fechten.
So schufen sich die Roemer eine Flotte, die der karthagischen gewachsen war. Diejenigen irren, die aus dem roemischen Flottenbau ein Feenmaerchen machen, und verfehlen ueberdies ihren Zweck; man muss begreifen um zu bewundern. Der Flottenbau der Roemer war eben gar nichts als ein grossartiges Nationalwerk, wo durch Einsicht in das Noetige und Moegliche, durch geniale Erfindsamkeit, durch Energie in Entschluss und Ausfuehrung das Vaterland aus einer Lage gerissen ward, die uebler war, als sie zunaechst schien.
Der Anfang indes war den Roemern nicht guenstig. Der roemische Admiral, der Konsul Gnaeus Cornelius Scipio, der mit den ersten siebzehn segelfertigen Fahrzeugen nach Messana in See gegangen war (494 260), meinte auf der Fahrt Lipara durch einen Handstreich wegnehmen zu koennen. Allein eine Abteilung der bei Panormos stationierten karthagischen Flotte sperrte den Hafen der Insel, in dem die roemischen Schiffe vor Anker gegangen waren, und nahm die ganze Eskadre mit dem Konsul ohne Kampf gefangen. Indes dies schreckte die Hauptflotte nicht ab, sowie die Vorbereitungen beendigt waren, gleichfalls nach Messana unter Segel zu gehen. Auf der Fahrt laengs der italischen Kueste traf sie auf ein schwaecheres karthagisches Rekognoszierungsgeschwader, dem sie das Glueck hatte, einen den ersten roemischen mehr als aufwiegenden Verlust zuzufuegen, und traf also gluecklich und siegreich im Hafen von Messana ein, wo der zweite Konsul Gaius Duilius das Kommando an der Stelle seines gefangenen Kollegen uebernahm. An der Landspitze von Mylae, nordwestlich von Messana, traf die karthagische Flotte, die unter Hannibal von Panormos herankam, auf die roemische, welche hier ihre erste groessere Probe bestand. Die Karthager, in den schlecht segelnden und unbehilflichen roemischen Schiffen eine leichte Beute erblickend, stuerzten sich in aufgeloester Linie auf dieselben; aber die neu erfundenen Enterbruecken bewaehrten sich vollkommen. Die roemischen Schiffe fesselten und stuermten die feindlichen, wie sie einzeln heransegelten; es war ihnen weder von vorn, noch von den Seiten beizukommen, ohne dass die gefaehrliche Bruecke sich niedersenkte auf das feindliche Verdeck. Als die Schlacht zu Ende war, waren gegen fuenfzig karthagische Schiffe, fast die Haelfte der Flotte, von den Roemern versenkt oder genommen, unter den letzteren das Admiralsschiff Hannibals, einst das des Koenigs Pyrrhos. Der Gewinn war gross; noch groesser der moralische Eindruck. Rom war ploetzlich eine Seemacht geworden und hatte das Mittel in der Hand, den Krieg, der endlos sich hinauszuspinnen und dem italischen Handel den Ruin zu drohen schien, energisch zu Ende zu fuehren.
Es gab dazu einen doppelten Weg. Man konnte entweder Karthago auf den italischen Inseln angreifen und ihm die Kuestenfestungen Siziliens und Sardiniens eine nach der andern entreissen, was vielleicht durch gut kombinierte Operationen zu Lande und zur See ausfuehrbar war; war dies durchgesetzt, so konnte entweder mit Karthago auf Grund der Abtretung dieser Inseln Friede geschlossen, oder, wenn dies misslang oder nicht genuegte, der zweite Akt des Krieges nach Afrika verlegt werden. Oder man konnte die Inseln vernachlaessigen und sich gleich mit aller Macht auf Afrika werfen, nicht in Agathokles’ abenteuernder Art die Schiffe hinter sich verbrennend und alles setzend auf den Sieg eines verzweifelten Haufens, sondern durch eine starke Flotte die Verbindungen der afrikanischen Invasionsarmee mit Italien deckend; in diesem Falle liess sich entweder von der Bestuerzung der Feinde nach den ersten Erfolgen ein maessiger Friede erwarten oder, wenn man wollte, mit aeusserster Gewalt den Feind zu vollstaendiger Ergebung noetigen.
Man waehlte zunaechst den ersten Operationsplan. Im Jahre nach der Schlacht von Mylae (495 259) erstuermte der Konsul Lucius Scipio den Hafen Aleria auf Korsika - wir besitzen noch den Grabstein des Feldherrn, der dieser Tat gedenkt - und machte aus Korsika eine Seestation gegen Sardinien. Ein Versuch, sich auf der Nordkueste dieser Insel in Ulbia festzusetzen, misslang, da es der Flotte an Landungstruppen fehlte. Im folgenden Jahre (496 258) ward er zwar mit besserem Erfolg wiederholt und die offenen Flecken an der Kueste gepluendert; aber zu einer bleibenden Festsetzung der Roemer kam es nicht. Ebensowenig kam man in Sizilien vorwaerts. Hamilkar fuehrte energisch und geschickt den Krieg nicht bloss mit Waffen zu Lande und zur See, sondern auch mit der politischen Propaganda; von den zahllosen kleinen Landstaedten fielen jaehrlich einige von den Roemern ab und mussten den Phoenikern muehsam wieder entrissen werden, und in den Kuestenfestungen behaupteten die Karthager sich unangefochten, namentlich in ihrem Hauptquartier Panormos und in ihrem neuen Waffenplatz Drepana, wohin der leichteren Seeverteidigung wegen Hamilkar die Bewohner des Eryx uebergesiedelt hatte. Ein zweites grosses Seetreffen am Tyndarischen Vorgebirg (497 257), in dem beide Teile sich den Sieg zuschrieben, aenderte nichts an der Lage der Dinge. In dieser Weise kam man nicht vom Fleck, mochte die Schuld nun an dem geteilten und schnell wechselnden Oberbefehl der roemischen Truppen liegen, der die konzentrierte Gesamtleitung einer Reihe kleinerer Operationen ungemein erschwerte, oder auch an den allgemeinen strategischen Verhaeltnissen, welche allerdings in einem solchen Fall nach dem damaligen Stande der Kriegswissenschaft sich fuer den Angreifer ueberhaupt (I, 426) und ganz besonders fuer die noch im Anfang der wissenschaftlichen Kriegskunst stehenden Roemer unguenstig stellten. Mittlerweile litt, wenn auch die Brandschatzung der italischen Kuesten aufgehoert hatte, doch der italische Handel nicht viel weniger als vor dem Flottenbau. Muede des erfolglosen Ganges der Operationen und ungeduldig, dem Kriege ein Ziel zu setzen, beschloss der Senat, das System zu aendern und Karthago in Afrika anzugreifen. Im Fruehjahr 498 (256) ging eine Flotte von 330 Linienschiffen unter Segel nach der libyschen Kueste; an der Muendung des Himeraflusses am suedlichen Ufer Siziliens nahm sie das Landungsheer an Bord: es waren vier Legionen unter der Fuehrung der beiden Konsuln Marcus Atilius Regulus und Lucius Manlius Volso, beides erprobte Generale. Der karthagische Admiral liess es geschehen, dass die feindlichen Truppen sich einschifften; aber auf der weiteren Fahrt nach Afrika fanden die Roemer die feindliche Flotte auf der Hoehe von Eknomos in Schlachtordnung aufgestellt, um die Heimat vor der Invasion zu decken. Nicht leicht haben groessere Massen zur See gefochten als in dieser Schlacht gegeneinander standen. Die roemische Flotte von 330 Segeln zaehlte mindestens 100000 Mann an Schiffsbemannung ausser der etwa 40000 Mann starken Landungsarmee; die karthagische von 350 Schiffen trug an Bemannung mindestens die gleiche Zahl, so dass gegen dreimalhunderttausend Menschen an diesem Tage aufgeboten waren, um zwischen den beiden maechtigen Buergerschaften zu entscheiden. Die Phoeniker standen in einfacher weitausgedehnter Linie, mit dem linken Fluegel gelehnt an die sizilische Kueste. Die Roemer ordneten sich ins Dreieck, die Admiralschiffe der beiden Konsuln an der Spitze, in schraeger Linie rechts und links neben ihnen das erste und zweite Geschwader, endlich das dritte mit den zum Transport der Reiterei gebauten Fahrzeugen im Schlepptau in der Linie, die das Dreieck schloss. Also segelten sie dichtgeschlossen auf den Feind. Langsamer folgte ein viertes in Reserve gestelltes Geschwader. Der keilfoermige Angriff durchbrach ohne Muehe die karthagische Linie, da das zunaechst angegriffene Zentrum derselben absichtlich zurueckwich, und die Schlacht loeste sich auf in drei gesonderte Treffen. Waehrend die Admirale mit den beiden auf den Fluegeln aufgestellten Geschwadern dem karthagischen Zentrum nachsetzten und mit ihm handgemein wurden, schwenkte der linke, an der Kueste aufgestellte Fluegel der Karthager auf das dritte roemische Geschwader ein, welches durch die Schleppschiffe gehindert ward, den beiden vorderen zu folgen, und draengte dasselbe in heftigem und ueberlegenem Angriff gegen das Ufer; gleichzeitig wurde die roemische Reserve von dem rechten karthagischen Fluegel auf der hohen See umgangen und von hinten angefallen. Das erste dieser drei Treffen war bald zu Ende: die Schiffe des karthagischen Mitteltreffens, offenbar viel schwaecher als die beiden gegen sie fechtenden roemischen Geschwader, wandten sich zur Flucht. Mittlerweile hatten die beiden anderen Abteilungen der Roemer einen harten Stand gegen den ueberlegenen Feind; allein im Nahgefecht kamen die gefuerchteten Enterbruecken ihnen zustatten, und mit deren Hilfe gelang es, sich so lange zu halten, bis die beiden Admirale mit ihren Schiffen herankommen konnten. Dadurch erhielt die roemische Reserve Luft, und die karthagischen Schiffe des rechten Fluegels suchten vor der Uebermacht das Weite. Nun, nachdem auch dieser Kampf zum Vorteil der Roemer entschieden, fielen alle noch seefaehigen roemischen Schiffe dem hartnaeckig seinen Vorteil verfolgenden karthagischen linken Fluegel in den Ruecken, so dass dieser umzingelt und fast alle Schiffe desselben genommen wurden. Der uebrige Verlust war ungefaehr gleich. Von der roemischen Flotte waren 24 Segel versenkt, von der karthagischen 30 versenkt, 64 genommen. Die karthagische Flotte gab trotz des betraechtlichen Verlustes es nicht auf, Afrika zu decken und ging zu diesem Ende zurueck an den Golf von Karthago, wo sie die Landung erwartete und eine zweite Schlacht zu liefern gedachte. Allein die Roemer landeten statt an der westlichen Seite der Halbinsel, die den Golf bilden hilft, vielmehr an der oestlichen, wo die Bai von Clupea ihnen einen fast bei allen Winden Schutz bietenden geraeumigen Hafen und die Stadt, hart am Meere auf einem schildfoermig aus der Ebene aufsteigenden Huegel gelegen, eine vortreffliche Hafenfestung darbot. Ungehindert vom Feinde schifften sie die Truppen aus und setzten sich auf dem Huegel fest; in kurzer Zeit war ein verschanztes Schiffslager errichtet, und das Landheer konnte seine Operationen beginnen. Die roemischen Truppen durchstreiften und brandschatzten das Land; bis 20000 Sklaven konnten nach Rom gefuehrt werden. Durch die ungeheuersten Gluecksfaelle war der kuehne Plan auf den ersten Wurf und mit geringen Opfern gelungen; man schien am Ziele zu stehen. Wie sicher die Roemer sich fuehlten, beweist der Beschluss des Senats, den groessten Teil der Flotte und die Haelfte der Armee nach Italien zurueckzuschicken; Marcus Regulus blieb allein in Afrika mit 40 Schiffen, 15000 Mann zu Fuss und 500 Reitern. Es schien indes die Zuversicht nicht uebertrieben. Die karthagische Armee, die entmutigt sich in die Ebene nicht wagte, erlitt erst recht eine Schlappe in den waldigen Defileen, in denen sie ihre beiden besten Waffen, die Reiterei und die Elefanten nicht verwenden konnte. Die Staedte ergaben sich in Masse, die Numidier standen auf und ueberschwemmten weithin das offene Land. Regulus konnte hoffen, den naechsten Feldzug zu beginnen mit der Belagerung der Hauptstadt, zu welchem Ende er dicht bei derselben, in Tunes sein Winterlager aufschlug.
Der Karthager Mut war gebrochen; sie baten um Frieden. Allein die Bedingungen, die der Konsul stellte: nicht bloss Abtretung von Sizilien und Sardinien, sondern Eingehung eines ungleichen Buendnisses mit Rom, welches die Karthager verpflichtet haette, auf eine eigene Kriegsmarine zu verzichten und zu den roemischen Kriegen Schiffe zu stellen - diese Bedingungen, welche Karthago mit Neapel und Tarent gleichgestellt haben wuerden, konnten nicht angenommen werden, solange noch ein karthagisches Heer im Felde, eine karthagische Flotte auf der See, und die Hauptstadt unerschuettert stand. Die gewaltige Begeisterung, wie sie in den orientalischen Voelkern, auch den tief gesunkenen, bei dem Herannahen aeusserster Gefahren grossartig aufzuflammen pflegt, diese Energie der hoechsten Not trieb die Karthager zu Anstrengungen, wie man sie den Budenleuten nicht zugetraut haben mochte. Hamilkar, der in Sizilien den kleinen Krieg gegen die Roemer so erfolgreich gefuehrt hatte, erschien in Libyen mit der Elite der sizilischen Truppen, die fuer die neuausgehobene Mannschaft einen trefflichen Kern abgab; die Verbindungen und das Gold der Karthager fuehrten ihnen ferner die trefflichen numidischen Reiter scharenweise zu und ebenso zahlreiche griechische Soeldner, darunter den gefeierten Hauptmann Xanthippos von Sparta, dessen Organisierungstalent und strategische Einsicht seinen neuen Dienstherren von grossem Nutzen war ^2. Waehrend also im Lauf des Winters die Karthager ihre Vorbereitungen trafen, stand der roemische Feldherr untaetig bei Tunes. Mochte er nicht ahnen, welcher Sturm sich ueber seinem Haupt zusammenzog, oder mochte militaerisches Ehrgefuehl ihm zu tun verbieten, was seine Lage erheischte - statt zu verzichten auf eine Belagerung, die er doch nicht imstande war, auch nur zu versuchen, und sich einzuschliessen in die Burg von Clupea, blieb er mit einer Handvoll Leute vor den Mauern der feindlichen Hauptstadt stehen, sogar seine Rueckzugslinie zu dem Schiffslager zu sichern versaeumend, und versaeumend sich zu schaffen, was ihm vor allen Dingen fehlte und was durch Verhandlungen mit den aufstaendischen Staemmen der Numidier so leicht zu erreichen war, eine gute leichte Reiterei. Mutwillig brachte er sich und sein Heer also in dieselbe Lage, in der einst Agathokles auf seinem verzweifelten Abenteurerzug sich befunden hatte. Als das Fruehjahr kam (499 255), hatten sich die Dinge schon so veraendert, dass jetzt die Karthager es waren, die zuerst ins Feld rueckten und den Roemern eine Schlacht anboten; natuerlich, denn es lag alles daran, mit dem Heer des Regulus fertig zu werden, ehe von Italien Verstaerkung kommen konnte. Aus demselben Grunde haetten die Roemer zoegern sollen; allein im Vertrauen auf ihre Unueberwindlichkeit im offenen Felde nahmen sie sofort die Schlacht an trotz ihrer geringeren Staerke - denn obwohl die Zahl des Fussvolks auf beiden Seiten ungefaehr dieselbe war, gaben doch den Karthagern die 4000 Reiter und 100 Elefanten ein entschiedenes Uebergewicht - und trotz des unguenstigen Terrains - die Karthager hatten sich auf einem weiten Blachfeld, vermutlich unweit Tunes, aufgestellt. Xanthippos, der an diesem Tage die Karthager kommandierte, warf zunaechst seine Reiterei auf die feindliche, die wie gewoehnlich auf den beiden Fluegeln der Schlachtlinie stand; die wenigen roemischen Schwadronen zerstoben im Nu vor den feindlichen Kavalleriemassen und das roemische Fussvolk sah sich von demselben ueberfluegelt und umschwaermt. Die Legionen, hierdurch nicht erschuettert, gingen zum Angriff vor gegen die feindliche Linie; und obwohl die zur Deckung vor derselben aufgestellte Elefantenreihe den rechten Fluegel und das Zentrum der Roemer hemmte, fasste wenigstens der linke roemische Fluegel, an den Elefanten vorbeimarschierend, die Soeldnerinfanterie auf dem rechten feindlichen und warf sie vollstaendig. Allein eben dieser Erfolg zerriss die roemischen Reihen. Die Hauptmasse, vorn von den Elefanten, an den Seiten und im Ruecken von der Reiterei angegriffen, formierte sich zwar ins Viereck und verteidigte sich heldenmuetig, allein endlich wurden doch die geschlossenen Massen gesprengt und aufgerieben. Der siegreiche linke Fluegel traf auf das noch frische karthagische Zentrum, wo die libysche Infanterie ihm gleiches Schicksal bereitete. Bei der Beschaffenheit des Terrains und der Ueberzahl der feindlichen Reiterei ward niedergehauen oder gefangen, was in diesen Massen gefochten hatte; nur zweitausend Mann, vermutlich vorzugsweise die zu Anfang zersprengten leichten Truppen und Reiter, gewannen, waehrend die roemischen Legionen sich niedermachen liessen, soviel Vorsprung, um mit Not Clupea zu erreichen. Unter den wenigen Gefangenen war der Konsul selbst, der spaeter in Karthago starb; seine Familie, in der Meinung, dass er von den Karthagern nicht nach Kriegsgebrauch behandelt worden sei, nahm an zwei edlen karthagischen Gefangenen die empoerendste Rache, bis es selbst die Sklaven erbarmte und auf deren Anzeige die Tribune der Schaendlichkeit steuerten ^3.
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