Keine Kinderunterschiebung, keine Geldabschwindelung;
Nicht kauft drin der Sohn sein Maedchen ohne des Vaters Willen frei.
Selten nur ersinnt ein Dichter solcherlei Komoedien,
Die die Guten besser machen. Wenn drum euch dies Stueck gefiel,
Wenn wir Spieler euch gefallen, lasst uns dies das Zeichen sein:
Wer auf Anstand haelt, der klatsche nun zum Lohn uns unserm Spiel.
Man sieht hier, wie die Partei der sittlichen Reform ueber das griechische Lustspiel geurteilt hat; und es kann hinzugesetzt werden, dass auch in jenen weissen Raben, den moralischen Lustspielen, die Moralitaet von derjenigen Art ist, die nur dazu taugt, die Unschuld gewisser zu betoeren. Wer kann es bezweifeln, dass diese Schauspiele der Korruption praktischen Vorschub getan haben? Als Koenig Alexander an einem Lustspiel dieser Art, das der Verfasser ihm vorlas, keinen Geschmack fand, entschuldigte sich der Dichter, dass das nicht an ihm sondern an dem Koenige liege; um ein solches Stueck zu geniessen, muesse man gewohnt sein, Kneipgelage abzuhalten und eines Maedchens wegen Schlaege auszuteilen und zu empfangen. Der Mann kannte sein Handwerk; wenn also die roemische Buergerschaft allmaehlich an diesen griechischen Komoedien Geschmack fand, so sieht man, um weichen Preis es geschah. Es gereicht der roemischen Regierung zum Vorwurf, nicht, dass sie fuer diese Poesie so wenig tat, sondern dass sie dieselbe ueberhaupt duldete. Das Laster ist zwar auch ohne Kanzel maechtig; aber damit ist es noch nicht entschuldigt, demselben eine Kanzel zu errichten. Es war mehr eine Ausrede als eine ernstliche Verteidigung, dass man das hellenisierende Lustspiel von der unmittelbaren Beruehrung der Personen und Institutionen Roms fernhielt. Vielmehr haette die Komoedie wahrscheinlich sittlich weniger geschadet, wenn man sie freier haette walten, den Beruf des Poeten sich veredeln und eine einigermassen selbstaendige roemische Poesie sich entwickeln lassen; denn die Poesie ist auch eine sittliche Macht, und wenn sie tiefe Wunden schlaegt, so vermag sie auch viel zu heilen. Wie es war, geschah auch auf diesem Gebiet von der Regierung zu wenig und zu viel; die politische Halbheit und die moralische Heuchelei ihrer Buehnenpolizei hat zu der furchtbar raschen Aufloesung der roemischen Nation das Ihrige beigetragen.
Wenn indes die Regierung dem roemischen Lustspieldichter nicht gestattete, die Zustaende seiner Vaterstadt darzustellen und seine Mitbuerger auf die Buehne zu bringen, so war doch dadurch die Entstehung eines lateinischen Nationallustspiels nicht unbedingt abgeschnitten; denn die roemische Buergerschaft war in dieser Zeit noch nicht mit der latinischen Nation zusammengefallen, und es stand dem Dichter frei, seine Stuecke wie in Athen und Massalia, ebenso auch in den italischen Staedten latinischen Rechts spielen zu lassen. In der Tat entstand auf diesem Wege das lateinische Originallustspiel (fabula togata ^21; der nachweislich aelteste Verfasser solcher Stuecke, Titinius, bluehte wahrscheinlich um das Ende dieser Epoche ^22. Auch diese Komoedie ruhte auf der Grundlage des neuattischen Intrigenstuecks; aber sie war nicht Uebersetzung, sondern Nachdichtung: der Schauplatz des Stuecks war in Italien und die Schauspieler erschienen in dem nationalen Gewande, in der Toga. Hier waltet das latinische Leben und Treiben in eigentuemlicher Frische. Die Stuecke bewegen sich in dem buergerlichen Leben der Mittelstaedte Latiums, wie schon die Titel zeigen: ‘Die Harfenistin oder das Maedchen von Ferentinum’, ‘Die Floetenblaeserin’, ‘Die Juristin’, ‘Die Walker’, und manche einzelne Situationen noch weiter bestaetigen, wie zum Beispiel ein Spiessbuerger sich darin seine Schuhe nach dem Muster der albanischen Koenigssandalen machen laesst. In auffallender Weise treten die maennlichen gegen die Frauenrollen zurueck ^23. Mit echt nationalem Stolze gedenkt der Dichter der grossen Zeit des Pyrrhischen Krieges und sieht herab auf die neulatinischen Nachbarn,
Welche oskisch und volskisch reden, denn Latein verstehn sie nicht.
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