Als Pompeius nach Erledigung der ihm aufgetragenen Verrichtungen seine Blicke wieder der Heimat zuwandte, fand er zum zweiten Male das Diadem zu seinen Füßen. Längst neigte die Entwicklung des römischen Gemeinwesens einer solchen Katastrophe sich zu; es war jedem Unbefangenen offenbar und war tausendmal gesagt worden, daß, wenn der Herrschaft der Aristokratie ein Ende gemacht sein werde, die Monarchie unausbleiblich sei. Jetzt war der Senat gestürzt zugleich durch die bürgerliche, liberale Opposition und die soldatische Gewalt; es konnte sich nur noch darum handeln, für die neue Ordnung der Dinge die Personen, die Namen und Formen festzustellen, die übrigens in den teils demokratischen, teils militärischen Elementen der Umwälzung bereits klar genug angedeutet waren. Die Ereignisse der letzten fünf Jahre hatten auf diese bevorstehende Umwandlung des Gemeinwesens gleichsam das letzte Siegel gedrückt. In den neu eingerichteten asiatischen Provinzen, die in ihrem Ordner den Nachfolger des großen Alexander königlich verehrten und schon seine begünstigten Freigelassenen wie Prinzen empfingen, hatte Pompeius den Grund seiner Herrschaft gelegt und zugleich die Schätze, das Heer und den Nimbus gefunden, deren der künftige Fürst des römischen Staats bedurfte. Die anarchistische Verschwörung aber in der Hauptstadt mit dem daran sich knüpfenden Bürgerkrieg hatte es jedem, der politische oder auch nur materielle Interessen hegte, mit empfindlicher Schärfe dargelegt, daß eine Regierung ohne Autorität und ohne militärische Macht, wie die des Senats war, den Staat der ebenso lächerlichen wie furchtbaren Tyrannei der politischen Industrieritter aussetzte und daß eine Verfassungsänderung, welche die Militärgewalt enger mit dem Regiment verknüpfte, eine unabweisliche Notwendigkeit war, wenn die gesellschaftliche Ordnung ferner Bestand haben sollte. So war im Osten der Herrscher aufgestanden, in Italien der Thron errichtet; allem Anschein nach war das Jahr 692 (62) das letzte der Republik, das erste der Monarchie.
Zwar ohne Kampf war an dieses Ziel nicht zu gelangen. Die Verfassung, die ein halbes Jahrtausend gedauert hatte und unter der die unbedeutende Stadt am Tiber zu beispielloser Größe und Herrlichkeit gediehen war, hatte ihre Wurzeln man wußte nicht wie tief in den Boden gesenkt, und es ließ sich durchaus nicht berechnen, bis in welche Schichten hinab der Versuch, sie umzustürzen, die bürgerliche Gesellschaft aufwühlen werde. Mehrere Nebenbuhler waren in dem Wettlauf nach dem großen Ziel von Pompeius überholt, aber nicht völlig beseitigt worden. Es lag durchaus nicht außer der Berechnung, daß alle diese Elemente sich verbanden, um den neuen Machthaber zu stürzen und Pompeius sich gegenüber Quintus Catulus und Marcus Cato mit Marcus Crassus, Gaius Caesar und Titus Labienus vereinigt fand. Aber nicht leicht konnte der unvermeidliche und unzweifelhaft ernste Kampf unter günstigeren Verhältnissen aufgenommen werden. Es war in hohem Grade wahrscheinlich, daß unter dem frischen Eindrucke des Catilinarischen Aufstandes einem Regimente, das Ordnung und Sicherheit, wenngleich um den Preis der Freiheit, verhieß, die gesamte Mittelpartei sich fügen werde, vor allem die einzig um ihre materiellen Interessen bekümmerte Kaufmannschaft, aber nicht minder ein großer Teil der Aristokratie, die, in sich zerrüttet und politisch hoffnungslos, zufrieden sein mußte, durch zeitige Transaktion mit dem Fürsten sich Reichtum, Rang und Einfluß zu sichern; vielleicht sogar mochte ein Teil der von den letzten Schlägen schwer getroffenen Demokratie sich bescheiden, von einem durch sie auf den Schild gehobenen Militärchef die Realisierung eines Teils ihrer Forderungen zu erhoffen. Aber wie auch immer die Parteiverhältnisse sich stellten, was kam, zunächst wenigstens, auf die Parteien in Italien überhaupt noch an, Pompeius gegenüber und seinem siegreichen Heer? Zwanzig Jahre zuvor hatte Sulla, nachdem er mit Mithradates einen Notfrieden abgeschlossen hatte, gegen die gesamte, seit Jahren massenhaft rüstende liberale Partei, von den gemäßigten Aristokraten und der liberalen Kaufmannschaft an bis hinab zu den Anarchisten, mit seinen fünf Legionen eine der natürlichen Entwicklung der Dinge zuwiderlaufende Restauration durchzusetzen vermocht. Pompeius’ Aufgabe war weit minder schwer. Er kam zurück, nachdem er zur See und zu Lande seine verschiedenen Aufgaben vollständig und gewissenhaft gelöst hatte. Er durfte erwarten, auf keine andere ernstliche Opposition zu treffen als auf die der verschiedenen extremen Parteien, von denen jede einzeln gar nichts vermochte und die, selbst verbündet, immer nicht mehr waren als eine Koalition eben noch hitzig sich befehdender und innerlich gründlich entzweiter Faktionen. Vollkommen ungerüstet waren sie ohne Heer und Haupt, ohne Organisation in Italien, ohne Rückhalt in den Provinzen, vor allen Dingen ohne einen Feldherrn; es war in ihren Reihen kaum ein namhafter Militär, geschweige denn ein Offizier, der es hätte wagen dürfen, die Bürger zum Kampfe gegen Pompeius aufzurufen. Auch das durfte in Anschlag kommen, daß der jetzt seit siebzig Jahren rastlos flammende und an seiner eigenen Glut zehrende Vulkan der Revolution sichtlich ausbrannte und anfing, in sich selber zu erlöschen. Es war sehr zweifelhaft, ob es jetzt gelingen werde, die Italiker so für Parteiinteressen zu bewaffnen, wie noch Cinna und Carbo dies vermocht hatten. Wenn Pompeius zugriff, wie konnte es ihm fehlen, eine Staatsumwälzung durchzusetzen, die in der organischen Entwicklung des römischen Gemeinwesens mit einer gewissen Naturnotwendigkeit vorgezeichnet war?
Pompeius hatte den Moment erfaßt, indem er die Mission nach dem Orient übernahm; er schien fortfahren zu wollen. Im Herbste des Jahres 691 (63) traf Quintus Metellus Nepos aus dem Lager des Pompeius in der Hauptstadt ein und trat auf als Bewerber um das Tribunat, in der ausgesprochenen Absicht, als Volkstribun Pompeius das Konsulat für das Jahr 693 (61) und zunächst durch speziellen Volksbeschluß die Führung des Krieges gegen Catilina zu verschaffen. Die Aufregung in Rom war gewaltig. Es war nicht zu bezweifeln, daß Nepos im direkten oder indirekten Auftrag des Pompeius handelte; Pompeius’ Begehren, in Italien an der Spitze seiner asiatischen Legionen als Feldherr aufzutreten und daselbst die höchste militärische und die höchste bürgerliche Gewalt zugleich zu verwalten, ward aufgefaßt als ein weiterer Schritt auf dem Wege zum Throne, Nepos’ Sendung als die halboffizielle Ankündigung der Monarchie.
Es kam alles darauf an, wie die beiden großen politischen Parteien zu diesen Eröffnungen sich verhielten; ihre künftige Stellung und die Zukunft der Nation hingen davon ab. Die Aufnahme aber, die Nepos fand, war selbst wieder bestimmt durch das damalige Verhältnis der Parteien zu Pompeius, das sehr eigentümlicher Art war. Als Feldherr der Demokratie war Pompeius nach dem Osten gegangen. Er hatte Ursache genug, mit Caesar und seinem Anhang unzufrieden zu sein, aber ein offener Bruch war nicht erfolgt. Es ist wahrscheinlich, daß Pompeius, der weit entfernt und mit andern Dingen beschäftigt war, überdies der Gabe, sich politisch zu orientieren, durchaus entbehrte, den Umfang und den Zusammenhang der gegen ihn gesponnenen demokratischen Umtriebe damals wenigstens keineswegs durchschaute, vielleicht sogar in seiner hochmütigen und kurzsichtigen Weise einen gewissen Stolz darein setzte, diese Maulwurfstätigkeit zu ignorieren. Dazu kam, was bei einem Charakter von Pompeius’ Art sehr ins Gewicht fiel, daß die Demokratie den äußeren Respekt gegen den großen Mann nie aus den Augen gesetzt, ja eben jetzt (691 63), unaufgefordert wie er es liebte, ihm durch einen besonderen Volksschluß unerhörte Ehren und Dekorationen gewährt hatte. Indes wäre auch alles dies nicht gewesen, so lag es in Pompeius’ eigenem wohlverstandenen Interesse, sich wenigstens äußerlich fortwährend zur Popularpartei zu halten; Demokratie und Monarchie stehen in so enger Wahlverwandtschaft, daß Pompeius, indem er nach der Krone griff, kaum anders konnte, als sich wie bisher den Vorfechter der Volksrechte nennen. Wie also persönliche und politische Gründe, zusammenwirkten, um trotz allem Vorgefallenen Pompeius und die Führer der Demokratie bei ihrer bisherigen Verbindung festzuhalten, so geschah auf der entgegengesetzten Seite nichts, um die Kluft auszufüllen, die ihn seit seinem Übertritt in das Lager der Demokratie von seinen sullanischen Parteigenossen trennte. Sein persönliches Zerwürfnis mit Metellus und Lucullus übertrug sich auf deren ausgedehnte und einflußreiche Koterien. Eine kleinliche, aber für einen so kleinlich zugeschnittenen Charakter eben ihrer Kleinlichkeit wegen um so tiefer erbitternde Opposition des Senats hatte ihn auf seiner ganzen Feldherrnlaufbahn begleitet. Er empfand es schmerzlich, daß der Senat nicht das geringste getan, um den außerordentlichen Mann nach Verdienst, das heißt außerordentlich zu ehren. Endlich ist es nicht aus der Acht zu lassen, daß die Aristokratie eben damals von ihrem frischen Siege berauscht, die Demokratie tief gedemütigt war, und daß die Aristokratie von dem bocksteifen und halb närrischen Cato, die Demokratie von dem schmiegsamen Meister der Intrige Caesar geleitet ward.
In diese Verhältnisse traf das Auftreten des von Pompeius gesandten Emissärs. Die Aristokratie betrachtete nicht bloß die Anträge, die derselbe zu Pompeius’ Gunsten ankündigte, als eine Kriegserklärung gegen die bestehende Verfassung, sondern behandelte sie auch öffentlich als solche und gab sich nicht die mindeste Mühe, ihre Besorgnis und ihren Ingrimm zu verhehlen: in der ausgesprochenen Absicht, diese Anträge zu bekämpfen, ließ sich Marcus Cato mit Nepos zugleich zum Volkstribun wählen und wies Pompeius’ wiederholten Versuch, sich ihm persönlich zu nähern, schroff zurück. Es ist begreiflich, daß Nepos hiernach sich nicht veranlaßt fand, die Aristokratie zu schonen, dagegen den Demokraten sich um so bereitwilliger anschloß, als diese, geschmeidig wie immer, in das Unvermeidliche sich fügten und das Feldherrnamt in Italien wie das Konsulat lieber freiwillig zugestanden als es mit den Waffen sich abzwingen ließen. Das herzliche Einverständnis offenbarte sich bald. Nepos bekannte sich (Dezember 691 63) öffentlich zu der demokratischen Auffassung der von der Senatsmajorität kürzlich verfügten Exekutionen als verfassungswidriger Justizmorde; und daß auch sein Herr und Meister sie nicht anders ansah, bewies sein bedeutsames Stillschweigen auf die voluminöse Rechtfertigungsschrift, die ihm Cicero übersandt hatte. Andererseits war es der erste Akt, womit Caesar seine Prätur eröffnete, daß er den Quintus Catulus wegen der bei dem Wiederaufbau des Kapitolinischen Tempels angeblich von ihm unterschlagenen Gelder zur Rechenschaft zog und die Vollendung des Tempels an Pompeius übertrug. Es war das ein Meisterzug. Catulus baute an dem Tempel jetzt bereits im sechzehnten Jahr und schien gute Lust zu haben, als Oberaufseher der kapitolinischen Bauten wie zu leben so zu sterben; ein Angriff auf diesen, nur durch das Ansehen des vornehmen Beauftragten zugedeckten Mißbrauch eines öffentlichen Auftrags war der Sache nach vollkommen begründet und in hohem Maße populär. Indem aber zugleich dadurch Pompeius die Aussicht eröffnet ward, an dieser stolzesten Stelle der ersten Stadt des Erdkreises den Namen des Catulus tilgen und den seinigen eingraben zu dürfen, ward ihm ebendas geboten, was ihn vor allem reizte und der Demokratie nicht schadete, überschwengliche, aber leere Ehre, und ward zugleich die Aristokratie, die doch ihren besten Mann unmöglich fallen lassen konnte, auf die ärgerlichste Weise mit Pompeius verwickelt.
Inzwischen hatte Nepos seine Pompeius betreffenden Anträge bei der Bürgerschaft eingebracht. Am Tage der Abstimmung interzedierten Cato und sein Freund und Kollege Quintus Minucius. Als Nepos sich daran nicht kehrte und mit der Verlesung fortfuhr, kam es zu einem förmlichen Handgemenge: Cato und Minucius warfen sich über ihren Kollegen und zwangen ihn innezuhalten; eine bewaffnete Schar befreite ihn zwar und vertrieb die aristokratische Fraktion vom Markte; aber Cato und Minucius kamen wieder, nun gleichfalls von bewaffneten Haufen begleitet, und behaupteten schließlich das Schlachtfeld für die Regierung. Durch diesen Sieg ihrer Bande über die des Gegners ermutigt, suspendierte der Senat den Tribun Nepos sowie den Prätor Caesar, der denselben bei der Einbringung des Gesetzes nach Kräften unterstützt hatte, von ihren Ämtern; die Absetzung, die im Senat beantragt ward, wurde, mehr wohl wegen ihrer Verfassungs- als wegen ihrer Zweckwidrigkeit, von Cato verhindert. Caesar kehrte sich an den Beschluß nicht und fuhr in seinen Amtshandlungen fort, bis der Senat Gewalt gegen ihn brauchte. Sowie dies bekannt ward, erschien die Menge vor seinem Hause und stellte sich ihm zur Verfügung; es hätte nur von ihm abgehangen, den Straßenkampf zu beginnen oder wenigstens die von Metellus gestellten Anträge jetzt wiederaufzunehmen und Pompeius das von ihm gewünschte Militärkommando in Italien zu verschaffen; allein dies lag nicht in seinem Interesse, und so bewog er die Haufen, sich wieder zu zerstreuen, worauf der Senat die gegen ihn verhängte Strafe zurücknahm. Nepos selbst hatte sogleich nach seiner Suspension die Stadt verlassen und sich nach Asien eingeschifft, um Pompeius von dem Erfolg seiner Sendung Bericht zu erstatten.
Pompeius hatte alle Ursache, mit der Wendung der Dinge zufrieden zu sein. Der Weg zum Thron ging nun einmal notwendig durch den Bürgerkrieg; und diesen mit gutem Fug beginnen zu können dankte er Catos unverbesserlicher Verkehrtheit. Nach der rechtswidrigen Verurteilung der Anhänger Catilinas, nach den unerhörten Gewaltsamkeiten gegen den Volkstribun Metellus konnte Pompeius ihn führen zugleich als Verfechter der beiden Palladien der römischen Gemeindefreiheit, des Berufungsrechts und der Unverletzlichkeit des Volkstribunats, gegen die Aristokratie und als Vorkämpfer der Ordnungspartei gegen die Catilinarische Bande. Es schien fast unmöglich, daß Pompeius dies unterlassen und mit sehenden Augen sich zum zweitenmal in die peinliche Situation begeben werde, in die die Entlassung seiner Armee im Jahre 684 (70) ihn versetzt und aus der erst das Gabinische Gesetz ihn erlöst hatte. Indes, wie nahe es ihm auch gelegt war, die weiße Binde um seine Stirn zu legen, wie sehr seine eigene Seele danach gelüstete: als es galt, den Griff zu tun, versagten ihm abermals Herz und Hand. Dieser in allem, nur in seinen Ansprüchen nicht, ganz gewöhnliche Mensch hätte wohl gern außerhalb des Gesetzes sich gestellt, wenn dies nur hätte geschehen können, ohne den gesetzlichen Boden zu verlassen. Schon sein Zaudern in Asien ließ dies ahnen. Er hätte, wenn er gewollt, sehr wohl im Januar 692 (62) mit Flotte und Heer im Hafen von Brundisium eintreffen und Nepos hier empfangen können. Daß er den ganzen Winter 691/92 (63/62) in Asien säumte, hatte zunächst die nachteilige Folge, daß die Aristokratie, die natürlich den Feldzug gegen Catilina nach Kräften beschleunigte, inzwischen mit dessen Banden fertiggeworden war und damit der schicklichste Vorwand, die asiatischen Legionen in Italien zusammenzuhalten, hinwegfiel. Für einen Mann von Pompeius’ Art, der in Ermangelung des Glaubens an sich und an seinen Stern sich im öffentlichen Leben ängstlich an das formale Recht anklammerte, und bei dem der Vorwand ungefähr ebensoviel wog wie der Grund, fiel dieser Umstand schwer ins Gewicht. Er mochte sich ferner sagen, daß, selbst wenn er sein Heer entlasse, er dasselbe nicht völlig aus der Hand gebe und im Notfall doch noch eher als jedes andere Parteihaupt eine schlagfertige Armee aufzubringen vermöge; daß die Demokratie in unterwürfiger Haltung seines Winkes gewärtig und mit dem widerspenstigen Senat auch ohne Soldaten fertig zu werden sei und was weiter sich von solchen Erwägungen darbot, in denen gerade genug Wahres war, um sie dem, der sich selber betrügen wollte, plausibel erscheinen zu lassen. Den Anschlag gab natürlich wiederum Pompeius’ eigenstes Naturell. Er gehörte zu den Menschen, die wohl eines Verbrechens fähig sind, aber keiner Insurbordination; im guten wie im schlimmen Sinne war er durch und durch Soldat. Bedeutende Individualitäten achten das Gesetz als die sittliche Notwendigkeit, gemeine als die hergebrachte alltägliche Regel; ebendarum fesselt die militärische Ordnung, in der mehr als irgendwo sonst das Gesetz als Gewohnheit auftritt, jeden nicht ganz in sich festen Menschen wie mit einem Zauberbann. Es ist oft beobachtet worden, daß der Soldat, auch wenn er den Entschluß gefaßt hat, seinen Vorgesetzten den Gehorsam zu versagen, dennoch, wenn dieser Gehorsam gefordert wird, unwillkürlich wieder in Reihe und Glied tritt; es war dies Gefühl, das Lafayette und Dumouriez im letzten Augenblick vor dem Treuebruch schwanken und scheitern machte, und eben demselben ist auch Pompeius unterlegen.
Im Herbst 692 (62) schiffte Pompeius nach Italien sich ein. Während in der Hauptstadt alles sich bereitete, den neuen Monarchen zu empfangen, kam der Bericht, daß Pompeius, kaum in Brundisium gelandet, seine Legionen aufgelöst und mit geringem Gefolge die Reise nach der Hauptstadt angetreten habe. Wenn es ein Glück ist, eine Krone mühelos zu gewinnen, so hat das Glück nie mehr für einen Sterblichen getan, als es für Pompeius tat; aber an den Mutlosen verschwenden die Götter alle Gunst und alle Gabe umsonst.
Die Parteien atmeten auf. Zum zweiten Male hatte Pompeius abgedankt; die schon überwundenen Mitbewerber konnten abermals den Wettlauf beginnen, wobei wohl das wunderlichste war, daß in diesem Pompeius wieder mitlief. Im Januar 693 (61) kam er nach Rom. Seine Stellung war schief und schwankte so unklar zwischen den Parteien, daß man ihm den Spottnamen Gnaeus Cicero verlieh. Er hatte es eben mit allen verdorben. Die Anarchisten sahen in ihm einen Widersacher, die Demokraten einen unbequemen Freund, Marcus Crassus einen Nebenbuhler, die vermögende Klasse einen unzuverlässigen Beschützer, die Aristokratie einen erklärten Feind ^1. Er war wohl immer noch der mächtigste Mann im Staat; sein durch ganz Italien zerstreuter militärischer Anhang, sein Einfluß in den Provinzen, namentlich den östlichen, sein militärischer Ruf, sein ungeheurer Reichtum gaben ihm ein Gewicht wie es kein anderer hatte; aber statt des begeisterten Empfanges, auf den er gezählt hatte, war die Aufnahme, die er fand, mehr als kühl, und noch kühler behandelte man die Forderungen, die er stellte. Er begehrte für sich, wie er schon durch Nepos hatte ankündigen lassen, das zweite Konsulat, außerdem natürlich die Bestätigung der vor. ihm im Osten getroffenen Anordnungen und die Erfüllung des seinen Soldaten gegebenen Versprechens, sie mit Ländereien auszustatten. Hiergegen erhob sich im Senat eine systematische Opposition, zu der die persönliche Erbitterung des Lucullus und des Metellus Creticus, der alte Groll des Crassus und Catos gewissenhafte Torheit die hauptsächlichsten Elemente hergaben. Das gewünschte zweite Konsulat ward sofort und unverblümt verweigert. Gleich die erste Bitte, die der heimkehrende Feldherr an den Senat richtete, die Wahl der Konsuln für 693 (61) bis nach seinem Eintreffen in der Hauptstadt aufzuschieben, war ihm abgeschlagen worden; viel weniger war daran zu denken, die erforderliche Dispensation von dem Gesetze Sullas über die Wiederwahl vom Senat zu erlangen. Für die in den östlichen Provinzen von ihm getroffenen Anordnungen begehrte Pompeius die Bestätigung natürlich im ganzen; Lucullus setzte es durch, daß über jede Verfügung besonders verhandelt und abgestimmt ward, womit für endlose Trakasserien und eine Menge Niederlagen im einzelnen das Feld eröffnet war. Das Versprechen einer Landschenkung an die Soldaten der asiatischen Armee ward vom Senat wohl im allgemeinen ratifiziert, jedoch zugleich ausgedehnt auf die kretischen Legionen des Metellus und, was schlimmer war, es wurde nicht ausgeführt, da die Gemeindekasse leer und der Senat nicht gemeint war, die Domänen für diesen Zweck anzugreifen. Pompeius, daran verzweifelnd, der zähen und tückischen Opposition des Rates Herr zu werden, wandte sich an die Bürgerschaft. Allein auf diesem Gebiet verstand er noch weniger sich zu bewegen. Die demokratischen Führer, obwohl sie ihm nicht offen entgegentraten, hatten doch auch durchaus keine Ursache, seine Interessen zu den ihrigen zu machen und hielten sich beiseite. Pompeius’ eigene Werkzeuge, wie zum Beispiel die durch seinen Einfloß und zum Teil durch sein Geld gewählten Konsuln Marcus Pupius Piso 693 (61) und Lucius Afranius 694 (60), erwiesen sich als ungeschickt und unbrauchbar. Als endlich durch den Volkstribun Lucius Flavius in Form eines allgemeinen Ackergesetzes die Landanweisung für Pompeius’ alte Soldaten an die Bürgerschaft gebracht :ward, blieb der von den Demokraten nicht unterstützte, von den Aristokraten offen bekämpfte Antrag in der Minorität (Anfang 694 60). Fast demütig buhlte der hochgestellte Feldherr jetzt um die Gunst der Massen, wie denn auf seinem Antrieb durch ein von dem Prätor Metellus Nepos eingebrachtes Gesetz die italischen Zölle abgeschafft wanden (694 60). Aber er spielte den Demagogen ohne Geschick und ohne Glück; sein Ansehen litt darunter, und was er wollte, erreichte er nicht. Er hatte sich vollständig festgezogen. Einer seiner Gegner fußt seine damalige politische Stellung dahin zusammen, daß er bemüht sei, “seinen gestickten Triumphalmantel schweigend zu konservieren”. Es blieb ihm in der Tat nichts übrig, als sich zu ärgern.
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