Mag sie stehn und gehen mit ihren Männern,

Welche sie dreihundert zugleich umarmt hält,

Keinem treulieb, aber zu jeder Stunde

Jedem zu Willen.

Nicht wie sonst nachblickte sie meiner Liebe,

Die geknickt mutwillig sie, gleich dem Veilchen,

Das entlang am Saume des Ackers wandelnd

Streifte die Pflugschar.

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Es ward nötig, gegen diese zwar machtlose, aber immer lästiger und dreister werdende Opposition mit Ernst einzuschreiten. Den Ausschlag gab, wie es scheint, die Verurteilung des Gabinius (Ende 700 54). Die Herrscher kamen überein, eine wenn auch nur zeitweilige Diktatur eintreten zu lassen und mittels dieser neue Zwangsmaßregeln namentlich hinsichtlich der Wahlen und der Geschworenengerichte durchzusetzen. Als derjenige, dem zunächst die Regierung Roms und Italiens oblag, übernahm die Ausführung dieses Beschlusses Pompeius; sie trug denn auch den Stempel der ihm eigenen Schwerfälligkeit im Entschließen und im Handeln und seiner wunderlichen Unfähigkeit, selbst da, wo er befehlen wollte und konnte, mit der Sprache herauszugehen. Bereits Ausgang 700 (54) ward in Andeutungen und nicht durch Pompeius selbst die Forderung der Diktatur im Senat vorgebracht. Als ostensibler Grund diente die fortwährende Klub- und Bandenwirtschaft in der Hauptstadt, die durch Bestechungen und Gewalttätigkeiten allerdings auf die Wahlen wie auf die Geschworenengerichte den verderblichsten Druck ausübte und den Krawall daselbst in Permanenz hielt; man muß es zugeben, daß sie es den Machthabern leichtmachte, ihre Ausnahmemaßregeln zu rechtfertigen. Allein begreiflicherweise scheute sogar die servile Majorität davor zurück, das zu bewilligen, was der künftige Diktator selbst sich zu scheuen schien offen zu begehren. Als dann die beispiellose Agitation für die Wahlen zum Konsulat für 701 (53) die ärgerlichsten Auftritte herbeiführte, die Wahlen ein volles Jahr über die festgesetzte Zeit sich verschleppten und erst nach siebenmonatlichem Interregnum im Juli 701 (53) stattfanden, fand Pompeius darin den erwünschten Anlaß als das einzige Mittel, den Knoten wo nicht zu lösen, doch zu zerhauen, dem Senat jetzt bestimmt die Diktatur zu bezeichnen; allein das entscheidende Befehlswort ward immer noch nicht gesprochen. Vielleicht wäre es noch lange ungesprochen geblieben, wenn nicht bei den Konsularwahlen für 702 (52) gegen die Kandidaten der Machthaber Quintus Metellus Scipio und Publius Plautius Hypsaeus, beide dem Pompeius persönlich nahestehende und durchaus ergebene Männer, der verwegenste Parteigänger der republikanischen Opposition, Titus Annius Milo, als Gegenkandidat in die Schranken getreten wäre. Milo, ausgestattet mit physischem Mut, mit einem gewissen Talent zur Intrige und zum Schuldenmachen und vor allem mit reichlich angeborener und sorgfältig ausgebildeter Dreistigkeit, hatte unter den politischen Industrierittern jener Tage sich einen Namen gemacht und war in seinem Handwerk nächst Clodius der renommierteste Mann, natürlich also auch mit diesem in tödlichster Konkurrenzfeindschaft. Da dieser Achill der Straße von den Machthabern acquiriert worden war und mit ihrer Zulassung wieder den Ultrademokraten spielte, so ward der Hektor der Straße selbstverständlich Aristokrat, und die republikanische Opposition, die jetzt mit Catilina selbst Bündnis geschlossen haben würde, wenn er sich ihr angetragen hätte, erkannte Milo bereitwillig an als ihren rechtmäßigen Vorfechter in allen Krawallen. In der Tat waren die wenigen Erfolge, die sie auf diesem Schlachtfelde davon trug, das Werk Milos und seiner wohlgeschulten Fechterbande. So unterstützten denn hinwiederum Cato und die Seinigen Milos Bewerbung um das Konsulat; selbst Cicero konnte nicht umhin, seines Feindes Feind, seinen langjährigen Beschützer, zu empfehlen; und da Milo selbst weder Geld noch Gewalt sparte, um seine Wahl durchzusetzen, so schien dieselbe gesichert. Für die Machthaber wäre sie nicht bloß eine neue empfindliche Niederlage gewesen, sondern auch eine wirkliche Gefahr; denn es war vorauszusehen, daß der verwegene Parteigänger sich nicht so leicht wie Domitius und andere Männer der anständigen Opposition als Konsul werde annullieren lassen. Da begab es sich, daß zufällig unweit der Hauptstadt, auf der Appischen Straße, Achill und Hektor aufeinandertrafen und zwischen den beiderseitigen Banden eine Rauferei entstand, in welcher Clodius selbst einen Säbelhieb in die Schulter erhielt und genötigt ward, in ein benachbartes Haus sich zu flüchten. Es war dies ohne Auftrag Milos geschehen; da die Sache aber so weit gekommen war und der Sturm nun doch einmal bestanden werden mußte, so schien das ganze Verbrechen Milo wünschenswerter und selbst minder gefährlich als das halbe: er befahl seinen Leuten, den Clodius aus seinem Versteck hervorzuziehen und ihn niederzumachen (13. Januar 702 52). Die Straßenführer von der Partei der Machthaber, die Volkstribune Titus Munatius Plancus, Quintus Pompeius Rufus und Gaius Sallustius Crispus, sahen in diesem Vorfall einen passenden Anlaß, um im Interesse ihrer Herren Milos Kandidatur zu vereiteln und Pompeius’ Diktatur durchzusetzen. Die Hefe des Pöbels, namentlich die Freigelassenen und Sklaven, hatten mit Clodius ihren Patron und künftigen Befreier eingebüßt: die erforderliche Aufregung war also leicht bewirkt. Nachdem der blutige Leichnam auf der Rednerbühne des Marktes in Parade ausgestellt und die dazu gehörigen Reden gehalten worden waren, ging der Krawall los. Zum Scheiterhaufen für den großen Befreier ward der Sitz der perfiden Aristokratie bestimmt: die Rotte trug den Körper in das Rathaus und zündete das Gebäude an. Hierauf zog der Schwarm vor Milos Haus und hielt dasselbe belagert, bis dessen Bande die Angreifer mit Pfeilschüssen vertrieb. Weiter ging es vor das Haus des Pompeius und seiner Konsularkandidaten, von denen jener als Diktator, diese als Konsuln begrüßt wurden, und von da vor das des Zwischenkönigs Marcus Lepidus, dem die Leitung der Konsulwahlen oblag. Da dieser pflichtmäßig sich weigerte, dieselben, wie die brüllenden Haufen es forderten, sofort zu veranstalten, so ward auch er fünf Tage lang in seiner Wohnung belagert gehalten.