Über Lepidus also hafte die Oligarchie gesiegt; dagegen sah sie sich durch die gefährliche Wendung des Sertorianischen Krieges zu Zugeständnissen genötigt, die den Buchstaben wie den Geist der Sullanischen Verfassung verletzten. Es war schlechterdings notwendig, ein starkes Heer und einen fähigen Feldherrn nach Spanien zu senden; und Pompeius gab sehr deutlich zu verstehen, daß er diesen Auftrag wünsche oder vielmehr fordere. Die Zumutung war stark. Es war schon übel genug, daß man diesen geheimen Gegner in dem Drange der Lepidianischen Revolution wieder zu einem außerordentlichen Kommando hatte gelangen lassen; aber noch viel bedenklicher war es, mit Beseitigung aller von Sulla aufgestellten Regeln der Beamtenhierarchie einem Manne, der noch kein bürgerliches Amt bekleidet hatte, eine der wichtigsten ordentlichen Provinzialstatthalterschaften in einer Art zu übertragen, wobei an Einhaltung der gesetzlichen Jahresfrist nicht zu denken war. Die Oligarchie hatte somit, auch abgesehen von der ihrem Feldherrn Metellus schuldigen Rücksicht, wohl Ursache, diesem neuen Versuch des ehrgeizigen Jünglings, seine Sonderstellung zu verewigen, allen Ernstes sich zu widersetzen; allein leicht war dies nicht. Zunächst fehlte es ihr durchaus an einem für den schwierigen spanischen Feldherrnposten geeigneten Mann. Keiner der Konsuln des Jahres bezeigte Lust, sich mit Sertorius zu messen, und man mußte es hinnehmen, was Lucius Philippus in voller Ratsversammlung sagte, daß unter den sämtlichen namhaften Senatoren nicht einer fähig und willig sei, in einem ernsthaften Kriege zu kommandieren. Vielleicht hätte man dennoch hierüber sich hinweggesetzt und nach Oligarchenart, da man keinen fähigen Kandidaten hatte, die Stelle mit irgendeinem Lückenbüßer ausgefüllt, wenn Pompeius den Befehl bloß gewünscht und nicht ihn an der Spitze einer Armee gefordert hätte. Catulus’ Weisungen, das Heer zu entlassen, hatte er bereits überhört; es war mindestens zweifelhaft, ob die des Senats eine bessere Aufnahme finden würden, und die Folgen eines Bruchs konnte niemand berechnen - gar leicht konnte die Schale der Aristokratie emporschnellen, wenn in die entgegengesetzte das Schwert eines bekannten Generals fiel. So entschloß sich die Majorität zur Nachgiebigkeit. Nicht vom Volke, das hier, wo es um die Bekleidung eines Privatmannes mit der höchsten Amtsgewalt sich handelte, verfassungsmäßig hätte befragt werden müssen, sondern vom Senate empfing Pompeius die prokonsularische Gewalt und den Oberbefehl im diesseitigen Spanien und ging vierzig Tage nach dessen Empfang, im Sommer 677 (77), über die Alpen.

Zunächst fand der neue Feldherr im Keltenland zu tun, wo zwar eine förmliche Insurrektion nicht ausgebrochen, aber doch an mehreren Orten die Ruhe ernstlich gestört worden war; infolgedessen Pompeius den Kantons der Volker-Arekomiker und der Helvier ihre Selbständigkeit entzog und sie unter Massalia legte. Auch ward von ihm durch Anlegung einer neuen Alpenstraße über den Kottischen Berg (Mont Genèvre; 2, 105) eine kürzere Verbindung zwischen dem Potal und dem Keltenlande hergestellt. über dieser Arbeit verfloß die gute Jahreszeit: erst spät im Herbst überschritt Pompeius die Pyrenäen.

Sertorius hatte inzwischen nicht gefeiert. Er hatte Hirtuleius in die jenseitige Provinz entsandt, um Metellus in Schach zu halten, und war selbst bemüht, seinen vollständigen Sieg in der diesseitigen zu verfolgen und sich auf Pompeius’ Empfang vorzubereiten. Die einzelnen keltiberischen Städte, die hier noch zu Rom hielten, wurden angegriffen und eine nach der andern bezwungen; zuletzt, schon mitten im Winter, war das feste Contrebia (südöstlich von Saragossa) gefallen. Vergeblich hatten die bedrängten Städte Boten über Boten an Pompeius gesandt: er ließ sich durch keine Bitten aus seinem gewohnten Geleise langsamen Vorschreitens bringen. Mit Ausnahme der Seestädte, die durch die römische Flotte verteidigt wurden, und der Distrikte der Indigeten und Laletaner im nordöstlichen Winkel Spaniens, wo Pompeius, als er endlich die Pyrenäen überschritten, sich festsetzte und seine ungeübten Truppen, um sie an die Strapazen zu gewöhnen, den Winter hindurch biwakieren ließ, war am Ende des Jahres 677 (77) das ganze diesseitige Spanien durch Vertrag oder Gewalt von Sertorius abhängig geworden, und die Landschaft am oberen und mittleren Ebro blieb seitdem die festeste Stütze seiner Macht. Selbst die Besorgnis, die das frische römische Heer und der gefeierte Name des Feldherrn in der Insurgentenarmee hervorrief, hatte für dieselbe heilsame Folgen. Marcus Perpenna, der bis dahin als Sertorius im Range gleich auf ein selbständiges Kommando über die von ihm aus Ligurien mitgebrachte Mannschaft Anspruch gemacht hatte, wurde auf die Nachricht von Pompeius’ Eintreffen in Spanien von seinen Soldaten genötigt, sich unter die Befehle seines fähigeren Kollegen zu stellen.

Für den Feldzug des Jahres 678 (76) verwandte Sertorius gegen Metellus wieder das Korps das Hirtuleius, während Perpenna mit einem starken Heer am unteren Laufe des Ebro sich aufstellte, um Pompeius den Übergang über diesen Fluß zu wehren, wenn er, wie zu erwarten war, in der Absicht, Metellus die Hand zu reichen, in südlicher Richtung und, der Verpflegung seiner Truppen wegen, an der Küste entlang marschieren würde. Zu Perpennas Unterstützung war zunächst das Korps des Gaius Herennius bestimmt; weiter landeinwärts, am oberen Ebro, holte Sertorius selbst die Unterwerfung einzelner, römisch gesinnter Distrikte nach und hielt zugleich sich dort bereit, nach den Umständen Perpenna oder Hirtuleius zu Hilfe zu eilen. Auch diesmal war seine Absicht darauf gerichtet, jeder Hauptschlacht auszuweichen und den Feind durch kleine Kämpfe und Abschneiden der Zufuhr aufzureiben. Indes Pompeius erzwang gegen Perpenna den Übergang über den Ebro und nahm Stellung am Fluß Pallantia bei Saguntum, unweit des Vorgebirgs der Diana, von wo aus, wie schon gesagt ward, die Sertorianer ihre Verbindungen mit Italien und dem Osten unterhielten. Es war Zeit, daß Sertorius selber erschien und die Überlegenheit seiner Truppenzahl und seines Genies gegen die größere Tüchtigkeit der Soldaten seines Gegners in die Waagschale warf. Um die Stadt Lauro (am Xucar südlich von Valencia), die sich für Pompeius erklärt hatte und deshalb von Sertorius belagert ward, konzentrierte der Kampf sich längere Zeit. Pompeius strengte sich aufs äußerste an, sie zu entsetzen; allein nachdem vorher ihm mehrere Abteilungen einzeln überfallen und zusammengehauen worden waren, sah sich der große Kriegsmann, ebenda er die Sertorianer umzingelt zu haben meinte und schon die Belagerten eingeladen hatte, dem Abfangen der Belagerungsarmee zuzuschauen, plötzlich vollständig ausmanövriert und mußte, um nicht selber umzingelt zu werden, die Einnahme und Einäscherung der verbündeten Stadt und die Abführung der Einwohner nach Lusitanien von seinem Lager aus ansehen - ein Ereignis, das eine Reihe schwankend gewordener Städte im mittleren und östlichen Spanien wieder an Sertorius festzuhalten bestimmte. Glücklicher focht inzwischen Metellus. In einem heftigen Treffen bei Italica (unweit Sevilla), das Hirtuleius unvorsichtig gewagt hatte und in dem beide Feldherrn persönlich ins Handgemenge kamen, Hirtuleius auch verwundet ward, schlug er diesen und zwang ihn, das eigentliche römische Gebiet zu räumen und sich nach Lusitanien zu werfen. Dieser Sieg gestattete Metellus, sich mit Pompeius zu vereinigen. Die Winterquartiere 678/79 (76/75) nahmen beide Feldherren an den Pyrenäen. Für den nächsten Feldzug 679 (75), beschlossen sie, den Feind in seiner Stellung bei Valentia gemeinschaftlich anzugreifen. Aber während Metellus heranzog, bot Pompeius, um die Scharte von Lauro auszuwetzen und die gehofften Lorbeeren womöglich allein zu gewinnen, vorher dem feindlichen Hauptheer die Schlacht an. Mit Freuden ergriff Sertorius die Gelegenheit, mit Pompeius zu schlagen, bevor Metellus eintraf. Am Flusse Sucro (Xucar) trafen die Heere aufeinander; nach heftigem Gefecht ward Pompeius auf dem rechten Flügel geschlagen und selbst schwer verwundet vom Schlachtfelde weggetragen. Zwar siegte Afranius mit dem linken und nahm das Lager der Sertorianer, allein während der Plünderung von Sertorius überrascht, ward auch er gezwungen zu weichen. Hätte Sertorius am folgenden Tage die Schlacht zu erneuern vermocht, Pompeius’ Heer wäre vielleicht vernichtet worden. Allein inzwischen war Metellus herangekommen, hatte das gegen ihn aufgestellte Korps des Perpenna niedergerannt und dessen Lager genommen; es war nicht möglich, die Schlacht gegen die beiden vereinigten Heere wiederaufzunehmen. Die Erfolge des Metellus, die Vereinigung der feindlichen Streitkräfte, das plötzliche Stocken nach dem Sieg verbreiteten Schrecken unter den Sertorianern, und wie es bei spanischen Heeren nicht selten vorkam, verlief infolge dieses Umschwungs der Dinge sich der größte Teil der sertorianischen Soldaten. Indes die Entmutigung verflog so rasch wie sie gekommen war; die weiße Hindin, die die militärischen Pläne des Feldherrn bei der Menge vertrat, war bald wieder populärer als je; in kurzer Zeit trat in der gleichen Gegend, südlich von Saguntum (Murviedro), das fest an Rom hielt, Sertorius mit einer neuen Armee den Römern entgegen, während die sertorianischen Kaper den Römern die Zufuhr von der Seeseite erschwerten und bereits im römischen Lager der Mangel sich bemerklich machte. Es kam abermals zur Schlacht in den Ebenen des Turiaflusses (Guadalaviar), und lange schwankte der Kampf. Pompeius mit der Reiterei ward von Sertorius geschlagen und sein Schwager und Quästor, der tapfere Lucius Memmius, getötet; dagegen überwand Metellus den Perpenna und schlug den gegen ihn gerichteten Angriff der feindlichen Hauptarmee siegreich zurück, wobei er selbst im Handgemenge eine Wunde empfing. Abermals zerstreute sich hierauf das Sertorianische Heer. Valentia, das Gaius Herennius für Sertorius besetzt hielt, ward eingenommen und geschleift. Römischerseits mochte man einen Augenblick der Hoffnung sich hingeben mit dem zähen Gegner fertig zu sein. Die Sertorianische Armee war verschwunden; die römischen Truppen, tief in das Binnenland eingedrungen, belagerten den Feldherrn selbst in der Festung Clunia am oberen Duero. Allein während sie vergeblich diese Felsenburg umstanden, sammelten sich anderswo die Kontingente der insurgierten Gemeinden; Sertorius entschlüpfte aus der Festung und stand noch vor Ablauf des Jahres wieder als Feldherr an der Spitze einer Armee. Wieder mußten die römischen Feldherrn mit der trostlosen Aussicht auf die unausbleibliche Erneuerung der sisypheischen Kriegsarbeit die Winterquartiere beziehen. Es war nicht einmal möglich, sie in dem wegen der Kommunikation mit Italien und dem Osten so wichtigen, aber von Freund und Feind entsetzlich verheerten Gebiet von Valentia zu nehmen; Pompeius führte seine Truppen zunächst in das Gebiet der Vasconen ^7 (Biscaya) und überwinterte dann in dem der Vaccäer (um Valladolid), Metellus gar in Gallien.

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^7 In den neu gefundenen Sallustischen Bruchstücken, welche dem Ende des Feldzuges von 75 anzugehören scheinen, gehören hierher die Worte: Romanus [exer]citus (des Pompeius) frumenti gra[tia r]emotus in Vascones i .. [it]emque Sertorius mon …o, cuius multum in[terer]at, ne ei perinde Asiae [iter et Italiae intercluderetur].

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Fünf Jahre währte also der Sertorianische Krieg und noch war weder hüben noch drüben ein Ende abzusehen. Unbeschreiblich litt unter demselben der Staat. Eine Blüte der italischen Jugend ging in den aufreibenden Strapazen dieser Feldzüge zugrunde. Die öffentlichen Kassen entbehrten nicht bloß die spanischen Einnahmen, sondern hatten auch für die Besoldung und Verpflegung der spanischen Heere jährlich sehr ansehnliche Summen nach Spanien zu senden, die man kaum aufzubringen wußte. Daß Spanien verödete und verarmte und die so schön daselbst sich entfaltende römische Zivilisation einen schweren Stoß erhielt, versteht sich von selbst, zumal bei einem so erbittert geführten und nur zu oft die Vernichtung ganzer Gemeinden veranlassenden Insurrektionskrieg. Selbst die Städte, die zu der in Rom herrschenden Partei hielten, hatten unsägliche Not zu erdulden; die an der Küste gelegenen mußten durch die römische Flotte mit dem Notwendigen versehen werden, und die Lage der treuen binnenländischen Gemeinden war beinahe verzweifelt. Fast nicht weniger litt die gallische Landschaft, teils durch die Requisitionen an Zuzug zu Fuß und zu Pferde, an Getreide und Geld, teils durch die drückende Last der Winterquartiere, die infolge der Mißernte 680 (74) sich ins unerträgliche steigerte; fast alle Gemeindekassen waren genötigt, zu den römischen Bankiers ihre Zuflucht zu nehmen und eine erdrückende Schuldenlast sich aufzubürden. Feldherren und Soldaten führten den Krieg mit Widerwillen. Die Feldherren waren getroffen auf einen an Talent weit überlegenen Gegner, auf einen langweilig zähen Widerstand, auf einen Krieg sehr ernsthafter Gefahren und schwer erfochtener, wenig glänzender Erfolge; es ward behauptet, daß Pompeius damit umgehe, sich aus Spanien abberufen und irgend anderswo ein erwünschteres Kommando sich übertragen zu lassen. Die Soldaten waren gleichfalls wenig erbaut von einem Feldzug, in dem es nicht allein weiter nichts zu holen gab als harte Schläge und wertlose Beute, sondern auch ihr Sold ihnen höchst unregelmäßig gezahlt ward; Pompeius berichtete Ende 679 (75) an den Senat, daß seit zwei Jahren der Sold im Rückstand sei und das Heer sich aufzulösen drohe. Einen ansehnlichen Teil dieser Übelstände hätte die römische Regierung allerdings zu beseitigen vermocht, wenn sie es über sich hätte gewinnen können, den Spanischen Krieg mit minderer Schlaffheit, um nicht zu sagen mit besserem Willen zu führen. In der Hauptsache aber war es weder ihre Schuld noch die Schuld der Feldherren, daß ein so überlegenes Genie, wie Sertorius war, auf einem für den Insurrektions- und Korsarenkrieg so überaus günstigen Boden aller numerischen und militärischen Überlegenheit zum Trotz den kleinen Krieg Jahre und Jahre fortzuführen vermochte. Ein Ende war hier so wenig abzusehen, daß vielmehr die Sertorianische Insurrektion sich mit andern gleichzeitigen Aufständen verschlingen und dadurch ihre Gefährlichkeit steigern zu wollen schien. Ebendamals ward auf allen Meeren mit den Flibustierflotten, ward in Italien mit den aufständischen Sklaven, in Makedonien mit den Völkerschaften an der unteren Donau gefochten, und entschloß sich im Osten König Mithradates, mitbestimmt durch die Erfolge der spanischen Insurrektion, das Glück der Waffen noch einmal zu versuchen. Daß Sertorius mit den italischen und makedonischen Feinden Roms Verbindungen angeknüpft hat, läßt sich nicht bestimmt erweisen, obwohl er allerdings mit den Marianern in Italien in beständigem Verkehr stand; mit den Piraten dagegen hatte er schon früher offenes Bündnis gemacht, und mit dem pontischen König, mit welchem er längst durch Vermittlung der an dessen Hof verweilenden römischen Emigranten Einverständnisse unterhalten hatte, schloß er jetzt einen förmlichen Allianztraktat, in dem Sertorius dem König die kleinasiatischen Klientelstaaten, nicht aber die römische Provinz Asia abtrat, überdies ihm einen zum Führer seiner Truppen geeigneten Offizier und eine Anzahl Soldaten zu senden versprach, der König dagegen ihm 40 Schiffe und 3000 Talente (4½ Mill. Taler) zu überweisen sich anheischig machte. Schon erinnerten die klugen Politiker in der Hauptstadt an die Zeit, als Italien sich durch Philippos und durch Hannibal von Osten und von Westen aus bedroht sah; der neue Hannibal, meinte man, könne, nachdem er, wie sein Vorfahr, Spanien durch sich selbst bezwungen, eben wie dieser mit den Steilkräften Spaniens in Italien gar leicht früher als Pompeius eintreffen, um, wie einst der Phöniker, die Etrusker und Samniten gegen Rom unter die Waffen zu rufen.

Indes dieser Vergleich war doch mehr witzig als richtig. Sertorius war bei weitem nicht stark genug, um das Riesenunternehmen Hannibals zu erneuern; er war verloren, wenn er Spanien verließ, an dessen Landes- und Volkseigentümlichkeit all seine Erfolge hingen, und auch hier mehr und mehr genötigt, der Offensive zu entsagen. Sein bewundernswertes Führergeschick konnte die Beschaffenheit seiner Truppen nicht ändern; der spanische Landsturm blieb, was er war, unzuverlässig wie die Welle und der Wind, bald in Massen bis zu 150000 Köpfen versammelt, bald wieder auf eine Handvoll Leute zusammengeschmolzen; in gleicher Weise blieben die römischen Emigranten unbotmäßig, hoffärtig und eigensinnig. Die Waffengattungen, die längeres Zusammenhalten der Korps erfordern, wie namentlich die Reiterei, waren natürlich in seinem Heer sehr ungenügend vertreten. Seine fähigsten Offiziere und den Kern seiner Veteranen rieb der Krieg allmählich auf, und auch die zuverlässigsten Gemeinden fingen an, der Plackerei durch die Römer und der Mißhandlung durch die Sertorianischen Offiziere müde zu werden und Zeichen der Ungeduld und der schwankenden Treue zu geben. Es ist bemerkenswert, daß Sertorius, auch darin Hannibal gleich, niemals über die Hoffnungslosigkeit seiner Stellung sich getäuscht hat; er ließ keine Gegenheil vorübergehen, um einen Vergleich herbeizuführen und wäre jeden Augenblick bereit gewesen, gegen die Zusicherung, in seiner Heimat friedlich leben zu dürfen, seinen Kommandostab niederzulegen. Allein die politische Orthodoxie weiß nichts von Vergleich und Versöhnung. Sertorius durfte nicht rückwärts noch seitwärts; unvermeidlich mußte er weiter auf der einmal betretenen Bahn, wie sie auch schmaler und schwindelnder ward.

Pompeius’ Vorstellungen in Rom, denen Mithradates’ Auftreten im Osten Nachdruck gab, hatten Erfolg. Er erhielt vom Senat die nötigen Gelder zugesandt und Verstärkung durch zwei frische Legionen. So gingen die beiden Feldherren im Frühjahr 680 (74) wieder an die Arbeit und überschritten aufs neue den Ebro. Das östliche Spanien war infolge der Schlachten am Xucar und Guadalaviar den Sertorianern entrissen; der Kampf konzentrierte sich fortan am oberen und mittleren Ebro um die Hauptwaffenplätze der Sertorianer Calagurris, Osca, Ilerda. Wie Metellus in den früheren Feldzügen das Beste getan hatte, so gewann er auch diesmal die wichtigsten Erfolge. Sein alter Gegner Hirtuleius, der ihm wieder entgegentrat, ward vollständig geschlagen und fiel selbst mit seinem Bruder - ein unersetzlicher Verlust für die Sertorianer. Sertorius, den die Unglücksbotschaft erreichte, als er selbst im Begriff war, die ihm gegenüberstehenden Feinde anzugreifen, stieß den Boten nieder, damit die Nachricht die Seinigen nicht entmutigte; aber lange war die Kunde nicht zu verbergen. Eine Stadt nach der andern ergab sich. Metellus besetzte die keltiberischen Städte Segobriga (zwischen Toledo und Cuenca) und Bilbilis (bei Calatayud). Pompeius belagerte Pallantia (Palencia oberhalb Valladolid), das aber Sertorius entsetzte und den Pompeius nötigte, sich auf Metellus zurückzuziehen; vor Calagurris (Calahorra am oberen Ebro), wohin Sertorius sich geworfen, erlitten sie beide empfindliche Verluste. Dennoch konnten sie, als sie in die Winterquartiere gingen, Pompeius nach Gallien, Metellus in seine eigene Provinz, auf beträchtliche Erfolge zurücksehen; ein großer Teil der Insurgenten hatte sich gefügt oder war mit den Waffen bezwungen worden.