sein Handbuch dem König Nikomedes III. (663? - 679 91 - 75) von Bithynien:

Daß, wie die Leute sagen, königliche Huld

Von allen jetzigen Königen nur du erzeigst,

Dies zu erproben an mir selbst, entschloß ich mich,

Zu kommen und zu sehen, was ein König sei.

Bestärkt in diesem durch Apolls Orakelwort,

Nah’ ich mich billig deinem fast, auf deinen Wink,

Zu der Gelehrten insgemein gewordnen Herd.

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Die literarische Tendenz dieser Zeit war keine einfache und konnte es nicht sein, da die Zeit selbst zwischen der alten und der neuen Weise geteilt war. Dieselben Richtungen, die auf dem politischen Gebiet sich bekämpften, die national-italische der Konservativen, die hellenisch-italische oder, wenn man will, kosmopolitische der neuen Monarchie, haben auch auf dem literarischen ihre Schlachten geschlagen. Jene lehnt sich auf die ältere lateinische Literatur, die auf dem Theater, in der Schule und in der gelehrten Forschung mehr und mehr den Charakter der Klassizität annimmt. Mit minderem Geschmack und stärkerer Parteitendenz, als die scipionische Epoche bewies, werden jetzt Ennius, Pacuvius und namentlich Plautus in den Himmel erhoben. Die Blätter der Sibylle steigen im Preise, je weniger ihrer werden; die relative Nationalität und relative Produktivität der Dichter des sechsten Jahrhunderts wurde nie lebhafter empfunden als in dieser Epoche des ausgebildeten Epigonentums, die in der Literatur ebenso entschieden wie in der Politik zu dem Jahrhundert der Hannibalskämpfer hinaufsah als zu der goldenen, leider unwiederbringlich dahingegangenen Zeit. Freilich war in dieser Bewunderung der alten Klassiker ein guter Teil derselben Hohlheit und Heuchelei, die dem konservativen Wesen dieser Zeit überhaupt eigen sind, und die Zwischengänger mangelten auch hier nicht. Cicero zum Beispiel, obwohl in der Prosa einer der Hauptvertreter der modernen Tendenz, verehrte dennoch die ältere nationale Poesie ungefähr mit demselben anbrüchigen Respekt, welchen er der aristokratischen Verfassung und der Auguraldisziplin zollte; “der Patriotismus erfordert es”, heißt es bei ihm, “lieber eine notorisch elende Übersetzung des Sophokles zu lesen als das Original”. Wenn also die moderne, der demokratischen Monarchie verwandte literarische Richtung selbst unter den rechtgläubigen Enniusbewunderern stille Bekenner genug zählte, so fehlte es auch schon nicht an dreisteren Urteilern, die mit der einheimischen Literatur ebenso unsäuberlich umgingen wie mit der senatorischen Politik. Man nahm nicht bloß die strenge Kritik der scipionischen Epoche wieder auf und ließ den Terenz nur gelten, um Ennius und mehr noch die Ennianisten zu verdammen, sondern die jüngere und verwegenere Welt ging weit darüber hinaus und wagte es schon, wenn auch nur noch in ketzerischer Auflehnung gegen die literarische Orthodoxie, den Plautus einen rohen Spaßmacher, den Lucilius einen schlechten Verseschmied zu heißen. Statt auf die einheimische lehnt sich diese moderne Richtung vielmehr auf die neuere griechische Literatur oder den sogenannten Alexandrinismus.