Gravenstein hatte Clara seinen Arm geboten, um sie aus dem Zimmer zu führen. Welches Recht? fragte er stolz zurücktretend, und ohne ein weiteres Wort entfernte er sich.
Ein krampfhaftes Gelächter Elisens folgte ihm nach. Sie sank in den Lehnstuhl und bedeckte ihr glühendes, von Leidenschaft, Haß und tief gekränktem Stolz verzerrtes Gesicht mit ihrem Tuche. Stephani beugte sich tröstend über sie. Die Geheimräthin weinte; Wilkau stand wie erstarrt, die Hände geballt, seine Lippen bebten.
Hehe! schrie Herr Zippelmann, der Bube, der Felix! Liebster Geheimrath, wie sehen Sie aus? Gerade wie am Achtzehnten. Die verfluchte Einheit! Die deutsche Einheit! Aber, hehe! Professor, fassen Sie zu. Ich habe es immer gesagt, Alfredchen hatte etwas, was mir nicht gefiel.
Mir auch nicht, redete der Professor majestätisch den Kopf erhebend und seine Binde hoch ziehend. Er verstand mich nicht, Niemand verstand mich — jetzt sehen Sie die Folgen!
Gravenstein begleitete inzwischen Clara schweigend bis zu ihrer Wohnung. Felix führte den erschöpften Vater, Mertens mit seiner Frau hatten sich still davon gemacht, um die wahrscheinlichen Folgen dieses Abends in Ruhe zu bedenken. Ohne Zögern öffnete Alfred die Thür des Hauses und erst, als er in dem Wohnzimmer stand, wo die Lampen und Kerzen zwischen den Blumen und Festgeschenken noch brannten, brach er sein beharrliches Schweigen.
Seine finsteren Züge wurden weicher und seine Augen flogen über den einsamen Festtisch und die niedergebrannten Lichter hin, deren melancholisch düstres Geflimmer zu dem kummervollen Ernst der Anwesenden paßte.
Herr Herzer, sagte Alfred, ich bin Ihnen Genugthuung schuldig. Ich habe mich hinreißen lassen, ein Werkzeug abzugeben, das Sie verfolgen und verderben sollte. Als ich zuerst hier in diesem Zimmer war, überkam mich das Gefühl der Wahrheit. Ich suchte nach einem Auswege und fand ihn, indem ich das Unterpfand annahm, welches mir Ihr Sohn bot. Es war mir gleichviel, was es war, ich sah auf der Stelle, welche Absicht dabei waltete, aber ich war eben so überzeugt, daß das Pfand eingelöst werden würde. Ich würde Sie nie darum gedrängt haben, seien Sie dessen überzeugt, doch es ist anders gekommen. Hier sind die Papiere, nehmen Sie sie zurück. Ich bin schmerzlich getäuscht worden. Morgen verlasse ich diese Stadt; behalten Sie das Geld, bis ich es fordern werde.
Nicht also, sagte der Fabrikant. Das Kapital müssen Sie jetzt nehmen.
Das Einzige, was mich tief betrübt, fuhr Gravenstein fort, ist, daß ich mich anklagen muß, der Verläumdung Nahrung gegeben zu haben, welche die Ehre Ihrer Tochter anzutasten wagt. Aber glauben Sie, mein Herr, glauben Sie, Herr Herzer, fügte er stockend hinzu und langsam wandte er sich zu Clara um, diese Ehre ist mir so theuer, daß, wer es wagen will, sie zu berühren, auf mich treffen wird — auf mich!
Herr von Gravenstein, antwortete Herzer, ich danke Ihnen für diesen Trost, der mir wohlthut. Ja, diese Menschen haben tief in Alles gebohrt, was Menschen heilig ist, was aber meine Tochter betrifft, so ist es mein Entschluß, sie allen weiteren Anfechtungen zu entziehen. Clara wird in wenigen Tagen mit ihrem Bruder nach New-York gehen.