Meinen Sie? rief Herr Zippelmann. Aber der arme Herzer! Man muß doch einiges Mitgefühl haben selbst für Menschen, die es nicht verdienen.
Ich habe kein Mitgefühl für Menschen dieser Art, sprach Alfred. Es giebt für mich also keinen Grund mein Geld auch nur theilweis zu verlieren. Da Hoffnung vorhanden ist, daß ich bekommen kann was mein ist, so will ich dies selbst versuchen und danke Ihnen nochmals.
Sie haben Recht, grinste Zippelmann, ganz Recht Herr Baron. So wahr ich lebe, ich bin froh darüber. Fassen Sie ihn nur ordentlich an; Alles oder nichts! Gerade so wie die deutsche Einheit, Herr Geheimrath. Man muß nur zusehen, daß nicht etwa das Nichts übrig bleibt, wenn man die Hand aufmacht.
In diesem Augenblick öffnete sich die Thür und ein noch junger Mann trat herein, dessen einnehmendes kluges Gesicht Alfred schon gestern bei dem Balle bemerkt hatte. Als der Geheimrath ihn Assessor Stephani nannte, erinnerte er sich auch des Namens wieder, aber eine dunkle Wolke schwebte an ihm hin, als er dem stattlichen Mann nachblickte, der die Damen mit zwangloser Feinheit begrüßte.
Der Assessor war ein junger schlanker Herr mit dunklen lebhaften Augen und geistvollen Zügen. Leicht gelocktes Haar lag auf seiner Stirn; er bewegte sich rasch und frei, seine Blicke hatten etwas Kühnes und scharf Beobachtendes, seine ganze Erscheinung aber etwas sehr Einschmeichelndes und Angenehmes. Es war unmöglich ihn nicht mit Wohlgefallen zu betrachten. Sein freies Gesicht mit dem einnehmenden Lächeln gab nicht allein Anlaß dazu, die feinen und gefälligen Formen trugen mehr noch dazu bei. — Was er sagte und erzählte hatte den Reiz der Frische, der unmittelbar anregt und belebt. Seine Fragen flogen nach allen Seiten: er wußte den ganzen Kreis zu beschäftigen und was er mittheilte war für Alle berechnet.
Alfred von Gravenstein hörte eine Zeitlang zu wie er den Professor aufs Lustigste aufzog und ihn zu einer Reihe lächerlicher Aufschneidereien verführte. Der Geheimräthin erzählte er in drolliger Weise eine Anzahl Klatschgeschichten vom Hofe, sammt Neuigkeiten aus der Stadt, und sprach dann mit Elisen von den Herrlichkeiten des Balles mit allerlei Neckereien und pikanten Ausfällen auf Personen, die er dazu ausersehen hatte.
Von Zeit zu Zeit fiel sein Blick auf Alfred und ging gleichgültig weiter. Während er alle Anwesenden erheiterte, selbst mit Herrn Zippelmann scherzte und die Einen auf Kosten der Anderen belustigte, stand Gravenstein steif und nachdenkend bei dem Wucherer, der noch immer nicht die Absicht aufgegeben hatte, den Schuldschein an sich zu bringen.
Wie sich Alles gut trifft und paßt, sagte der Geheimrath endlich. Da ist der Herr Assessor Stephani, ein Sohn des Präsidenten und ein so hoffnungsvoller junger Mann, daß er Gehülfe der Ober-Staatsanwaltschaft geworden ist. — Hören Sie einen Augenblick, lieber Assessor, rief er laut, ich möchte eine Frage an Sie richten.
Mit der freundlichsten Miene unterbrach der junge Herr seine Unterhaltung mit Mutter und Tochter. — Was befehlen Sie, Herr Geheimrath? fragte er lächelnd.
Zuvörderst weiß ich nicht, ob sich die Herren schon kennen, erwiederte Wilkau. Herr Alfred von Gravenstein. —