Was das betrifft, fuhr Stephani fort, so habe ich gestern einige Aufschlüsse darüber erhalten. Herzer blieb nicht allein ein Verstockter, er trieb seine Roheit sogar so weit, dem Geheimrath die bittersten Vorwürfe öffentlich zu machen, und dieser hat den wohlbegründeten Verdacht, daß leidenschaftliche, höhnende Angriffe in den Blättern der Demokraten, die dem Geheimrath sehr gefährlich und fatal sein mußten, von Herzer herrühren.
Das ist niederträchtig! rief Alfred.
Aber ganz wie es sein muß, sagte Stephani. Schonung kennen die erbitterten Parteien nicht. Lüge, Verläumdung, jede Gemeinheit ist ihnen Waffe. Die Familie hat viel darunter gelitten, um so mehr, da die gegenseitige Verbindung früher sogar eine zärtliche Wendung genommen zu haben scheint.
Welche zärtliche Wendung? wiederholte Alfred von Gravenstein.
Ich sage was ich gehört habe, lachte der Assessor. — Ich bin seit einem Jahre mit der Familie näher bekannt und weiß nichts davon, aber dem Gerüchte nach soll der junge Herzer früher ein begünstigtes Verhältniß zu Fräulein Elise angeknüpft haben.
Das ist nicht wahr! rief Alfred und eine plötzliche Röthe färbte sein Gesicht. Es ist undenkbar, setzte er ruhiger hinzu, denn Wilkau in seiner Stellung, bei seinem Vermögen und wie ich ihn kenne, wird nicht ein Verhältniß begünstigt haben, das einem unbedeutenden Menschen seine einzige Tochter zuwirft.
Sie haben gewiß Recht, sagte Stephani. Die liebenswürdige, feine und edle Elise und der rohe Sohn des Handwerkers sind kaum neben einander zu denken. Ich glaube, daß man auch dies der Familie zur Schmach erdacht hat; verbreitet aber wurde das Gerücht und wahr ist wenigstens, daß zur Zeit, als noch Freundschaft zwischen den beiden Vätern war, diese sich ganz natürlich auch zwischen den Kindern fortsetzte.
Man sollte sich hüten, verläumderischen Gerüchten Nahrung zu geben, die für eine junge Dame von Stande ehrenrührig sind, sagte Alfred stolz.
Gewiß, erwiderte Stephani, aber durch heftigen Widerspruch macht man ein Gerede oft noch schlimmer. Der junge Herzer ist, wie man mir sagt, ein junger Mann von mancherlei Gaben, voll Kühnheit, wilden begehrlichen Sinnes und männlicher Schönheit. Ein schöner, stolzer Mann erobert Mädchenherzen, selbst wenn diese Gräfinnen und Prinzessinnen gehören.
Sie halten also die Gerüchte für wahr? fragte Alfred gereizt.