Wer wagt das von uns zu behaupten? versetzte Felix heftig. Hüten Sie sich, Herr von Gravenstein, unsere Ehre anzutasten.

Wenn es darauf ankommt, war die Antwort, so wahrt man diese am besten, wenn man pünktlich seine Verpflichtungen erfüllt.

O! wie leicht ist das von denen gesagt, die nie wissen was es heißt, mit dem Leben zu kämpfen und des Lebens Noth zu tragen, erwiderte der junge Herzer, — die sich rühmen, ein Monopol auf Ehre mit zur Welt zu bringen und, wenn es genau besehen wird, mit Wortbruch in den heiligsten und höchsten Dingen immer bei der Hand sind.

Das ist unverschämt! rief der junge Edelmann leidenschaftlich, indem er sich der Thür zuwandte. Ich habe nichts mehr hier zu thun.

Halt! sagte der Fabrikant, von der Schulter seines Sohnes sich aufrichtend. Hören Sie noch einige Worte.

Ohne darauf zu achten setzte Alfred seinen Weg fort, plötzlich aber stand er still, denn vor ihm öffnete sich die Thür und eine junge Dame trat ihm entgegen, die erstaunt über die heftigen und streitenden Stimmen an der Schwelle stehen blieb.

Es ist hier nicht der rechte Ort, sagte Herr Herzer, Alfreds Arm anfassend, um über diese Angelegenheit zu einem Beschluß zu gelangen, dennoch aber ist es nöthig, daß Sie nicht ohne einen solchen mich verlassen. Man hat, wie es mir scheint, Ihnen geflissentlich Unwahrheiten gesagt, und Sie gegen mich zu erbittern gesucht; deshalb muß ich darauf beharren, daß Sie wenigstens von mir selbst hören, was wahr, was falsch ist.

Ich fürchte, Herr Herzer, erwiderte Alfred von Gravenstein mit ungewisser Stimme, daß ich von meinem Entschlusse nicht zurückgebracht werden kann.

Oeffne die Thür, Clara, sagte der Fabrikant, und gieb mir Deinen Arm. Es ist meine Tochter, Herr von Gravenstein. Ich bin von meinem gewöhnlichen Uebel befallen worden, mein Kind. Bei heftiger Gemüthsbewegung ergreift mich zuweilen ein Schwindel; Andrang des Bluts, weiter nichts. Sorge nicht, Clärchen, es ist völlig vorüber und soll nicht wiederkehren. — Erinnerst Du Dich wohl noch des Herrn von Gravenstein? Du warst damals zwar erst vierzehn oder dreizehn Jahr alt und Herr von Gravenstein war nicht oft in unserem Hause. Wie lange ist es nun seit Sie Ihre Reise antraten?

Es sind vier Jahre, erwiderte Alfred.