Haben Sie irgend eine Ahnung, was es sein kann? fragte der Geheimrath, indem er den Ellenbogen des rechten Armes in seine linke Hand stützte, mit seiner Rechten sich an’s Kinn faßte, die Füße kreuzte und einen aufmunternden, verheißenden Blick auf das schlaue Gesicht des jungen Mannes warf.
Was Ahnungen betrifft, sagte dieser, so kömmt mir wohl mehr als eine, allein, was soll man damit anfangen?
Der Bediente mit der rothen Nase machte bei den letzten Worten die Thür auf und brachte, auf den Zehen tretend, ein Schreiben herein, das so eben angelangt war. Der Geheimrath warf einen Blick auf das Siegel und eine freudige Bewegung belebte sein Gesicht. Als der Diener hinaus war, sagte er lächelnd: Es kommt von dem Minister, möglich, daß es die bewußte Angelegenheit betrifft.
Mit diesen Worten riß er das Schreiben auf, allein schon nach einigen Augenblicken drückte er es rasch zusammen und warf es auf den Tisch. Seine Stirn hatte sich geröthet, er schien in großer Aufregung zu sein, die er mühsam zu beherrschen suchte, und seine Stimme zitterte, als er sich wieder zum Assessor wandte, der anscheinend seine Aufmerksamkeit ganz einem Blumentische gewidmet hatte, welcher in der Nähe stand.
Was haben Sie da für köstliche Gummibäume, rief Stephani ihm entgegen. Es sind Seltenheiten, einzig in ihrer Art.
Ich habe sie vor Jahren von demselben Manne erhalten, der jetzt Gravenstein zu betrügen sucht, wie er mich betrogen hat, erwiderte der Geheimrath.
Es ist Pflicht, es zu hindern, wenn man es kann, fuhr er fort. Was denken Sie also von diesem Geheimniß? Welche Ahnungen haben Sie, lieber Stephani.
Ich wage es in der That nicht auszusprechen, sagte dieser bedenklich.
Ohne Rückhalt! Ganz ohne Rückhalt! rief Wilkau. Mein Ehrenwort zum Pfande, daß es unter uns bleibt.
So viel ich aus verschiedenen Aeußerungen des Herrn von Gravenstein entnommen habe, begann der Assessor, hat eine sehr erschütternde Scene Statt gefunden.