Eine Komödie! fiel der Geheimrath ein.

Aber es ist nicht ganz klar, welche Rolle darin Fräulein Clara Herzer gespielt hat, sagte Stephani lächelnd.

Welche Rolle? Was meinen Sie? Welche Rolle?

Nichts Böses, fuhr jener fort, allein ein schönes junges Mädchen in Thränen, bittend für ihren Vater, ewige Dankbarkeit gelobend, wäre im Stande, selbst einen Kanibalen zu erweichen.

Ah! nickte der Geheimrath. Sie haben Recht!

So mag es denn nicht allzuschwer gewesen sein, dem gerührten Herrn von Gravenstein unter jenem Eindrucke selbst ein ziemlich werthloses Stück Papier aufzudrängen.

Glauben Sie das? fragte Wilkau lebhaft, indem er seine Hand auf Stephani’s Arm legte. Ein plötzlicher Gedanke schien durch seinen Kopf zu fliegen. Er hielt einige Augenblicke inne, seine Augen erhielten einen schillernden Glanz, sein ganzes Gesicht drückte triumphirende Freude aus.

Ich glaube es allerdings, fuhr Stephani fort, denn da es Wechsel sein sollen, die Herzer als Unterpfand gegeben hat, so steht dies mit dem abgenommenen Versprechen, sie Niemanden zu zeigen — denn ein solches Versprechen hat Herr von Gravenstein gewiß geleistet — im eigenthümlichen Widerspruch. Wären es gültige Wechsel, warum verkauft Herzer sie nicht? Wäre es irgend ein Papier, was sich vor ehrlichen Augen sehen lassen könnte, warum dies abgenöthigte Wort, sie verborgen zu halten? Entweder also, es ist mit diesen Papieren nicht wie es sein soll, oder Herr von Gravenstein hat eine Nothlüge ersonnen, wozu doch eigentlich kein Grund vorhanden war.

Seien Sie sicher, erwiderte der Geheimrath, was Gravenstein sagt, ist durchaus wahr. Es giebt keinen Menschen, der die Lüge mehr verachtet.

Nun denn, sprach Stephani, indem er gleichgültig lächelnd seinen Hut aufnahm, so ist es so, wie ich mir die Sache dachte. Der Schuldner wollte Zeit gewinnen, wahrscheinlich lag ihm unter allen Umständen daran, die Beschlagnahme zu hindern. Herr von Gravenstein ließ sich erweichen, er legte die Zettel in sein Taschenbuch und während der acht oder zehn Tage wird Herzer Rath zu schaffen suchen, um den Gläubiger zu befriedigen.