Ja, so ist es, sprach er leise, so muß es sein! Aber ich will dazwischen fahren, ich will Euch einen Strich durch die Rechnung machen, ihr elenden Gauner.

Hier unterbrach die Geheimräthin sein Selbstgespräch; sie war in lebhafter Bewegung. Nun, rief sie freudig, Friedrich hat mir gesagt, es sei ein Brief vom Minister gekommen; was schreibt er?

Auch das noch! murmelte der Geheimrath, die Stirn faltend, indem er das Zeitungsblatt ergriff. Es ist nichts, antwortete er dann mit gewaltsamer Ruhe. Lies das. Man hat mich abermals empörend angegriffen und verläumdet und zwar an der rechten Stelle, in dem Organ der Ultraconservativen. Man warnt den Staat, keinen Menschen zu befördern, der solche Erinnerungen an sich trage. Man spottet über meine Bekehrung, spottet über meine Bestrebungen, mich durch allerlei Mittel, selbst durch Heirath und Hochzeit meines Kindes rein zu waschen. Daß ich gemeint bin, ist mit Händen zu greifen. Der Minister schreibt mir, daß er nicht glaube, jetzt den geeigneten Zeitpunkt zu treffen, um seine Absichten durchzuführen, daß er diesen Zeitpunkt vielmehr später erwarten müsse.

Schändlich! Abscheulich! rief die Geheimräthin, Thränen in den Augen. Wer aber kann so nichtswürdig sein?

Wer? sagte Wilkau und ein tödtlicher Grimm klemmte seine Zähne zusammen. Nur der erbärmliche Betrüger Herzer kann es sein. Ich weiß, daß er ähnliche Dinge zu Zippelmann gesagt hat. Gestern erst hat er noch einen neuen Versuch gemacht, Geld dort zu bekommen und in gemeinster Weise behauptet, ich habe Alfred dazu vermocht, ihn zu ruiniren, aber ich werde es bereuen.

Welche entsetzliche, unwürdige, gräßliche Familie! sagte die Geheimräthin.

Sei ruhig, mein Kind, erwiderte Wilkau tröstend. Behalte immer den nöthigen Takt. Niemand darf merken, was in uns vorgeht.

Alfred von Gravenstein war den ganzen Tag um seine Braut beschäftigt; er genoß das Glück dieser ersten beseligenden Stunde im reichsten Maße. Es war von Anfang an sein Vorsatz gewesen, den Wünschen seiner Mutter nachzukommen, und offen bekannte er es, als er den kostbaren Familienschmuck Elisen überreichte.

Nimm ihn aus meiner Hand, sagte er, er war für Dich schon seit Jahren bestimmt, und als ich jetzt meine Reise antrat fiel er mir aus seinem Behälter entgegen, wie ein Wink von Geister-Hand, ihn nicht zu vergessen.

Die prachtvollen großen Steine funkelten und glänzten Elisen entgegen. Sie konnte sich nicht enthalten, die Bracelets anzupassen, die Kette von Brillanten um ihren Hals zu legen und mit einigen breiten Perlenschnüren ihr Haar zu umwinden.