Reden! rief Anton erschrocken, eine Rede halten? O, Sakerment! lieber will ich mir die Zunge abschneiden.

Kehren Sie sich nicht daran, Herr Professor! rief Guste triumphirend dazwischen. Ich will ihn schon dahin bringen, daß er reden muß, wenn noch ein Funken Vernunft in ihm ist. Du sollst und mußt reden, Anton!

Recht so, theure Frau, sagte Viereck mit einem begeisterten Zunicken. Die sanfte Ueberredungskunst der Frauen steht als Schutzgeist neben dem widerstrebenden Mann.

Er müßte ja blind sein, wenn er nicht einsieht, daß Sie nur unser Bestes wollen, sagte sie.

Und das will ich auch, rief der Professor. Ich sehe hier eine Familie, die es verdient. Eine muthige, treffliche, entschlossene Frau, die unter mancherlei Sorgen zeigt, daß die Natur ihr ein edles, treffliches Herz gegeben hat.

Ach, nicht doch! Herr Professor, nicht doch! flüsterte Guste beschämt.

Ja, so ist es! fuhr er mit Energie fort. Die Kleider thun es nicht, Rang und Stand auch nicht, aber die Natur thut es. Noch gestern habe ich dies meinen Freunden, ich habe es Grafen und Baronen ins Gesicht gesagt.

Siehst Du wohl! sagte Guste, und da sagen sie noch, es sind Aristokraten!

Menschenliebe! rief der Professor, reine, edle Menschenliebe, das ist das große Heilmittel aller Schmerzen und Trennungen, welche diese Welt bedrücken. Wir wollen helfen denen, die mit uns sind.

Das ist unsere Aufgabe, sagte er nach einer Pause, während welcher er die Arme kreuzte und sich völlig beruhigte. Sie wissen, Frau Mertens, daß wir eine Weihnachtssammlung machen; ich habe Sie auf die Liste gesetzt, damit freudige, schöne Feiertage bei Ihnen einkehren. Sie werden es doch nicht übel nehmen, sagte er lachend, wenn das Komité, dem ich die Ehre habe anzugehören, sich dafür erklärt, daß der treugesinnten Familie Mertens zehn Thaler oder vielleicht auch zwanzig Thaler, ich werde schon sehen, was sich thun läßt, als eine brüderliche Weihnachtshülfe zugesandt werden?