Ach lieber, verehrter Herr Professor, sagte Guste voll Seligkeit die Hände faltend, wie können Sie denken; so bedanke Dich doch, Anton, und sitze nicht da wie ein Stock.
Keinen Dank, sagte der Professor mit beiden Händen winkend, keinen Dank meine Freunde. Menschenliebe ist der höchste Lohn und dieser wird mir — bei dem letzten Worte sank plötzlich seine Hand nieder, der Laut kam abgebrochen hervor, starren Blickes schaute er nach den Glasscheiben der Ladenthür, zu welcher er zufällig sich umgewendet hatte. Die dunkle Gestalt eines Mannes schien dort zu stehen und rasch zurückzuweichen. Auch der Schuhmacher hatte den Kopf aufgehoben, er warf die Arbeit fort und sprang auf. Es war mir doch so alleweil, rief er, als hörte ich die Klingel anschlagen.
Der Professor schien von einem gewaltigen Erschrecken befallen zu sein, er war sichtbar blaß geworden. Es kam mir so vor, sagte er, während Anton hinausging, als sähe ich einen Kopf dicht hinter den Glasscheiben, der mit seinen boshaften Augen mich betrachtete und wie ein Teufel aus seinem roth ausgeschlagenen Mantel heraussah.
Lieber Gott! wer kann es denn sein? redete die Frau. Anton spricht mit ihm. Es wird nichts so Schlimmes sein, guter Herr Professor.
Mag es sein, wer es will, sprach Viereck mit neuem Muth, selbst wenn es der sein sollte, der mir dabei zufällig einfiel, selbst dieser elende Taugenichts würde mich nicht erschrecken können.
Im Augenblick machte Anton die Thür auf, und draußen fiel der nacheilende Lichtstrahl auf einen weitflatternden Mantel, in welchen der Fremde sich einhüllte und schweigend die Kellertreppe hinaufstieg.
Wer ist es? was will er? fragten Beide dem Schuhmacher entgegen.
Alleweile sage nichts mehr, Guste, rief Anton ganz belebt vor Freude. Hier sind Deine beiden Tücher, so rein und weiß, als wäre nie ein Blutfleck darin gewesen, und dazu — er drehte sich auf dem Hacken um, wie Einer, der sich seiner Dummheit plötzlich bewußt wird, warf das Haar von seiner Stirn und sagte dann etwas kleinlaut: dazu vielen Dank für alle Güte und Liebe.
Blutflecken? fragte der Professor. Wer hat denn sein Blut hier vergossen?
O! erwiderte die Frau schnell gefaßt, es hatte nichts zu sagen. Eine fremde Dame, die wir nicht kennen, hatte sich an den Kopf gestoßen. Ich lieh Ihr die Tücher und meinte schon, wir würden nichts davon wiedersehen.