Sie glauben? fiel der Geheimrath ein.
Es soll ein sehr schönes junges Mädchen sein, lächelte der erfahrene Mann achselzuckend. Was kommen nicht für Dinge in der Welt vor, und junge Herren, selbst wenn sie verlobt sind, haben doch häufig noch Augen für andere Schönheiten.
Machen es doch die Verheiratheten oft noch schlimmer.
Der Geheimrath schüttelte zu dieser Beruhigung den Kopf. Nach der Hochzeit, sagte er halblaut, mag man eher Entschuldigungen dafür finden, aber vorher sind solche Thorheiten weit gefährlicher.
Er dachte noch einen Augenblick nach und sein Gesicht nahm den starrsten Ausdruck des Hasses an. Diese verworfene Familie! murmelte er vor sich hin, es ist empörend, wenn ich Alles bedenke. Mein theurer Freund, sagte er dann laut, in Ihren Händen ruht ein wichtiges Geheimniß, dessen Bekanntwerden mir sehr unangenehm sein würde.
Seien Sie ganz unbesorgt, erwiderte der Beamte.
Das bin ich nicht, aber ich rechne auf Ihre Hülfe, fuhr Wilkau lebhaft fort. Beobachten Sie ihn genau, forschen Sie aus, was das Papier enthält.
Ich wette darauf, bemerkte der Kommissär, daß es die Einwilligung zu einem Besuch oder die Erlaubniß dazu war.
Wohl möglich! — o! wohl möglich! rief der Geheimrath. Bringen Sie mir Gewißheit darüber, ich will Ihnen dankbar sein. Ich muß Beweise haben, um überlegen zu können, was weiter geschehen darf; aber mit äußerster Vorsicht, ohne alles Geräusch, die tiefste Stille und Verschwiegenheit.
Der Kommissär versprach Alles, aber als er hinaus war, faßte der Geheimrath mit beiden Händen an seinen Kopf, den er wild schüttelte. Wenn ich mir das denke! rief er, wenn ich in diesen Abgrund blicke, möchte ich rasend werden.