So geh! rief Wilkau ihm nach. Ich wußte es wohl, ein Mensch, wie Du, ist unverbesserlich und wird niemals klug werden!

Es mochte um die neunte Stunde sein, als Herzer in dem großen Wohnzimmer gedankenvoll auf dem Sopha saß, den Kopf auf seinen Arm gestützt. Er sah unverwandt in die Flamme der Lampe, welche auf dem Tisch brannte, und schien nicht auf die Klänge zu hören, die aus einer dämmernden Ecke des Zimmers kamen. Seine Tochter saß dort am Flügel und ließ ihre Empfindungen zu Tönen werden, welche bald in einzelnen klagenden Accorden, bald in einer Reihe melodischer Verbindungen sich bewegten.

Lange Zeit war zwischen den beiden Personen kein Wort gewechselt worden, bis Clara nach ihrem Vater umblickte, der aufgestanden war und die Hände auf den Rücken gelegt, mit großen Schritten hin und her ging.

Sein würdiges, ernstes Gesicht war sorgenvoll und unruhig. Zuweilen schüttelte er seinen ergrauten Kopf, und hob ihn lebhaft auf, als sei er unmuthig über seine Gedanken, wenn er aber in die Nähe des jungen Mädchens kam, nickte er ihr zu und betrachtete sie mit freundlichen Blicken.

Wo ist denn Felix? fragte er endlich, als er bemerkte, daß seine Tochter ihr Spiel eingestellt hatte.

Seit Nachmittag schon ist er fort und noch nicht wieder heimgekehrt, gab sie zur Antwort. Du bist betrübt, Vater?

Nicht über Dich, mein liebes Clärchen, erwiderte er, ihr die Hand auf die Stirn legend, indem er an dem Instrument stehen blieb.

Sie sah zu ihm auf und schlang die Arme um seinen Hals. Mein armer Vater, flüsterte sie zärtlich, Du bist so gut und wahr, und doch so verfolgt vom Mißgeschick.

Das ist der Lauf der Welt, mein Kind, sagte Herzer. Kein wilderes Thier als der Mensch; kein grausameres, wenn es gilt, den Nebenmenschen zu hassen, zu höhnen und zu quälen.

Du bist bei Wilkau gewesen, fuhr sie fort. Ich habe Dich nicht gefragt. Felix hat es auch nicht gethan, wir wußten Beide, daß es ein unglücklicher Versuch war.