Wir sind also glücklich aus der Klemme, fuhr er fort. Diese Papiere lassen sich leicht verkaufen, und Gravenstein soll übermorgen sein Geld haben. Ein hübscher Weihnachtsabend wird es für den jungen Herrn sein, wenn er damit der reizenden Braut alle Gelüste ihres Herzens erfüllen kann. — O! sie wird ihn mit den zärtlichsten Blicken belohnen, sie wird so geistreich und liebenswürdig sein — bah! fort damit, unterbrach er sich dann, genug wir werden von der ganzen Plage befreit werden und haben nur zu sorgen, daß wir in vier Monaten unsere Pflicht erfüllen, was so schwer nicht sein wird.

Armer Felix, sagte Clara, ganz vergessen hast Du noch nicht, was einst ein schöner Traum Deines Lebens war.

Man vergißt nie den Schmerz um Täuschungen, erwiderte er, und es ist so leicht, getäuscht zu werden. — Siehst Du, Clara, es gab eine Zeit, wo ich Elisen gläubig verehrte und beinahe so lieb hatte, wie ich Dich habe. Ohne ausgesprochene Worte war ich mir meines Glückes bewußt. Aber diese schönen Tage währten nicht lange. Auch ohne die Zerwürfnisse der Väter wäre der letzte gekommen, denn ich sah bald ein, daß ich der Rechte nicht sei. Meine Einfachheit trat ihren Wünschen und Neigungen zu grell entgegen, ich wurde mit jedem Tage unmöglicher; ich war ein formloser, roher, ungehobelter Bursch, der überall mit der Thür ins Haus fiel, und nun gar, als der Sturm losbrach und mein Bart wuchs! Er lachte auf, indem er die Fülle seines Haares zerzauste. Nein, sagte er dann, das Gleiche zum Gleichen, das ist das richtige Rechenexempel des Lebens. Der Junker paßt zum Fräulein, mögen sie glücklich sein, ich wünsche es ihnen von Herzen.

Sie werden sich gegenseitig betrügen, sprach Herzer vor sich hin.

Wer weiß, rief Felix. Gravenstein ist ein stolzer, straffer Mann, beschränkt in seinen Vorurtheilen, dennoch ein Mann von Ehre in seiner Art, der streng hält, was er verspricht, aber von seinem Schuldner wie von seiner Frau ganz dasselbe fordert.

Sage mir doch, fragte der Vater sich an den Sohn wendend, welche Mittel waren es denn, durch welche Du ihn bewegt hast, uns Geduld zu schenken?

Mittel, Vater? erwiderte Felix, weiß es Gott! meine Mittel waren gering genug. Ich stellte ihm unsere Lage vor, bat ihn mit Offenheit daran zu glauben, daß wir pünktlich zahlen würden, und daß er sein Geld am zehnten Tage spätestens haben sollte, was ich mit meinem Worte verbürgte.

Mit weiter nichts? fragte Herzer.

Vater! rief der Sohn lebhaft betroffen. Ihre Augen begegneten sich, es entstand eine Stille. Unruhe oder Mißmuth schickten ihre Schatten über das Gesicht des jungen Mannes. Plötzlich aber erhellten sich seine Züge wieder und mit der unbesorgten Ruhe und Heiterkeit, die der Grundton seines Wesens zu sein schien, sagte er: Besorge nichts, Du hast nicht den geringsten Grund, besorgt zu sein. Gravenstein hat mir zugesichert, bis übermorgen zu warten, ich werde halten, was ich übernommen habe. Alles löst sich daher, wie es sein muß; am Weihnachtsabend aber wollen wir einen funkelnden Christbaum aufrichten, und dankbar an den denken, der geboren wurde, um von den Pharisäern gekreuzigt zu werden, dieweil wir ihnen glücklich entrannen.

Herzer schwieg zu dieser Erwiderung. Sein Auge ruhte noch eine Minute lang auf seinem Sohne, der etwas in sein Taschenbuch schrieb, dann schien er seine Gedanken mit einem Entschluß von sich abzuthun, denn seine Mienen hellten sich auf und lächelnd reichte er Felix die Hand. — Ich weiß, sagte er, daß Du verständig und tüchtig bist, daß Dein Rechtsgefühl und Deine Ehre immer an dem richtigen Platz stehen. Meine Kinder! Ihr seid ja mein einziges Gut. In dieser trüben Zeit fühle ich erst recht, was es heißt, von meinen Kindern geliebt und getröstet zu sein.