Nach einem herzlichen Familiengespräch über Mancherlei, was das häusliche Leben betraf, wurde der Abendtisch bereitet und mit wirthlicher Anstelligkeit von Clara versorgt. Man sah, wie geläufig ihr die kleinen Mühen waren, wie sich alles schickte, was sie angriff und wie sorgsam und mit ordnender Hand sie dies Hauswesen leitete. Im schwarzen Kleide, das zierliche Häubchen auf dem dunklen Haar, sah sie wie eine blühende junge Frau aus, was endlich auch der Vater in seiner Freudigkeit aussprach und weitere Scherze daran knüpfte.
Was mich zumeist freut, sagte er, ist, daß ich Dich noch habe, mein Clärchen; daß noch Keiner gekommen ist, den Du lieber hättest als mich, und um den Du den alten Vater verlassen möchtest.
Nie werde ich Dich verlassen, erwiderte sie.
O! sage das nicht, Kind, fuhr er fort, das Schicksal könnte Dich beim Wort nehmen, wie es gern zu thun pflegt. Ein Mädchen soll ja auch Vater und Mutter verlassen, um mit dem Manne zu gehen, den ihr Herz gewählt hat, und so thöricht bin ich nicht, um nicht zu wissen, daß es so sein muß.
Ich werde mit Keinem ziehen! sagte Clara lächelnd.
Ei was! rief Herzer, Du willst doch nicht sitzen bleiben? Du bist freilich nicht so, wie Andere, nicht so, wie Fräulein Elise zum Beispiel, sehnst Dich nicht danach, von jungen Herren umtänzelt zu sein und heute dem, morgen jenem zu gefallen, bis Einer an der Leimruthe fest klebt.
Nun, fiel Felix lachend ein, die Leimruthe ist doch so übel nicht. Alfred von Gravenstein ist ein Vogel, den Viele gern gefangen hätten.
Er will Dich necken, Clara, sagte der Vater, als ob der blondhaarige, finsterblickende Baron Dir Neid einflößen könnte.
Felix weiß wohl, daß es nicht der Fall ist, erwiderte Clara.
Und ich weiß es vielleicht noch besser, rief Herzer, denn eine Seele wie die Deine kennt weder den Neid, noch wird sie sich von falschem Schimmer blenden und betrügen lassen.