Auch die reinste und edelste Seele kann getäuscht und betrogen werden, sagte Felix, indem er ernsthaft auf seinen Teller blickte. Giebt es nicht viele Fälle, wo die heiligsten Schwüre gebrochen, die Neigung eines liebenden Herzens mit nichtswürdigem Verrath vergolten wurde?

Es giebt allerdings solche Fälle, sagte Herzer, aber immer sind es schwache, eitle oder leidenschaftliche Mädchen, die sich an einen Mann hängen, dem sie blind vertrauen, der ihrem Hochmuth oder ihren sinnlichen Begehren schmeichelt, und dessen Falschheit sie erliegen, weil sie es kaum besser verdienen.

Du urtheilst sehr hart, sagte Clara ruhig zu ihm hinblickend.

Das ist mein Stolz, fuhr der Vater fort, daß ich nicht so über Dich zu urtheilen habe. Du kannst nicht betrogen und verrathen werden; Du würdest mit Deiner freien, muthigen und klaren Erkenntniß der Verhältnisse und Menschen Dich nicht von einem Manne berücken lassen, der Deiner nicht werth wäre.

Mir fällt eben eine Geschichte ein, die ich vor einiger Zeit gehört habe, sprach Felix. Ein schönes und liebenswürdiges Mädchen lernt einen jungen Mann kennen, der sich viele Mühe giebt, ihr zu gefallen. Sie trifft ihn in gesellschaftlichen Kreisen. Er ist geistvoll, schwärmt für alles Schöne und Edle, aber seine Verhältnisse zwingen ihn, sich vorsichtig zu benehmen; denn sein Vater ist ein hoher Staatsbeamter, er hängt von ihm ab, und hat nur Aussicht, Unabhängigkeit und Stellung zu gewinnen, wenn er seine wahre Meinung verbirgt.

Er heuchelte also, wie es Viele thun! sagte der Fabrikant.

Das Mädchen glaubt ihm und seinen Gründen, fuhr Felix fort. Sie verbirgt dem strenggesinnten Vater ihre Neigung und ihre Zusammenkünfte. Sie hofft, daß sich bald die Verhältnisse ändern, daß die Freiheit wiederkehren und ihr Geliebter dann glänzend hervortreten werde.

Die Thörin! rief Herzer, habe ich nicht Recht?

Statt dessen aber befestigt sich die Reaktion und geht weiter. Der junge Herr ist klug genug dies zu erkennen; er hört auch, daß das Mädchen, die er für reich gehalten, es nicht ist, weil ihr Vater viel verloren hat. Von jetzt an faßt er seine Entschlüsse. Er bemüht sich der Regierung seinen Eifer und seine Ergebenheit zu bezeigen, und was die junge Dame anbelangt, so macht er die nichtswürdigsten Versuche ihre Liebe zu benutzen, um sie zu entehren und dann zu verlassen.

Was ihm natürlich auch gelungen ist, fiel Herzer ein.