Was ihm nicht gelungen ist, sagte Clara sich aufrichtend.

Ihr Gesicht hatte sich geröthet, ihre Augen glänzten vor Bewegung, sie blickte ihren Vater lange und fest an, der langsam die Hände faltete und mit Gewalt zusammenpreßte.

Du kennst diese Geschichte also auch? fragte er.

Ich kenne sie genau, erwiderte Clara. Sie verhält sich ganz so, wie Felix sie erzählte.

Eine lange Pause folgte, endlich stand Herzer vom Tische auf und trocknete sich die Stirn. — Was ich thöricht bin, sagte er lächelnd, ich könnte mich fast vor Eurer Geschichte ängstigen, weil ich mir den Gram und Zorn des Mannes vorstelle, der solche Noth an seinen Kindern erlebt. O! man kann Vieles an Kindern erleben, viel Freude und viel Leid, aber laßt uns nur an die Freude denken. Meine Sorge ist Euer Glück, mein ganzes Herz ist voll Sehnsucht, Euch glücklich zu wissen, und kein Opfer wäre mir zu groß, wenn ich wüßte, daß eine Gefahr Euch bedrohte und ich könnte sie abwenden.

Mit seiner linken Hand umfaßte er die Tochter, die Rechte reichte er seinem Sohne. Dann küßte er Clara’s Stirn und sagte mit Heiterkeit: Man muß sich oft vor seinen eigenen Gedanken hüten, die unsere ärgsten Feinde sein können. Ich habe noch Einiges zu arbeiten und bin müde, zwei Dinge, die sich schlecht vertragen. Geht also für heut, und gute Nacht. In einer Stunde denke ich auch zu schlafen; morgen aber wollen wir sogleich Dein Wechselgeschäft ordnen und je eher je lieber Gravenstein befriedigen.

Er zündete ein Licht an und ging aus dem Zimmer in das Comptoir. Felix blieb bei seiner Schwester am Tische sitzen, ihre Hand ruhte in seiner Hand. Er verfolgte mit seinen Augen ihre Blicke mit rührender Besorgniß und Zärtlichkeit. Dann streichelte er ihre Stirn, legte den Arm um sie und betrachtete sie wieder, bis er seinen eigenen Gedanken nachging, die ihn in lange Betrachtungen versenkten. Es währte geraume Zeit, ehe ein Wort gewechselt wurde. Was ahnet er? sagte der junge Mann endlich vor sich hin.

Ich glaube Alles! antwortete Clara leise.

Alles! wiederholte er auffahrend, nein! nein! Aber, bei Gott, Clara! es liegt Etwas auf meiner Brust, was ich fort wünschte. Zum erstenmale in meinem Leben habe ich die Augen nicht aufschlagen können vor meinem Vater, und doch habe ich nichts gethan, dessen ich mich schämen müßte.

Was ist es also? fragte Clara.