Der Verfasser hält es für unnöthig, die Tendenz dieser Schrift im Voraus zu bezeichnen, weil er hofft, sie werde sich dem Leser von selbst ergeben. Wohl aber glaubt er, über die Art ihrer Entstehung und den Wirkungskreis, den er ihr wünscht, Einiges sagen zu müssen.

Es war nicht seine Absicht, irgend eine Gelehrsamkeit oder sonst ein äußeres Wissen darin zu entwickeln; der Zweck schien es ihm nicht zu fordern. Der Gegenstand ist wichtig genug, um Gelehrte und Ungelehrte in gleichem Maße zu beschäftigen. Er übergibt sie daher allen denen, welchen das Wohl des Vaterlandes am Herzen liegt, gleichviel weß Standes und Ranges sie sonst sein mögen, und setzt nur das Eine voraus, daß der, der sie lieset, mit dem geschichtlichen Material, welches er besitzt, es sei klein oder groß, geistig gewirthschaftet, und mit der politischen Anschauung, die ihm eigen ist, sie sei eng oder weit, in Gedanken geschaltet hat. Dies fügt er hinzu, weil ohne das Vieles in einem andern Lichte erscheinen muß, als es zu erscheinen bestimmt ist.

Die vaterländische Bewegung, welche seit dem Herbste des vorigen Jahres begonnen und seitdem in steigendem Maße zugenommen hat, war es nicht zunächst, was diese Schrift verursacht hat. Sie wäre auch ohnedem geschrieben worden; die Ansichten, die hier ausgesprochen sind, waren vorhanden, ehe die politische Krisis eintrat. Der Verfasser erwähnt diesen Umstand nicht, als ob er sich zu vornehm bedünkte, gleich Andern davon ergriffen worden zu sein, oder als ob er den Vorgang nicht nach seiner vollen Bedeutung zu würdigen wüßte; sondern weil es ihm wichtig ist, das kleine Buch nicht als Etwas angesehen zu wissen, was es in keiner Weise ist — nämlich als eine durch die Lage des Augenblicks veranlaßte politische Flugschrift. Wohl aber hat das Erwachen eines höheren Sinnes sein Vorhaben beschleunigt, und er darf hoffen, daß heutzutage Vieles mit Theilnahme begrüßt wird, was in andern Zeiten verlacht worden seyn würde.

Im Uebrigen war er genöthigt, sich in der Darstellung auf die politischen und socialen Verhältnisse und auch innerhalb dieses Gebiets nur aufs Allgemeinste zu beschränken. Er wollte nur von Deutschland sprechen, und hat absichtlich darauf verzichtet, in das Leben der einzelnen Staaten einzugehn. Um das zu zeigen, was er zu zeigen bemüht war, gab es auch außerdem verschiedene Wege. Er hätte können den Zustand der Wissenschaft, der Kultur und des geistigen Lebens beleuchten und von hier aus zu demselben Ziele gelangen, das man als höchste Aufgabe des deutschen Geistes aufgestellt finden wird. Anderseits wäre es sehr wichtig gewesen, die materiellen Fortschritte zu würdigen und zu entwickeln, wie Deutschland allein durch richtige Benutzung seiner derartigen Hülfsmittel zu dem äußern Rang erhoben werden könne, der ihm gebührt. Allein beide Gebiete sind so umfangsreich, daß ein eigenes, größeres Buch dazu kaum hinreichen würde. Doch wird man ein näheres Eingehn in die materiellen Fragen um so leichter entbehren, als diese Dinge von der periodischen Presse und sonst von befugten Richtern täglich gründlicher besprochen werden; und wenn er allerdings der Meinung ist, daß die höchste kommercielle und industrielle Blüthe allein nicht genügend sei, um uns selig zu machen, so wird ihn deßhalb Niemand einer Mißachtung der patriotischen Bestrebungen zeihn. Was aber Philosophie und Literatur betrifft, so mußte er, nach dem Zweck der Schrift, sich aller näheren wissenschaftlichen Kritik enthalten; und wenn er, wie natürlich, diesen Boden berührt hat, so geschah es nur aus dem socialen Gesichtspunkt. In diesem Sinne wird man Alles gesagt finden, was über die heutigen Systeme, über die Verdorbenheit des Geistes und der Literatur, über Theologie und Pietismus gesagt ist. Denjenigen also, welche einer philosophischen Schule angehören — und deren sind wahrlich nicht wenige in Deutschland — übergibt der Verfasser auf gutes Glück hin dies Buch. Geben darf er es ihnen, weil er weiß, daß Viele, oder wenigstens Manche, die auf einen philosophischen Namen getauft sind, dem, was vorhanden ist, zwar als dem verhältnißmäßig Besten huldigen, nichts desto weniger aber sehr wohl wissen oder sehr vernehmlich fühlen, daß das Höchste noch nicht erreicht, das lebendige Evangelium, dessen die Zeit bedarf, noch nicht erschienen ist. Auf gutes Glück aber muß er es geben, weil er sich verhindert sah, auf eine logische Diskussion darüber einzugehen und demohngeachtet genöthigt war, seine Meinung unumwunden auszusprechen.

Eben so wenig war es ihm vergönnt, die ganze Geschichte, alte und neue, in seinen Kreis zu ziehen, um daraus mit doppeltem Gewicht die Nothwendigkeit dessen, wovon er durchdrungen ist, zu erhärten. Er konnte blos Seitenblicke werfen; und bemerkt überdies insbesondere, daß alles, was in historischer Beziehung vorkömmt, nur Betrachtung über Geschichte, keineswegs Geschichte sein soll — zwei ungemein verschiedene Dinge. Ueberhaupt wollte er zunächst nicht schildern, wessen die Zeit bedarf, sondern was für Deutschland vonnöthen ist; jenes berührt den Menschen im Allgemeinen, dieses den Deutschen; auf letzteres mußte er sich in dem, was über Geschichte und Christenthum gesagt ist, beschränken.

Da der Verfasser nicht im Sinne irgend einer Partei, sondern in deutschem Sinne zu schreiben bemüht war: so bietet er sie auch den deutschen Staatsmännern. Er kann dieß unbefangen thun, weil, obwohl er die Politik der heutigen Zeiten meist tadelnd, selten lobend besprochen hat, er sich dennoch bewußt ist, weniger Menschen und Maßregeln, als die Zeit getadelt und beklagt zu haben, deren Sklaven wir alle sind und deren nothwendige Endentwicklung er darzustellen gesucht hat. Da nun die Zeit als ein historisch Gegebenes vor ihm lag, so mußte er freilich mit derselben Offenheit sprechen, als man von früheren Epochen spricht; aber sein Ziel war eben deßhalb in allen Stücken nicht der Kampf, sondern die Versöhnung, die in einer größern Zukunft liegt. Vielleicht wundert man sich, mit welchem Rechte er dem Staatsmann eine Theilnahme an politischen Ideen zumuthet, deren Verwirklichung in der unmittelbaren Gegenwart gar nicht, in einer nähern Zukunft nur theilweise, theilweise erst in Jahrhunderten, ja wie Viele meinen werden, niemals gedenkbar sei. Allein fürs erste glaubt er, daß ein Deutscher, der die politische Stellung zu zeichnen versucht, die nach Natur und Geschichte seinem Vaterlande in Europa gehört, ohne weiteres berechtigt, ja verpflichtet sei, sich an diejenigen zu wenden, in deren Hand es liegt, die Wirklichkeit dem Ideale wenigstens mehr und mehr anzunähern. Sodann ist er überzeugt, daß das Bedürfniß einer Vermittlung der Gegensätze, und einer höhern, als bis jetzt vorhanden ist, sich Allen unabweislich geltend macht, welche in den Gang der Dinge einzugreifen berufen sind. Ferner, und nicht weniger, daß die Nothwendigkeit einer organischen, auf natürlichen Grundlagen beruhenden äußeren Politik, im Gegensatze der zögernden und momentan beschwichtigenden, tagtäglich einleuchtender und dringender gefühlt wird. Was endlich den Einfluß der Psychologie auf den Staat betrifft, so weiß jeder Staatsmann, daß die erste Kunst des Regierens darin besteht, für jede Stelle das rechte Talent, für jedes Geschäft den rechten Charakter zu finden, mit Einem Worte jeder Individualität den richtigen Platz anzuweisen; und wie weit er sich dieses auch ausführbar denke, in allen Fällen muß ihm doch ein geistiger Hebel für diese Kunst als das höchste Ziel der Staatswissenschaft erscheinen.

Es bleibt noch übrig, einiges Einzelne zu bemerken. Was über die Organisation der Völkerstämme auf der Erde, sodann diesen entsprechend in Europa, gesagt ist, hat der Verfasser nicht in dem Sinne hingestellt, als sei damit eine neue Eintheilung der Raçen gefunden, welche er für untrüglich hielte. Was er gesagt hat, ist ihm allerdings, so weit er bis jetzt zu sehen vermocht hat, Wahrheit; seine Absicht aber war hauptsächlich die, mit Bestimmtheit zu zeigen, daß eine ursprüngliche Harmonie der Völkerordnung existire, daß diese gefunden werden, und daß die Politik auf eine solche Grundlage fußen müsse. Diese Ueberzeugung ist es, die er dem Leser einzuflößen gesucht hat; ob diejenige Harmonie, die er aufstellt, gerade die richtige sei, mag der Einzelne für sich nach Gutdünken entscheiden.

Was im 3ten Kapitel des zweiten Theiles, [Seite 73], von den französischen Prätensionen gesagt ist, bezieht sich, wie sich im Grunde von selbst versteht, nur auf die Meinung, welche die Franzosen von ihrem Berufe im Allgemeinen haben, nicht aber auf ihre Eroberungsprätensionen. Diese letztern sind zu lächerlich, das ganze französische Treiben, soweit es sich hierauf bezieht, zu verächtlich, um es in einem Buche von so ernstem Inhalt zu erwähnen.

Der Verfasser sagt es hier ausdrücklich: er war nicht gewillt, die eigenen Gedanken und die eigenen Heilmittel den Zeitgenossen vorzutragen. Er hat sich nur berufen gefühlt, mit allem, was an ihm ist, auf ein Kommendes hinzuweisen, vor dem er sich beugt. Wohl weiß er, daß der Glaube an einen Messias zu denjenigen Dingen gehört, welche schon an sich ein übles Vorurtheil erwecken, weil nur zu leicht jugendliche Thorheit sich damit verschwistert. Indessen getröstet er sich, daß manche bedeutende Männer diesen Glauben getheilt, und Einer der größten (Lessing) ihn in einer eignen Schrift dem deutschen Volke hinterlassen hat. Er hat also gegen die, welche dergleichen von vornherein als Unsinn betrachten, einen glänzenden Schild; und die Andern mögen aus dem Inhalte des Buches selbst urtheilen.