»Und wer hat diesen Garten angelegt?«

»Die Franzosen, Majestät.«

»Und die Strasse?«

»Die Franzosen, Majestät.«

»Und diese Seidenspinnerei?«

»Die Franzosen, Majestät.«

»So?« sagte der Kaiser, in seiner bekannten glatten Manier, »mir scheint, hier haben Alles die Franzosen gemacht, da ist es schade, dass sie nicht ein paar Jahre länger hier geblieben sind.«

Um also nun wieder auf die Strada Marmont und die veredelte Race der Sette Castelli zu kommen, so liess Marschall Marmont gerade das Stück Strasse, das sich von Traù längs der Küste der Sette Castelli bis gegen Spalato zieht, durch die Mannschaft des 72. französischen Infanterie-Regiments bauen. Die Soldaten arbeiteten des Tags, schliefen des Nachts bei den Bauern – und die Folge war eine schöne Strasse und ein prächtiger Menschenschlag – – – ernstblickende hohe und kräftige Männer, dunkeläugige Frauen mit Madonnengesichtern und schweren braunen Zöpfen.

Zwischen dem Gestade der Sette Castelli und der Stadt Spalato, eine halbe Stunde von Ersterem und eine Stunde von der Letzteren entfernt, liegen die Ruinen der einst mächtigen und blühenden Römerstadt Salona, die, theilweise von der durch zwölfhundert Jahre angesammelten Humusschicht befreit, heute noch ihre Bäder und Tempel, ihren Circus und ihr Forum in trübseliger säulenkränzter Schönheit dem Beschauer weisen. Grimmige Mauern umziehen im weiten Halbkreise das Ganze und erstrecken sich epheubewachsen bis an das Meer, auf welchem einst die Bewohner vor den herandrängenden Barbaren flüchteten. Ausserhalb dieser Ruinen liegt das Dorf Salona, durchwegs aus Säulenstücken und Steintrümmern des alten Salona erbaut. Marmorne Reliefs, römische und griechische Inschriften findet man da beinahe an jedem Hause – oft verkehrt eingemauert – und umgestürzte Marmorsarkophage dienen den Bauern als Steintische vor ihren Häusern. Aus einer Höhle des Mossor-Gebirges, kaum eine Stunde weit von dem Dorfe Salona, entspringt der Fluss Jadro, der seine krystallhellen und eiskalten Fluthen in ungestümer Eile dem Meere zujagt, nachdem er im Dorfe Salona eine Anzahl Mühlen getrieben. Wiesen, die ihr saftiges Grün durch das ganze Jahr behalten, schlanke Pappeln, mächtige Buchen und rebenumrankte Maulbeerbäume säumen seine Ufer ein und zwischen dem dunkeln Laube schimmern die weissen Dächer der Mühlen hinaus in die Ferne.

Unter einer dalmatischen Mühle möge man sich nur ja nicht das mächtige Getriebe von Räderwerk und Hebeln vorstellen, aus denen in civilisirten Ländern eine Mühle zu bestehen pflegt. Die Dalmatiner sind eben ein genügsames Volk und ihre Mühlen stehen womöglich noch ein wenig weiter zurück in der Cultur als die Eingebornen selbst. Das Getreide oder der Mais wird dort auf einem Esel in die Mühle geschleppt, schlecht und recht gemahlen und auf demselben Esel wieder nach Hause befördert. Eine Absonderung des Mehles von der Kleie kommt da nicht vor, das muss Jeder zu Hause selbst vornehmen, wenn er es nicht vorzieht die Kleie mit dem Mehl zu verzehren. Der Müller bekommt einen Theil des Getreides als Mahllohn, dort »minella« genannt, betrügt dabei so viel als möglich und so sind beide Theile zufrieden. – – –