Nun war aber wieder einmal der Jose gefahren. Nicht nach Solta, sondern diesmal viel weiter, nach Spalato. Er musste dort bei Gericht als Zeuge erscheinen wegen eines Messerstiches, den zur Winterszeit ein Matrose in Solta einem Bauer in Jose's Gegenwart versetzt hatte.
In Spalato wurde er aufgehalten. »Bis Morgen« – hiess es bei Gericht. Dann noch einmal »bis Morgen.« Und dazu hatte er in Spalato den Andre Lovric gesehen, der die Luce hatte heiraten wollen! Aber nur am ersten Tage sah er ihn, dann nicht wieder.
Endlich war er fertig. Er konnte nach Hause fahren. Er kaufte der Luce ein Paar hübsche messingene Knöpfe für ihr Jäckchen und überdies eine Flasche Branntwein. Dann bestieg er sein Boot und fuhr wohlgemuth gegen Scoglio Stipansko.
Der Wind war günstig und in fünf Stunden konnte er zu Hause sein bei der Luce. Da kam aber ein Wetter wie heute; der Sturm überfiel ihn zwischen Brazza und Solta und er musste froh sein, noch mit heiler Haut auf Solta landen zu können. Des andern Morgens fuhr er wieder ab, hungrig und müde, denn er hatte nichts als ein Stück kalter Polenta und die Flasche Branntwein. Und als er gegen Scoglio Stipansko herankam, wer fuhr da in einem Boote, kaum zweihundert Klafter entfernt, an ihm vorüber? War es nicht der Andre Lovric, der die Luce hatte heiraten wollen? Und kam der nicht geradewegs von Scoglio Stipansko – – –?
Jose hat auf den Andre nicht geschossen, weil es zu weit war und keine Kugel auf zweihundert Klafter trägt. Er ist nach Hause gekommen und hat die Luce gefragt, ob der Andre da gewesen. Die Luce ist zuerst glühend roth, dann leichenblass geworden. Er hat ihr nichts gethan. Er hat sie nicht angerührt. Denn er fürchtete, sie zu tödten, und er brauchte ein Weib. Aber aus der Hütte hat er sie gejagt und von dem Augenblicke an musste sie im Freien schlafen – bei jedem Wetter – wie das Vieh. Auch hat er sie gar nicht mehr geschont und hat sie ganz als Lastthier benützt. War sie nicht sein Weib?
Einmal aber, als schon der Spätherbst herangekommen war, zog ein furchtbares Gewitter herauf, welches das Meer in den Tiefen aufwühlte und die brüllenden Wogen gegen die Felsen warf. Es war Nacht geworden und das Vieh hatte sich, zitternd vor Kälte und Nässe, an die Felswände gedrängt. Auch die Luce. Der Jose sass in seiner Hütte bei einem kleinen Feuer und brütete vor sich hin. Da fiel ihm ein, dass er droben auf dem Felsen, der so jäh gegen Süden in's Meer abfällt, seinen Tschibuk habe liegen gelassen. Ohne Tschibuk konnte er aber nicht rauchen. Und so rief er hinaus in die finstere Nacht, in den brüllenden Sturm und den strömenden Regen nach der Luce. Diese kam, gehorsam wie immer, zitternd vor Kälte und durchnässt vom Regen. Und er befahl ihr, von der Felsenspitze, die sie gut kannte, ihm seinen Tschibuk zu bringen.
Luce und Joso Grancic.