Jose Grancic war gastfreundlich wie alle Dalmatiner. Er hatte uns zu Ehren ein Lamm schlachten wollen, was wir aber nicht zugaben. Und so hatte er wenigstens frischen Käse und Milch und Polenta zu dem gemeinschaftlichen Nachtmal beigesteuert und sass jetzt, langsam seinen Wein schlürfend und den Tschibuk in der Linken, mit unterschlagenen Beinen bei uns am Feuer.

Anfangs war Jose Grancic einsilbig und trocken. Er sprach so selten mit Menschen, da musste er das Reden schier verlernt haben. Dann aber löste ihm der feurige Soltaner Wein die Zunge und er erzählte uns wie es gekommen, dass er jetzt allein sei auf dem Scoglio Stipansko und wie er's früher nicht gewesen.

Ganz im Anfang war er allerdings auch allein. Denn er war noch nicht fünfzehn Jahr alt, als ihn sein Vater zu Beginn des Frühlings mit dem Vieh nach dem Scoglio sendete, wo er den Sommer über blieb. Die Höhle hatte er vor vierzig Jahren auszumeisseln begonnen und auch das Vordach vor derselben war sein Werk. Auch die kleinen Cisternen hatte er in den felsigen Grund gegraben, die ihm und seinem Vieh Wasser lieferten.

Joso Grancic, der Gouverneur von Scoglio Stipansko.

Drüben auf der Ostseite hatte er so manchen Spalt des Gesteins langsam und mühselig urbar gemacht. Die Erde hatte er mit den Händen aus den Felsritzen gescharrt und auf seinem Rücken zusammengetragen. Darum ist es sein Kohl und sein Gemüse, das er jetzt baut. Auch eine Rebe, eine einzige, war ihm gelungen, zu ziehen. Diese hat ihre Wurzeln in den Stein getrieben und ist im Verlauf der Jahre ein mächtiger Baum geworden, der eine ganze Felswand überdacht. Darum ist es seine Rebe. Früher waren Vipern auf dem Scoglio in schwerer Menge. Eine hat ihn einmal in den Fuss gebissen. Er hat sich aber die Wunde mit einem glühenden Eisennagel ausgebrannt und ist genesen. Heute ist dieses Gezücht auf dem Scoglio nicht mehr zu finden. Er hat es ausgerottet. In vierzig Jahren!

Vor beiläufig dreissig Jahren – er weiss es nicht ganz genau – hatte Jose Grancic geheiratet. Die Luce (Lucia) war ein ganz armes Bauernkind aus Milna auf der Insel Brazza. Der Vater des Jose hat aber einmal dem Vater der Luce das Leben gerettet, als der Letztere in seinem Boote auf dem Canale dei Castelli umschlug und dem Ertrinken nahe war. Damals hatten die beiden vereinbart, dass ihre Kinder sich einmal heiraten sollten. Das geschah. Die Luce war sehr schön und unter den Burschen von Milna waren viele, die sie gerne zur Frau genommen hätten. Da war auch der Andre Lovric, der sie zur Frau begehrte. Weil die Väter es aber so abgemacht hatten, so heiratete der Jose die Luce.

Schlimm genug, denn sie hatten Beide Nichts. Aber der Jose war doch zufrieden, denn die Luce war sehr schön, er konnte sie mit sich nehmen, wenn er, wie alljährlich, den Scoglio Stipansko mit seinem Vieh bezog, und sie konnte ihm die gröbere Arbeit abnehmen. Denn wozu sonst hat man eine Frau?

Von da ab fuhren der Jose und die Luce abwechselnd mit dem fertigen Käse nach Solta. Denn es gibt keine Frau auf den dalmatinischen Inseln, die im Nothfalle nicht ein Segel zu stellen und das Steuerruder zu führen wüsste.