Gleich darauf waren alle oben im Saal, und nachdem Peters dem alten Musikanten seine Angst durch einige Gläser Wein vergütet hatte, setzte dieser sich auf ein kleines Faß und begann seine Stücke aufzustreichen. Die Paare traten an, und bald wurde unsre Blumenleuchte vom Wirbel der Tanzenden hin und her bewegt. Ich suchte Anne Lene, aber sie mußte unbemerkt hinausgegangen sein, und da für mich keine Tänzerin übriggeblieben war, so verließ ich ebenfalls den Saal, in der Meinung, sie unten bei den alten Hofleuten anzutreffen.
Als ich in das Gesindezimmer trat, sah ich indessen nur die alte Wieb, welche eifrig an ihrem Strickstrumpf arbeitete. Sie zog eine Nadel aus dem Brustlatz und störte damit in der Lampe, die den ziemlich großen Raum nur spärlich erhellte. Dann sah sie zu mir auf und sagte: "Ihr seid ja gewaltig lustig, Marx! Claus Peters spielt wohl schon den Herrn im Staatshof?"
"Er wird es bald genug sein", antwortete ich, "das ist nicht mehr zu ändern!"
Die Alte schwieg eine Weile, und ihre Gedanken schienen sich von dem alten
Besitztum der Familie zu dem letzten Nachkommen derselben hinzuwenden.
"Marx", sagte sie, indem sie den Strickstrumpf auf den Tisch legte, "warum
bist du auch so lange fort gewesen"
"Was hätte ich denn ändern können, Wieb?"
"Und die zwei langen Jahre!—Wenn nur der Unglücksmensch nicht gekommen wäre!" fuhr sie fort, wie zu sich selber redend. "Sie war dazumal noch die reiche Erbtochter; heißt das, sie war so in der Leute Mäuler; aber schon als die alte Frau in die Ewigkeit ging, ist nichts übrig gewesen als die schweren Hypotheken. Gott besser's! Nun soll gar der Hof verkauft werden.—Nicht meinetwegen, Marx, nicht meinetwegen; Marten und ich helfen uns schon durch die übrigen paar Jahre."
"Es ist wohl so am besten, Wieb", sagte ich; "vielleicht bleibt noch ein
Restchen übrig für Anne Lene, so daß sie nicht ganz verarmt ist."
Die alte Frau wischte sich mit der Schürze über die Augen. "Es ist grausam", sagte sie kopfschüttelnd, "so eine Familie!"
Von oben schallte das Scharren der Tanzenden; im anstoßenden Stalle hörte ich, wie täglich um diese Zeit, den Hofmann den Karren und die übrigen Geräte für die Nacht an ihren Platz bringen.
Als ich aufsah, stand Anne Lene in der Tür. Sie war blaß, aber sie nickte freundlich nach uns hin und sagte: "Willst du nicht tanzen, Marx? Ich bin oben gewesen; die kleine Juliane sucht dich mit ihren braunen Augen schon in allen Ecken!"