Ich wußte das in der Tat nicht, obgleich die meisten meiner
Bekannten zu dieser Verbindung gehörten.

Während ich einen Krug Bier und eine Schnitte Brot bestellte, waren wir in den Saal zurückgegangen.—Als der Tagesschein durch die geöffnete Tür fiel, wurden auf der Mitte des Fußbodens ein paar dunkle Flecke sichtbar, die mir keinen Zweifel ließen, daß nicht nur die Kneipabende, sondern auch die dazugehörigen "Paukereien" in diese Einsamkeit verlegt waren.—"Weshalb schafft ihr denn das Blut nicht fort?" fragte ich.

"Um Entschuldigung, mein Herr", erwiderte der blasse Kellner, "aber der Fleck kommt immer wieder; es ist von damals, als das Unglück hier passierte.—Es sah sich übel an, als der hitzige junge Herr auf einmal so still und weiß wurde."

Ich entsann mich sogleich jenes Vorfalls, der einer dürftigen
Offizierswitwe ihren einzigen Sohn gekostet hatte. Es war bald
nach meiner Abreise geschehen und hatte auf kurze Zeit die
Teilnahme des ganzen kleinen Landes in Anspruch genommen.

Ich ging in die Halle hinaus und setzte mich auf eine der grünen Bänke, des armen heißblütigen Jungen gedenkend, dessen Leben hier die letzte Spur zurückgelassen hatte.

Nach einer Weile brachte der Kellner das bestellte Frühstück. "Heut abend könnte Sie was Besseres haben", sagte er, indem er Krug und Teller vor mir auf den Tisch stellte. "Wir haben Ball; da schickt der Prinzipal allemal seine Köchin heraus."

"Ball?" fragte ich erstaunt. "Wer tanzt denn hier mitten im Walde?"

"Nun", erwiderte er und blickte fast ein wenig despektierlich auf meine nicht allzu moderne Kleidung, "die vornehmsten Herren Studenten haben das so eingerichtet."

Mir fiel plötzlich eine Stelle aus dem Briefe eines Freundes ein, den ich während meines Aufenthaltes in der Heimat erhalten hatte. "Zum Hexensabbat nennen wir es; und es geht toll genug her!" So lauteten die Worte. Ich wußte jetzt, wovon die Rede war; ich hatte nur den Ort vergessen.

Der Kellner schien übrigens jenen Namen nicht eben gern zu hören. Während ich ihn aber noch damit zu schrauben suchte, waren zwei junge, mir wenig bekannte Studenten den Berg heraufgekommen. Sie warfen sich, ohne von mir Notiz zu nehmen, an der andern Seite der Tür auf die Bank, während sie in scharf akzentuierten Worten und mit einem grimmigen Gesichtsausdruck jeder ein Seidel Bier bestellten. Dann, während der Kellner sich entfernte, kam in abgebrochenen Sätzen, mitunter durch Pfeifen oder lautes Gähnen unterbrochen, eine Unterhaltung über die bevorstehende Tanzfestlichkeit in Gang, die der eine, offenbar ein "Fuchs" von neuestem Datum, erst durch seinen etwas älteren Genossen kennenlernen sollte. Eine nach der andern wurden die Tänzerinnen in knapper, nicht eben zartester Porträtierung vorgeführt; voran die Töchter eines Winkeltanzmeisters und eines trunkanfälligen Polizisten, mit deren Hilfe das Institut begründet war; in ihrem Gefolge eine ganze Reihe freund- und elternloser Mädchen, die während des Tages mit ihrer Hände Arbeit sich ein kärgliches Brot verdienten.