Ich verzehrte indessen schweigend mein Frühstück und fütterte mitunter einen Buchfinken, der furchtlos neben mir auf den Fliesen umherlief und die ihm hingeworfenen Brotkrumen aufpickte.
"Die Gräfin sollst du erste sehen!" begann der ältere meiner beiden
Nachbarn wieder, indem er seinen kleinen Schnurrbart drehte.
Der andere tat eine verwunderte Frage.
Sein Freund lachte: "Es ist nur eine Nähterin, Ludwig; aber wenn sie dich so kalt mit ihren schwarzen Augen ansieht!—Sie ist verdammt von oben herab."
"Aber warum nennt ihr sie denn die Gräfin?"
"Nun, siehst du—der Raugraf hat sie."
Ich weiß nicht, weshalb ich bei diesen Worten erschrak. Schon wollte ich nähere Erkundigungen bei dem jungen Renommisten einziehen, als mir einfiel, daß ich bei meinem Fortgehen die lahme Marie in der Hinterstube meiner Hauswirtin gesehen hatte.
Ich machte mich sofort auf den Rückweg; und eine halbe Stunde später stand ich neben ihr und hatte ein Gespräch mit ihr angeknüpft.
"Und Sie haben Lenore seit lange nicht gesehen?" fragte ich.
Sie schwieg einen Augenblick. "Ich gehe nicht mehr mit ihr", sagte sie, indem sie auf ihre Arbeit blickte.