"Ja, Daniel, dein Vater; der Mann von unser beiden Mutter. Hier ist der
Pfandschein; er hat mir nicht zu viel darauf gegeben."

"Weiter!" sagte Herr Bulemann, der mit raschem Blick die leeren Hände seiner Schwester gemustert hatte.

"Vor einiger Zeit", fuhr sie zaghaft fort, "träumte mir, ich gehe mit meinem kranken Kind auf dem Kirchhof. Als wir an das Grab unserer Mutter kamen, saß sie auf ihrem Grabstein unter einem Busch voll blühender weißer Rosen. Sie hatte jenen kleinen Becher in der Hand, den ich einst als Kind von ihr geschenkt erhalten; als wir aber näher gekommen waren, setzte sie ihn an die Lippen; und indem sie dem Knaben lächelnd zunickte, hörte ich sie deutlich sagen: 'Zur Gesundheit!' Es war ihre sanfte Stimme, Daniel, wie im Leben; und diesen Traum habe ich drei Nächte nacheinander geträumt."

"Was soll das?" fragte Herr Bulemann.

"Gib mir den Becher zurück, Bruder! Das Christfest ist nahe; leg ihn dem kranken Kind auf seinen leeren Weihnachtsteller!"

Der hagere Mann in seinem gelbgeblümten Schlafrock stand regungslos vor ihr und betrachtete sie mit seinen grellen runden Augen. "Hast du das Geld bei dir?" fragte er. "Mit Träumen löst man keine Pfänder ein."

"O, Daniel!" rief sie, "glaub unserer Mutter! Er wird gesund, wenn er aus dem kleinen Becher trinkt. Sei barmherzig; er ist ja doch von deinem Blut!"

Sie hatte die Hände nach ihm ausgestreckt; aber er trat einen Schritt zurück. "Bleib mir vom Leibe", sagte er. Dann rief er nach seinen Katzen. "Graps, alte Bestie! Schnores, mein Söhnchen!" Und der große gelbe Kater sprang mit einem Satz auf den Arm seines Herrn und kauerte mit seinen Krallen in der bunten Zipfelmütze, während das schwarze Tier an seinen Knieen hinaufstrebte.

Der kranke Knabe war näher geschlichen. "Mutter", sagte er, indem er sie heftig an dem Kleid zupfte, "ist das der böse Ohm, der seine schwarzen Kinder verkauft hat?"

Aber in demselben Augenblick hatte auch Herr Bulemann die Katze herabgeworfen und den Arm des aufschreienden Knaben ergriffen.