"Verfluchte Bettelbrut", rief er, "pfeifst du auch das tolle Lied!"

"Bruder, Bruder!" jammerte die Frau.—Doch schon lag der Knabe wimmernd drunten auf dem Treppenabsatz. Die Mutter sprang ihm nach und nahm ihn sanft auf ihren Arm; dann aber richtete sie sich hoch auf, und den blutenden Kopf des Kindes an ihrer Brust, erhob sie die geballte Faust gegen ihren Bruder, der zwischen seinen spinnenden Katzen droben am Treppengeländer stand: "Verruchter, böser Mann!" rief sie. "Mögest du verkommen bei deinen Bestien!"

"Fluche, so viel du Lust hast!" erwiderte der Bruder; "aber mach, daß du aus dem Haus kommst."

Dann, während das Weib mit dem weinenden Knaben die dunklen Treppen hinabstieg, lockte er seine Katzen und klappte die Stubentür hinter sich zu.—Er bedachte nicht, daß die Flüche der Armen gefährlich sind, wenn die Hartherzigkeit der Reichen sie hervorgerufen hat.

Einige Tage später trat Frau Anken, wie gewöhnlich, mit dem Mittagessen in die Stube ihres Herrn. Aber sie kniff heute noch mehr als sonst mit den dünnen Lippen, und ihre kleinen blöden Augen leuchteten vor Vergnügen. Denn sie hatte die harten Worte nicht vergessen, die sie wegen ihrer Nachlässigkeit an jenem Abend hatte hinnehmen müssen, und sie dachte sie ihm jetzt mit Zinsen wieder heimzuzahlen.

"Habt Ihr's denn auf St. Magdalenen läuten hören?" fragte sie.

"Nein", erwiderte Herr Bulemann kurz, der über seinen Zahlentafeln saß.

"Wißt Ihr denn wohl, wofür es geläutet hat?" fragte die Alte weiter.

"Dummes Geschwätz! Ich höre nicht nach dem Gebimmel."

"Es war aber doch für Euern Schwestersohn!"