„Nun,“ sagte er, „lacht nicht so hart; Ihr sollt’s mir ja nicht zahlen! Aber ich kann’s nicht brauchen, bei mir verkommt’s; es würd’ bei Euch bald ander Ansehen haben!“

Da sprang ich von meinem Wallach und sah dem Schimmel ins Maul und sah wohl, es war noch ein junges Tier. „Was soll’s denn kosten?“ rief ich, da auch das Pferd mich wiederum wie bittend ansah.

„Herr, nehmt’s für dreißig Taler!“ sagte der Kerl, „und den Halfter geb’ ich Euch darein!“

Und da, Frau, hab’ ich dem Burschen in die dargebotene braune Hand, die fast wie eine Klaue aussah, eingeschlagen. So haben wir den Schimmel, und ich denk’ auch, wohlfeil genug! Wunderlich nur war es, als ich mit den Pferden wegritt, hört’ ich bald hinter mir ein Lachen, und als ich den Kopf wandte, sah ich den Slowaken; der stand noch sperrbeinig, die Arme auf dem Rücken, und lachte wie ein Teufel hinter mir darein.“

„Pfui,“ rief Elke, „wenn der Schimmel nur nichts von seinem alten Herrn dir zubringt! Mög’ er dir gedeihen, Hauke!“

„Er selber soll es wenigstens, soweit ich’s leisten kann!“ Und der Deichgraf ging in den Stall, wie er vorhin dem Jungen es gesagt hatte.

—Aber nicht allein an jenem Abend fütterte er den Schimmel; er tat es fortan immer selbst und ließ kein Auge von dem Tiere; er wollte zeigen, daß er einen Priesterhandel gemacht habe; jedenfalls sollte nichts versehen werden.—Und schon nach wenig Wochen hob sich die Haltung des Tieres; allmählich verschwanden die rauhen Haare; ein blankes, blau geapfeltes Fell kam zum Vorschein, und da er es eines Tages auf der Hofstatt umherführte, schritt es schlank auf seinen festen Beinen. Hauke dachte des abenteuerlichen Verkäufers. „Der Kerl war ein Narr oder ein Schuft, der es gestohlen hatte!“ murmelte er bei sich selber.—Bald auch, wenn das Pferd im Stall nur seine Schritte hörte, warf es den Kopf herum und wieherte ihm entgegen; nun sah er auch, es hatte, was die Araber verlangen, ein fleischlos Angesicht; draus blitzten ein Paar feurige braune Augen. Dann führte er es aus dem Stall und legte ihm einen leichten Sattel auf; aber kaum saß er droben, so fuhr dem Tier ein Wiehern wie ein Lustschrei aus der Kehle; es flog mit ihm davon, die Werfte hinab auf den Weg und dann dem Deiche zu; doch der Reiter saß fest, und als sie oben waren, ging es ruhiger, leicht, wie tanzend, und warf den Kopf dem Meere zu. Er klopfte und streichelte ihm den blanken Hals, aber es bedurfte dieser Liebkosung schon nicht mehr; das Pferd schien völlig eins mit seinem Reiter, und nachdem er eine Strecke nordwärts den Deich hinausgeritten war, wandte er es leicht und gelangte wieder an die Hofstatt.

Die Knechte standen unten an der Auffahrt und warteten der Rückkunft ihres Wirtes. „So, John,“ rief dieser, indem er von seinem Pferde sprang, „nun reite du es in die Fenne zu den andern; es trägt dich wie in einer Wiege!“

Der Schimmel schüttelte den Kopf und wieherte laut in die sonnige Marschlandschaft hinaus, während ihm der Knecht den Sattel abschnallte und der Junge damit zur Geschirrkammer lief; dann legte er den Kopf auf seines Herrn Schulter und duldete behaglich dessen Liebkosung. Als aber der Knecht sich jetzt auf seinen Rücken schwingen wollte, sprang er mit einem jähen Satz zur Seite und stand dann wieder unbeweglich, die schönen Augen auf seinen Herrn gerichtet. „Hoho, Iven,“ rief dieser, „hat er dir Leids getan?“ und suchte seinem Knecht vom Boden aufzuhelfen.

Der rieb sich eifrig an der Hüfte. „Nein, Herr, es geht noch; aber den Schimmel reit’ der Teufel!“