"Das ist eine entsetzliche Geschichte!" sagte die Gräfin, als die Amme schwieg. "Aber hast du nicht gehört, wie der erste Gemahl jener unglücklichen Frau geheißen hat?"

"Freilich", erwiderte die Alte, "ihr Witwenname steht auf dem Rahmen des
Bildes." Und hierauf nannte sie eines der ersten Adelsgeschlechter.

"Seltsam!" sagte die Gräfin, "so ist sie meine Urahne!"

Die Alte schüttelte den Kopf. "Unmöglich", sagte sie, "Ihr, Frau Gräfin, aus dem Blut jener bösen Frau?"

"Es ist völlig gewiß, Amme; jene Tochter, die in Wien zurückblieb, wurde die Frau eines meiner Vorfahren."—Das Gespräch wurde durch den Eintritt des Arztes unterbrochen. Der Knabe lag nach wie vor in todähnlichem Schlummer und erwachte auch nicht, als die Hand des Arztes an seinen kleinen Gliedern nach der Spur des Lebens forschte.

"Nicht wahr, er wird genesen?" sagte die Gräfin, indem sie angstvoll in das verschlossene Gesicht des Arztes blickte.

"Die Frage ist zu viel für einen Menschen", erwiderte dieser; "aber Frau
Gräfin müssen schlafen; das ist ganz notwendig." Und als sie
Gegenvorstellungen machte, fuhr er fort: "Es wird sich bis morgen mit dem
Kranken nichts ereignen, ich hafte dafür; die Amme kann die Krankenwache
halten."

Endlich war sie überredet und begab sich in ihr Schlafgemach, da der Arzt erklärt hatte, das Haus nicht verlassen zu wollen, bis er dessen gewiß sei.

Als die Alte mit diesem allein war, fragte sie: "Seid Ihr dessen sicher, daß Frau Gräfin ruhig schlafen mag?"

"Für die angegebene Zeit, ja.