"Und dann, Herr Doktor?"

"Dann, wenn Eure Herrschaft geschlafen hat, so mögt Ihr sie vorbereiten; denn der Knabe muß sterben."

Die Alte blickte mit festen Augen auf den Arzt. "Ist das ganz gewiß?" fragte sie.

"Ganz gewiß, Amme; es müßte denn ein Wunder geschehen. "-Der Arzt hatte
sich entfernt, und statt der Gräfin teilte jetzt eine junge Magd die
Krankenwache mit der Alten. Diese stützte den Kopf auf den Rand des
Bettes und betrachtete das bleiche Antlitz des kleinen Kuno, in das der
Tod schon seine scharfen Züge grub. "Ein Wunder!" murmelte sie ein paar
Mal; "ein Wunder!"

Da regte der Knabe sich auf seinem Kissen. "Ich will mit den Kindern spielen!" flüsterte er.

Die Alte riß die Augen auf. "Mit was für Kindern?" fragte sie leise.

Und der Knabe sagte ebenso im Schlaf: "Mit den Spiegelkindern, Amme!"

Sie schrie fast auf. "Unglückskind, so hast du in den Spiegel des
Cyprianus gesehen!—Aber der soll ja in der Sakristei stehen; und die
Sakristei ist ja vermauert!" Sie sann einen Augenblick; dann sagte sie zu
dem Mädchen: "Hol mir den Vincenz, Ursel!"

Vincenz, der Reitknecht, kam.—"Bist du neulich bei dem Bau in der Kapelle gewesen?" fragte die Alte.

"Ich bin jeden Tag dort."