"Wie meint Ihr das?" flüsterte sie dann.

Er aber, die Hand am Kinn, erwiderte ebenso: "Rechnet auf mich, schöne
Frau; der Oberst Hager ist Euer treuergebener Knecht."

Da raunte sie, und er sah, wie ihr Antlitz totenbleich wurde: "Die Augen würden mir besser noch gefallen, wenn sie geschlossen wären."

"Und was gäbt Ihr drum, wenn Ihr sie in solcher Schönheit erblicken könntet?"

Sie legte einen Augenblick ihre weiße Hand in die seine; dann warf sie die glänzenden Locken zurück und schritt, ohne sich umzublicken, aus dem Gärtlein.

Als eine Stunde später der kleine Kuno durch die Korridore des obem
Stockwerks streifte, sah er den Obristen in einer Fensternische stehen.
Der Knabe wollte vorüber; denn der Mann schaute so unheimlich drein. Aber
er wurde angerufen: "Wohin rennst du, Junge?"

"Nach der alten Rüstkammer", sagte Kuno, "ich wollte meine Armbrust holen."

"So gehe ich mit dir." Und der Oberst schritt neben dem Knaben her bis zu dem entlegenen Gemache, wo noch immer mit dem schweren Bahrtuch verhangen unter allerlei Gewaffen der Spiegel des Cyprianus stand. Als sie eingetreten waren, schob der Oberst den Eisenriegel vor und stellte sich mit dem Rücken gegen die Tür. Da aber der Knabe die wilden Augen des Mannes sah, schrie er: "Hager, Hager, du willst mich töten!"

"Du kannst nicht übel raten", sagte der Oberst und griff nach ihm. Aber der Knabe sprang unter seinen Händen fort und riß seine gespannte Armbrust von der Wand, die er tags vorher dorthin gehangen hatte. Er schoß, und den Eindruck seines Bolzens könnt Ihr noch heutzutage in dem schwarzen Eichengetäfel sehen; aber den Obristen traf er nicht.

Da warf er sich in die Knie und rief: "Laß mich leben; ich schenke dir mein kleines Nordlandsroß und auch das schöne rote Sattelzeug!"