Der finstere Mann stand mit untergeschlagenen Armen vor ihm. "Dein
Nordlandsroß", erwiderte er, "läuft mir noch lange nicht schnell genug."

"Lieber Hager, laß mich leben!" rief der Knabe wieder; "wenn ich groß bin, will ich dir mein Schloß geben und alle schönen Wälder, die dazu gehören!"

"Die will ich bälder noch bekommen", sagte der Oberst.

Da senkte der Knabe das Haupt und rief: "So ergebe ich mich in die
Allbarmherzigkeit Gottes!"

"Das war das rechte Wort!" sagte der böse Mann. Aber der Knabe sprang noch einmal auf und flog an den Wänden des Gemaches entlang; der Oberst jagte ihn wie ein Wildpret. Als sie aber an den verhangenen Spiegel kamen, verwickelte der Knabe seine Füße in dem Bahrtuch, daß er jählings zu Boden stürzte. Da war auch der böse Mann über ihm.-In demselben Augenblick—so wird erzählt—als dieser zum Faustschlage ausholte und der Knabe die kleinen Hände schützend über seinem Herzen kreuzte, stand der alte Hausmeister tief unten im hintersten Verschlage des Kellers, wo ein Knecht mit der Abzapfung eines Fasses Ingelheimer beschäftigt war. "Hast du nichts gehört, Casper?" rief er und setzte das Lämpchen, das er in der Hand gehalten, auf das Faß.

Der Knecht schüttelte den Kopf. "Mir war", sagte der Alte, "als hörte ich den Junker Kuno meinen Namen rufen."

"Ihr irrt Euch, Meister", erwiderte der Knecht; "hier unten hört sich nichts!"

Eine Weile stand es an; da rief der Alte wieder: "Um Gott, Casper, da hat es nochmals mich gerufen; das war ein Notschrei aus meines Junkers Kehle!"

Der Knecht fuhr in seiner Arbeit fort. "Ich höre nur den roten Wein vom
Fasse rinnen", sagte er.

Der Alte aber ließ sich nicht beruhigen; er stieg in das Schloß hinauf; er ging von Tür zu Tür, erst in dem Erdgeschoß und dann droben in dem oberen Stockwerk. Als er die Tür der entlegenen Rüstkammer öffnete, da leuchtete ihm der Spiegel des Cyprianus entgegen, auf den die Abendsonne schien. "Wessen ruchlose Hand hat denn das herabgerissen?" murrte der Alte; als er aber das Bahrtuch vom Boden hob, sah er darunter den Leichnam des Knaben und sah die dunkeln Locken über den geschlossenen Augenlidern liegen.