Die schwache Frau richtete sich ein wenig auf und sah ihn mit fast zürnenden Augen an. "Was habt Ihr denn an meinem Andrees auszusetzen?" fragte sie.

"Ich an Eurem Andrees, Frau Stine?—Auf der Welt gar nichts! Aber"—und er strich sich mit der Hand über die silbernen Knöpfe seiner roten Weste—"meine Tochter ist eben meine Tochter, und des Wiesenbauers Tochter kann es besser belaufen."

"Trotzt nicht zu sehr, Wiesenbauer", sagte die Frau milde, "ehe die heißen
Jahre kamen—!"

"Aber sie sind gekommen und sind noch immer da, und auch für dies Jahr ist keine Aussicht, daß Ihr eine Ernte in die Scheuer bekommt. Und so geht's mit Eurer Wirtschaft immer weiter rückwärts."

Die Frau war in tiefes Sinnen versunken; sie schien die letzten Worte kaum gehört zu haben. "Ja", sagte sie, "Ihr mögt leider recht behalten, die Regentrude muß eingeschlafen sein; aber—sie kann geweckt werden!"

"Die Regentrude?" wiederholte der Bauer hart. "Glaubt Ihr auch an das
Gefasel?"

"Kein Gefasel, Nachbar!" erwiderte sie geheimnisvoll. "Meine Urahne, da sie jung gewesen, hat sie selber einmal aufgeweckt. Sie wußte auch das Sprüchlein noch und hat es mir öfters vorgesagt, aber ich habe es seither längst vergessen."

Der dicke Mann lachte, daß ihm die silbernen Knöpfe auf seinem Bauche tanzten. "Nun, Mutter Stine, so setzt Euch hin und besinnt Euch auf Euer Sprüchlein. Ich verlasse mich auf mein Wetterglas, und das steht seit acht Wochen auf beständig Schön!"

"Das Wetterglas ist ein totes Ding, Nachbar; das kann doch nicht das
Wetter machen!"

"Und Eure Regentrude ist ein Spukeding, ein Hirngespinst, ein Garnichts!"