Aber er drückte nur heftig meine Hand und ging dann, ohne ein Wort zu sagen, nach dem Hof hinaus. Es war, als wenn uns alles jetzt zum Schrecken werden sollte.
Endlich schlug es wieder einmal elf auf unserer Dielenuhr, und ich ging in die Stube und setzte mich an meine Näharbeit. Eben als auch meine Mutter aus der Küche hereintrat, läutete es von der Haustür, und als ich durchs Guckfenster auf den Flur hinaussah, da war es der Fremde von vorhin. Ich erkannte ihn jetzt wohl; es war ein Hopfenhändler aus Franken, der um diese Zeit zu kommen pflegte, um neue Bestellungen entgegenzunehmen und sein Geld für die alte Ware einzukassieren; er hatte vor zwei Jahren sogar einen Abend bei uns zugebracht. — ›Geh,‹ sagte meine Mutter; ›hole deinen Vater und sag ihm, daß Herr Abel da sei.‹«
Die alte Dame machte eine Pause. »Ich glaube,« sagte sie dann, »dem Angedenken meines seligen Vaters nicht zu nahe zu treten, wenn ich auch dies Wenige noch erzähle; denn wo wäre der Mensch, der der Not des Lebens in jedem Augenblicke standgehalten hätte! —
Herr Abel hatte sich gesetzt; ich ging ins Brauhaus, weil ich dachte, daß mein Vater dort beschäftigt sei; aber er war nicht dort. Auf dem Rückwege begegnete mir der neue Knecht, auch er wußte nichts; er war im Keller bei der Gerste gewesen; vielleicht, meinte er, sei der Herr hinten auf den Weg hinausgetreten. Ich kehrte deshalb noch einmal wieder um; aber da ich auch dort ihn nicht gewahren konnte, lief ich ins Haus zurück. Ich suchte im Pesel und in allen Stuben, stieg halb die Bodentreppe hinauf und rief, so laut ich konnte: ›Vater! Vater!‹ Aber es war alles um sonst.
›Vater muß ausgegangen sein,‹ sagte ich, als ich wieder in die Stube trat.
›Ei was!‹ rief meine Mutter. ›Dort, hängt ja sein Hut am Türhaken; Ihr Kinder versteht nur nicht zu suchen!‹
Damit ging sie zur Stube hinaus, und ich hörte sie im Hause und vom Hof her rufen. Aber auch sie kam kopfschüttelnd zurück. ›Ich kann das nicht begreifen,‹ sagte sie.
Herr Abel stand auf. Es habe keine Eile, er solle jetzt noch weiter nach dem Norden; aber um drei Wochen werde er auf hier zurückkommen; er könne ja auch dann seine Geschäfte mit Herrn Ohrtmann regulieren.
Ich weiß nicht, weshalb; aber als der Mann das sagte, war mir, als wisse ich jetzt alles, was noch kommen müsse.
— — Ein paar Minuten, nachdem er fortgegangen war, trat mein Vater in das Zimmer.