›Wo bleibst du denn, Josias,‹ rief meine Mutter. ›Herr Abel ist eben dagewesen; wir haben dich durchs ganze Haus gerufen!‹
›Ich weiß das,‹ erwiderte er — und es war gar nicht, als ob das seine Stimme wäre — ›ich habe es gehört; ich hatte den Mann auch kommen sehen.‹
Meine Mutter starrte ihn an. ›Was sagst du, Josias? — Mein Gott, und wie du aussiehst!‹
Ich bemerkte das nun auch; sein Haar und seine Kleider waren ganz bedeckt mit Staub und Spinngeweben.
›So sprich doch!‹ rief meine Mutter wieder. ›Um Gottes willen, Josias, was ist geschehen? Wo bist du gewesen?‹
Da riß mein Vater uns mit beiden Armen an sich und drückte uns heftig gegen seine Brust. ›Mutter! — Nane!‹ er sprach leise, aber hastig, als ob er es von sich stoßen müsse — ›Ich hatte mich versteckt! — Es war das erstemal, daß ich nicht zahlen konnte!‹
Er wollte weiter sprechen; aber der starke Mann brach in lautes Schluchzen aus.
Meine Mutter hatte ihre Arme sanft um seinen Hals gelegt; mein junger Kopf aber war vor Schrecken über das Gehörte ganz von Sinnen; ich klammerte mich mit beiden Händen an meines Vaters Arm, denn mir war, als müßten wir jetzt alle fort ins Elend wandern. Da hörte ich seine Stimme und fühlte seine Hand auf meinem Kopfe: ›Laß, Nane!‹ sagte er ruhig; ›hole mir den anderen Rock, mein Kind. Herr Abel wird noch in der Stadt sein, ich will jetzt zu ihm gehen.‹
Wie betäubt tat ich, was er mir befohlen hatte; dann lief ich in die Küche und setzte mich in einen dunklen Winkel. Erst als ich meines Vaters Schritte über den Hausflur und dann gleich danach die Türschwelle läuten hörte, überfiel mich das Leid um ihn, und ich weinte mich von Herzen satt.
— — Wie die Verhandlung mit Herrn Abel ausgefallen, habe ich nicht erfahren; ich weiß nur, daß wenige Tage darauf die beiden Meerschaumköpfe von der Wand verschwunden waren, und daß ich unseren Vater niemals wieder weder seine Abend- noch seine Sonntagspfeife habe rauchen sehen. Den Kalender mit dem rotangestrichenen Festtage bewahrte ich noch lange unter meinen alten Sachen; gefeiert ist der Tag nicht worden, aber wir konnten ihn dessen ungeachtet nicht vergessen.«