Er lachte, und sie lachte mit. »Bist du mir aber auch zu klug, Franziska?«

»Vielleicht!« sagte sie, — und ihre Stimme erhielt plötzlich einen tiefen, herzlichen Klang, als sie es sagte, — »du weißt noch gar nicht, wie! Als du erst hier in die Stadt versetzt warst und dann zu meinem Bruder Fritz ins Haus kamst, war ich ein kleines Mädchen, das noch zwei volle Schuljahre vor sich hatte. Nachmittags, wenn ich nach Haus gekommen, schlich ich mich öfters in den Saal und stellte mich daneben, wenn ihr euch im Rapieren übtet. Aber du wolltest keine Notiz von mir nehmen. Einmal sogar, als deine Klinge mir in die Schürze fuhr, sagtest du: ›Setz dich ins Fenster, Kind‹. Du weißt wohl nicht, was das für böse Worte waren! — Nun aber begann ich auf allerlei Listen zu sinnen. Wenn Nachbarskinder bei mir waren, suchte ich dich durch eins der andren Mädchen — ich selber hätte es nicht getan — zur Teilnahme an unsren Spielen zu veranlassen; und wenn du dann in unsren Reihen standest,« —

»Nun, Fränzchen!«

»Dann lief ich so oft an dir vorüber, bis du mich endlich doch an meinem weißen Kleidchen haschen mußtest.«

Sie war dunkelrot geworden. Er legte seine Finger zwischen ihre und hielt sie fest umschlossen. Nach einer Weile sah sie schüchtern zu ihm auf und fragte: »Hast du denn nichts gemerkt?«

»Doch; endlich!« sagte er, »du bist ja endlich groß geworden.«

— »Und dann? — Wie kam es denn mit dir?«

Er sah sie an, als müsse er ihr Antlitz befragen, ob er reden dürfe. »Wer weiß,« sagte er, »ob es je gekommen wäre! Aber die Frau Syndika sagte einmal« — —

»So sprich doch, Konstantin!«

— »Nein; mir zulieb! Geh erst einmal den Steig hinauf!«