Ines bog ihren schönen Kopf unter das Gesträuch und begann an der eisernen
Klinke der Tür zu rütteln; Nesi stand schweigend dabei, als wolle sie den
Erfolg dieser Bemühungen abwarten.
"Aber er ist ja verschlossen!" rief die junge Frau, indem sie abließ und mit dem Schnupftuch den Rost von ihren Fingern wischte. "Ist es der wüste Garten, den man aus Vaters Stubenfenster sieht?"
Das Kind nickte.
—"Horch nur, wie drüben die Vögel singen!"
Inzwischen war die alte Dienerin in den Garten getreten. Als sie die
Stimmen der beiden von der Mauer her vernahm, beeilte sie sich, in ihre
Nähe zu kommen. "Es ist Besuch drinnen", meldete sie.
Ines legte freundlich ihre Hand an Nesis Wange. "Vater ist ein schlechter
Gärtner", sagte sie im Fortgehen, "da müssen wir beide noch hinein und
Ordnung schaffen."
—Im Hause kam Rudolf ihr entgegen.
"Du weißt, das Müllersche Quartett spielt heute abend", sagte er, "die
Doktorsleute sind da und wollen uns vor Unterlassungssünden warnen."
Als sie zu den Gästen in die Stube getreten waren, entspann sich ein langes, lebhaftes Gespräch über Musik; dann kamen häusliche Geschäfte, die noch besorgt werden mußten. Der wüste Garten war für heut vergessen.
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