Am Abend war das Konzert.—Die großen Toten, Haydn und Mozart, waren an den Hörern vorübergezogen, und eben verklang auch der letzte Akkord von Beethovens c-Moll-Quartett, und statt der feierlichen Stille, in der allein die Töne auf und nieder glänzten, rauschte jetzt das Geplauder der fortdrängenden Zuhörer durch den weiten Raum.

Rudolf stand neben dem Stuhle seiner jungen Frau. "Es ist aus, Ines", sagte er, sich zu ihr niederbeugend, "oder hörst du noch immer etwas?"

Sie saß noch wie horchend, ihre Augen nach dem Podium gerichtet, auf dem nur noch die leeren Pulte standen. Jetzt reichte sie ihrem Manne die Hand. "Laß uns heimgehen, Rudolf", sagte sie aufstehend.

An der Tür wurden sie von ihrem Hausarzte und dessen Frau aufgehalten, den einzigen Menschen, mit denen Ines bis jetzt in einen näheren Verkehr getreten war.

"Nun?" sagte der Doktor und nickte ihnen mit dem Ausdruck innerster Befriedigung zu. "Aber kommen Sie mit uns, es ist ja auf dem Wege; nach so etwas muß man noch ein Stündchen zusammensitzen."

Rudolf wollte schon mit heiterer Zustimmung antworten, als er sich leise am Ärmel gezupft fühlte und die Augen seiner Frau mit dem Ausdrucke dringenden Bittens auf sich gerichtet sah. Er verstand sie wohl. "Ich verweise die Entscheidung an die höhere Instanz", sagte er scherzend.

Und Ines wußte unerbittlich den nicht so leicht zu besiegenden Doktor auf einen andern Abend zu vertrösten.

Als sie am Hause ihrer Freunde sich von diesen verabschiedet hatten, atmete sie auf wie befreit.

"Was hast du heute gegen unsere lieben Doktorsleute?" fragte Rudolf. Sie drückte sich fest in den Arm ihres Mannes. "Nichts", sagte sie, "aber es war so schön heute abend; ich muß nun ganz mit dir allein sein."

Sie schritten rascher ihrem Hause zu.