Sie nickte nur und ließ sich wie ein Kind ins Haus und in das Schlafgemach zurückführen.

Als er sie hier sanft aus seinen Armen ließ, sagte sie: "Du bist so stumm, du zürnst gewiß?"

"Wie sollt ich zürnen, Ines! Ich hatte Angst um dich. Hast du schon früher so geträumt?"

Sie schüttelte erst den Kopf, bald aber besann sie sich. "Doch—einmal; nur war nichts Schreckliches dabei."

Er trat ans Fenster und zog die Vorhänge zurück, so daß das Mondlicht voll ins Zimmer strömte.

"Ich muß dein Antlitz sehen", sagte er, indem er sie auf die Kante ihres Bettes niederzog und sich dann selbst an ihre Seite setzte. "Willst du mir nun erzählen, was dir damals Liebliches geträumt hat? Du brauchst nicht laut zu sprechen; in diesem zarten Lichte trifft auch der leiseste Ton das Ohr."

Sie hatte den Kopf an seine Brust gelegt und sah zu ihm empor.

"Wenn du es wissen willst", sagte sie nachsinnend. "Es war, glaub ich, an meinem dreizehnten Geburtstag; ich hatte mich ganz in das Kind, in den kleinen Christus, verliebt, ich mochte meine Puppen nicht mehr ansehen."

"In den kleinen Christus, Ines?"

"Ja, Rudolf", und sie legte sich wie zur Ruhe noch fester in seinen Arm; "meine Mutter hatte mir ein Bild geschenkt, eine Madonna mit dem Kinde; es hing hübsch eingerahmt über meinem Arbeitstischchen in der Wohnstube."