Er blickte sie an und konnte sich nicht ersättigen an ihrem Anblick.
"Ines", sagte er—fast demütig klang seine Stimme—, "ich sitze hier, und
stundenlang schon trage ich das Glück wie eine schwere Last auf meinem
Haupte; hilf es mir tragen, Ines!"
"Rudolf—!" Sie hatte sich mit einer kräftigen Bewegung aufgerichtet.
—"Du wirst leben, Ines!"
"Wer hat das gesagt?"
—"Dein Arzt, mein Freund; ich weiß, er hat sich nicht getäuscht."
"Leben! O mein Gott! Leben!—Für mein Kind, für dich!"—Es war, als käme ihr plötzlich eine Erinnerung; sie schlang die Hände um den Hals ihres Mannes und drückte sein Ohr an ihren Mund. "Und für deine—für euere, unsre Nesi!" flüsterte sie. Dann ließ sie seinen Nacken los, und seine beiden Hände ergreifend, sprach sie zu ihm sanft und liebevoll. "Mir ist so leicht!" sagte sie. "Ich weiß gar nicht mehr, warum alles sonst so schwer gewesen ist!" Und ihm zunickend: "Du sollst nur sehen, Rudolf; nun kommt die gute Zeit! Aber—" und sie hob den Kopf und brachte ihre Augen ganz dicht an die seinen—"ich muß teilhaben an deiner Vergangenheit, dein ganzes Glück mußt du mir erzählen! Und, Rudolf, ihr süßes Bild soll in dem Zimmer hängen, das uns gemeinschaftlich gehört; sie muß dabeisein, wenn du mir erzählst!"
Er sah sie an wie ein Seliger.
"Ja, Ines; sie soll dabeisein!"
"Und Nesi! Ich erzähl ihr wieder von ihrer Mutter, was ich von dir gehört habe;—was für ihr Alter paßt, Rudolf, nur das—"
Er konnte nur stumm noch nicken.