"Wo ist Nesi?" fragte sie dann, "ich will ihr noch einen Gutenachtkuß geben!"

"Sie schläft, Ines", sagte er und strich sanft mit der Hand über ihre
Stirn. "Es ist ja Mitternacht!"

"Mitternacht! So mußt auch du nun schlafen! Ich aber—lache mich nicht aus, Rudolf—, mich hungert; ich muß essen! Und dann, nachher, die Wiege vor mein Bett; ganz nahe, Rudolf! Dann schlaf auch ich wieder; ich fühl's; gewiß, du kannst ganz ruhig fortgehen."

Er blieb noch.

"Ich muß erst eine Freude haben!" sagte er.

"Eine Freude?"

"Ja, Ines, eine ganz neue; ich will dich essen sehen!"

—"O du!"

—Und als ihm auch das geworden, trug er mit der Wärterin die Wiege vor das Bett.

"Und nun gute Nacht! Mir ist, als sollte ich noch einmal in unseren
Hochzeitstag hineinschlafen."