Er wollte wieder ihre Hand fassen, aber sie entzog sie ihm.

"Ines", sagte er, "verlange nur nichts, was die Natur versagt; von Nesi nicht, daß sie dein Kind, und nicht von dir, daß du ihre Mutter seist!"

Die Tränen brachen ihr aus den Augen. "Aber, ich soll doch ihre Mutter sein", sagte sie fast heftig.

—"Ihre Mutter? Nein, Ines, das sollst du nicht."

"Was soll ich denn, Rudolf?"

—Hätte sie die naheliegende Antwort auf diese Frage jetzt verstehen können, sie würde sie sich selbst gegeben haben. Er fühlte das und sah ihr sinnend in die Augen, als müsse er dort die helfenden Worte finden.

"Bekenn es nur!" sagte sie, sein Schweigen mißverstehend, "darauf hast du keine Antwort."

"O Ines!" rief er. "Wenn erst aus deinem eigenen Blut ein Kind auf deinem
Schoße liegt!"

Sie machte eine abwehrende Bewegung; er aber sagte: "Die Zeit wird kommen, und du wirst fühlen, wie das Entzücken, das aus deinem Auge bricht, das erste Lächeln deines Kindes weckt und wie es seine kleine Seele zu dir zieht.—Auch über Nesi haben einst zwei selige Augen so geleuchtet; dann schlang sie den kleinen Arm um einen Nacken, der sich zu ihr niederbeugte, und sagte: "Mutter!"—Zürne nicht mit ihr, daß sie es zu keiner andern auf der Welt mehr sagen kann!"

Ines hatte seine Worte kaum gehört; ihre Gedanken verfolgten nur den einen Punkt. "Wenn du sagen kannst: Sie ist ja nicht dein Kind, warum sagst du denn nicht auch: Du bist ja nicht mein Weib!"