Ob das Gewissen der beiden dennoch nicht ganz rein gewesen?—Aber—hilf
Himmel! wie huben auf dieses Wort die kleinen Kerle an zu schreien! Kein
Trost, kein Zuspruch half, die Tränen liefen ihnen stromweis über die
Backen.

Da trat mein Freund, der Doktor—der als Primaner einst so schön die
Klarinette spielte—in die Tür. "Hallo! Junges, was ist da los?"

Die Augen wandten sich zu dem Sprecher, und einen Augenblick lang stockte das Geheul. "Doktor", rief der eine im wehmütigsten Klagelaut, "unser Nine ist tot!"

"Und wir haben es verhungern lassen!" schrie der andre.—Dann heulten sie beide wieder mit vereinten Kräften.

"Jungens!" rief der Doktor. "Euer Nine wird nicht mehr lebendig! Aber wißt ihr denn das nicht? Wenn es tot ist, so müßt ihr es begraben!"

Begraben!—Das Zauberwort war gesprochen. Das Geschrei verstummte, die Tränen wurden abgewischt, ein wahres Sonnenleuchten verklärte die Gesichter der beiden Kinder.—Schon waren sie aus dem Zimmer und die Bodentreppe hinauf; und nicht lange, so kamen sie fröhlichen Angesichts mit dem Leichnam ihres Nine angezogen; der eine hatte es an den Ohren, der andre an den Hinterläufen. So zogen wir mitsammen in den Garten hinaus.

Als wir auf dem großen Steige waren, begegnete uns die Manschettenmieße.
"Miau!" sagte sie, indem sie stehenblieb und uns ansah.

Der Zug hielt; und die Kinder sahen sie wieder an. "Mite", sagte der
Kleine, noch einmal in seinen Klageton verfallend, "unser Nine ist tot!"

Dann setzte der Zug sich wieder in Bewegung, und Mite machte einen Buckel und sprang mit, um dem Begräbnis beizuwohnen.

Der Doktor hatte schon den Spaten in der Hand, und an der Geißblattlaube unter überhängenden Ulmenzweigen wurde nach reiflicher Erwägung die Stätte auserwählt. Da wurde ich von der Magd ins Haus zurückgerufen und überließ dem Doktor allein die Leitung unsrer Trauerfeierlichkeit.