So lauteten die Worte. Lange stand Richard vor dem Bilde, das er früher kaum beachtet hatte.

Würde das Antlitz jenes einsamen Alten, wenn es sich plötzlich zu ihm wendete, die Züge des Erbauers dieser Räume zeigen, oder war diese Gestalt das Alter selbst, und würde sie—nur eines vermessenen Worts bedurfte es vielleicht—sein eigenes Angesicht ihm zukehren?—Wehte nicht schon ein gespenstisch kalter Hauch von dem Bilde zu ihm herab?—Unwillkürlich griff er sich in Bart und Haar und richtete sich rasch und straff empor.—Nein, nein; es hatte ihn noch nicht berührt. Aber wie lange noch, so mußte es dennoch kommen. Und dann?-Er wandte sich langsam ab und trat an seinen Schreibtisch. Die Papiere, die dort noch umherlagen, legte er in die Schublade zurück, aus der er sie vorhin genommen hatte.—Draußen strömte unablässig noch der Regen.

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In den nächsten Tagen schien wieder die Sonne; nur der Wald war noch nicht zu begehen. Aber durch die Heide hatten Richard und Franziska am Nachmittage einen weiten Ausflug gemacht; auf dem Riesenhügel, in welchem Meister Reineke wohnte, hatten sie ihr mitgenommenes Vesperbrot verzehrt, während Leo, der diesmal nicht zurückgetrieben war, an den Eingängen des geheimnis- vollen Baues seine vergeblichen Untersuchungen fortgesetzt hatte.

Mit der Dämmerung waren sie heimgekehrt.-Als Franzi in das Wohnzimmer trat, ging sie schon wieder in den leichten Stiefeln, die sie stets im Hause zu tragen pflegte.

"Du bist blaß", sagte Richard; "es ist zu weit für dich gewesen."

"Oh, nicht zu weit."

"Aber du bist ermüdet, komm!" Und er drückte sie in den großen
Polsterstuhl, der dicht am Fenster stand.

Sie ließ sich das gefallen und legte den Kopf zurück an die eine
Seitenlehne; die schmächtige Gestalt verschwand fast in dem breiten Sessel.

"Wie jung du bist!" sagte er.