Ein Jahr später sah ich auf der Hirschgasse meinen Freund M., mit einer klaffenden Wunde in der Brust. — Ein feindlicher Burschenschaftschläger, geführt von dem trefflichen S. aus N., war ihm zwischen der dritten und vierten Rippe in die Seite gefahren. Er sah mich mit seinen sterbenden Blicken traurig aber mit Freundeszärtlichkeit an. Das Ganze war um einen nichtswürdigen Kerl hergekommen und Ms. Duell mit eine sogenannte Nachstürzerei, in welche auch ich verwickelt war.

Die Mißverhältnisse mit den Landsleuten, die nothwendige Vermeidung einer Rührung, machten es unmöglich zu ihm zu gehen.

In derselben Stunde verließ ich von Schmerz zerknirscht mit S. aus verschiedenen Thoren Heidelberg. Es war mir unmöglich mit dem tödtlich verwundeten Jugendfreunde in Einem Ort zu leben ohne ihn sehen zu können. Ich floh nach Rastadt, wo ich jeden Morgen durch meinen treuen Freund v. P. ein Gesundheitsbulletin über M. empfing.

Ich verlebte eine höchst qualvolle Zeit. Noch jetzt habe ich einen Brief von v. P., an einen andern in Rastadt Lebenden in Händen, der die Furcht ausspricht, ich würde vor Schmerz verrückt werden.

Sein Gegner S. lief bewußtlos nach Rheinbaiern. Er sank hier unter einem Apfelbaum und schlief ermüdet ein. Hier erschien ihm ein Engel im Traum und sprach zu ihm: »Dein Gebet wird erhört, M. wird genesen. Kehr zurück nach Heidelberg.«

S. that wie ihm der Engel geheißen.

Chelius aber hat ein Meisterstück an M. verübt. Nachdem er fast zwei Jahre an derselben hoffnungslos gelegen und seine Brust täglich eine Masse Eiter ergossen hatte, ist M. ein starker kräftiger Mann geworden.

Erst, als er gerettet war, durfte ich ihn wieder sehen.

Hol’ der Teufel Landsmannschaft und Burschenschaft wenn die solche Freunde kosten, dachte ich, und denke seitdem noch so. —