Als Robert Heidelberg verließ, bat ich ihn um ein Stammblatt, und zwar um einige Verse. Er antwortete mir: »Einen schlechten Spruch in Versen für Sie zu schreiben, geziemt uns nicht.«
»Zur Nutzanwendung mögte der 38jährige gern dem 19jahrigen etwas aufzeichnen, aber das, was er ihm am Liebsten in der Art sagte, darf er ihm nicht sagen; daher wird Robert, weil er Kobbe sehr lieb gewonnen hat ihm zuweilen schreiben und sich nach seinem Thun und Treiben freundlich und herzlich erkundigen. Glauben Sie mich nie unwahr.
Ihr Robert«
Heidelberg, den 31. Decbr. 1817.
Robert war meinen poetischen Bestrebungen sehr gewogen. — Freilich demüthigte er mich auch oft, indessen hat er mich dadurch von jedem schriftstellerischen Hochmuth bewahrt. So besinne ich mich unter Anderm, daß er mir zwei Akte eines von mir geschriebenen Trauerspiels mit der niederschlagenden Ermunterung zurück gab! »Schreiben Sie frisch darauf los, noch sechs solche Trauerspiele, verbrennen Sie aber ja alle, dann werden Sie Glück mit dem siebenten haben. Wenn nur alle jungen Dichter diese Sybillenweisheit beherzigten.«
Es ist mir allezeit auffallend gewesen, warum die Schriften Ludwig Roberts so wenig Epoche gemacht haben, und selbst jetzt selten genannt werden. Das Erste läßt sich am leichtesten begreifen. — Denn in der Zeit seiner meisten Productionen war das Publicum nur ganz Jahnisch und Arendtsch; ein Poet durfte nur Körnersche Lieder vor die Augen der Leser bringen. Roberts »Kämpfe der Zeit« erregten einen rauschenden aber bald verklingenden Beifall. Von seinen dramatischen Sachen hat sich »die Macht der Verhältnisse« fortwährend auf der Bühne erhalten. Obgleich unsere chinesischen Vorurtheile keineswegs sich verringert haben, vielmehr in trägen Frieden sich tagtäglich vergrößern, das Stück mithin nur zu sehr die Interessen des Tages anregt, woher auch seine fortwährende Geltung rühren mag, so ist in demselben doch kein tragisches Element zu finden. Die Miserabilitäten der Standesvorurtheile zu bekämpfen, dafür haben wir das Lustspiel, dessen Haupttypus immer der sich aufblähende, einem Ochsen gleichen wollende, und endlich zerspringende Frosch bleibt. — Wenig bekannt ist Roberts Drama »die Gleichgültigen oder die Nichtigen,« ein kostbares Lustspiel, was wahrscheinlich nur um seiner treffenden Wahrheit willen, und weil es alle Stände unerbittlich züchtigt, sich nicht ein Beifall zollendes Publikum erworben hat.
An der Wirthstafel des Badischen Hofes zu Heidelberg lernte Robert in demselben Jahre seine künftige Gattin kennen, das schönste Weib, das meine Augen je erblickt haben. Die Ironie des Schicksals hatte diese Dame, ein würdiges Modell zu einer Madonna, in traurige unwürdige eheliche Verhältnisse gebracht, von denen Robert sie nicht ohne große pecuniäre Opfer erlößte. — Die schöne Frau wurde dadurch zum dankbaren Clärchen gegen ihren Erretter. Noch später hat mir die liebenswürdige Haizinger, ihre getreue Freundin, von der schwärmerischen Liebe erzählt, womit die Gattin Roberts an ihn hing. — Ihr Herz brach mit seinen Augen, wenige Tage nachher wurde auch sie zur Erde bestattet. Von freudigen Gedanken an das Wiedersehn des liebenswürdigen Ehepaars erfüllt, vergesse ich nie die Erschütterung, welche die Antwort einer weinenden Frau in mir hervorbrachte die ich bei der Annäherung des Leichenzugs um den Namen des Todten befragte. »Es ischt halt ä Engel die Wittwe von de Herr Dichter Robert.«
Unvergeßlich bleibt mir ein Doctor Carl Thorbecke aus Osnabrück, welcher damals in Heidelberg privatisirte. Unglück, vielleicht auch eigne Schuld haben ihn später in das Verderben gestürtzt und ich zweifle, ob er noch unter den Lebenden wandelt. Nie hab ich einen Sterblichen gekannt welcher eine solche Macht auf die Stimmung der Menschen übte, die er mit einer fast elementarischen neidischen Koboldskraft fast immer dazu anwandte, den Heitern mit Traurigkeit, den Betrübten mit Frohsinn zu erfüllen. Einem Studenten, welcher unter Bürgschaft eines Professors eine Summe Geldes von dem Banquier Hirschhern zu leihen hoffen konnte, aber im Begriff war, diesen Termin zu versäumen schrieb er folgende jocose Verse:
»Hirschhern kräftig gegen Schwindel,
Wenn man weiß nicht aus noch ein,